Susanne Viktoria Haupt
6. Juli 2015

Ein Fest für den Magen

Seitenansicht: „Sophias vegane Welt“ von Sophia Hoffmann

Punktet mit ausgefallenen und schmackhaften Rezepten: „Sophias vegane Welt“, Buchcover

Vegan ist in aller Munde. Und ohnehin dreht sich zurzeit in sozialen Netzwerken ganz viel ums Essen, um die „richtige“ Ernährung. Man hört und liest von Superfoods, Menschen schmeißen sich Chia-Samen ins Müsli und andere ersetzen ganze Mahlzeiten durch Smoothies, die es mittlerweile an jeder Ecke gibt. Auch mit Grünkohl und Spinat. Und klar, eine gesunde und ausgewogene Ernährung ist wichtig. Der Körper braucht Vitamine, Mineralstoffe und auch Fett und Kohlenhydrate. Da führt kein Weg dran vorbei, es sei denn man möchte künftig nur noch in der Kinderabteilung einkaufen. Essen und Kochen müssen Spaß machen, unbedingt. Denn wenn die eigene Ernährung keinen Spaß mehr macht, wenn es nur noch um Trends geht und um eine möglichst „richtige“ Ernährung, die mehr auf Verzicht basiert als auf Genuss, dann ist das nicht gut, nicht gesund und einfach nicht erstrebenswert.

Kein Dogma, kein Missionsdrang

Klar, das Thema Ernährung ist wegen all der missionierenden Foodies, militanten Vegetariern und Veganern und Superfoods-Bibel-Trägern manchmal ein leidiges. In dieser Situation bei unseren Seitenansichten ein veganes Kochbuch vorzustellen, ist gewagt und könnte die Kirsche auf dem Nerv-Eisbecher bedeuten, doch „Sophias vegane Welt“ von Sophia Hoffmann ist eben doch etwas anderes. Schon alleine deswegen, weil die Autorin eben nicht mit einer aalglatten Fassade auftritt, wie so manch anderer Autor veganer Kochbücher, sondern einem einfach nur richtig fröhlich und natürlich vom Buchdeckel entgegenstrahlt. Klar, dass auch sie auf eine ausgewogene Ernährung achtet. Und auch Hoffmann bringt gleich zu Beginn ihres Buchs die Superfoods zur Sprache. Zum Beispiel ist eine Banane auf Grund ihres verhältnismäßig hohen Magnesiumsgehalts ein „Superfood“. Allerdings ist der angenehme Schreibstil der Autorin weder ermahnend, noch empfindet man ihre Aussagen als Zwang. Essen soll Spaß machen, Kochen soll Spaß machen. Das merkt man nicht nur den Rezepten an, sondern sieht man schon alleine an den wunderschönen Arrangements auf den Fotos.

So sollten Gerichte heißen

Bei Sophia Hoffmann gibt es aber nicht nur nette Fotos, sondern auch originelle Namen, zum beispielsweise einen „Aufwach-Schmusi“, einen Smoothie aus Avocado, Orange, Minze und weiteren leckeren Zutaten, die gemeinsam richtig gut schmecken. Ich habe ihn getestet. Und wer den „Aufwach-Schmusi“ niedlich findet, der dürfte sich über Rezeptnamen wie „Sanftmütiger Kichererbsensalat“, „Die Möglichkeit einer Insel“, Wan-Tan-Clan“, „Errötete Blumenkohlschafe auf einer Gänseblümchenwiese“ oder aber auch – mein Favorit – „Betrunkener Welpe, der in eine Maracuja gestolpert ist“ sehr freuen. Aufgeteilt sind die zu kochenden und zu backenden Leckereien in die Rubriken „Powerfood“, „Huch, vegan!“, „Farben-, Fake- und Fun-Food“ und „Süße Spielereien“. Die Speisen sind meist locker und leicht, liegen nicht allzu schwer im Magen, und ihre Zutaten lassen sich an sich überall ordern, wo es einen guten Bioladen gibt. Als mein Mitbewohner kürzlich eine heftige Erkältung hatte, habe ich ihm den „Rosa Gesund-werd-Brei“ gekocht, eine vegane Variante eines Griesbreis mit pürierten Himbeeren. Geholfen hat er und geschmeckt auch.

Vom Blog zum Erfolg mit dem Kochlöffel

Kreiert wurde das kunterbunte und mit schmackhaften Rezepten bestückte Kochbuch von einer autodidaktischen Köchin. Doch Sophia Hoffmann, die 2011 als Bloggerin startete, traf mit ihren Rezeptideen schnell auf sehnsüchtige Mägen. Mittlerweile organisiert sie sogar ganze Dinner-Abende von Berlin bis Wien, und wenn sie gerade in der deutschen Hauptstadt zugegen ist, trifft man sie häufig im veganen Burger- und Crêpes-Lokal „Let it be!“ nahe der Sonnenallee. Ihre Leidenschaft für die Zubereitung von Essen entdeckte sie schon sehr früh, aber erst das Bewusstsein für eine gesunde Ernährung durch die Nachtarbeit als DJ und Sängerin sensibilisierte sie so richtig. Aus diesen Gründen war der Schritt vom Blog zum eigenen Kochbuch nur folgerichtig. Ein Glück für alle, die entweder vegan leben oder aber kein Problem damit haben, einfach zwischendurch auch mal komplett auf tierische Zusätze zu verzichten. Auf Kosten des Geschmacks geht das im Falle von „Sophias vegane Welt“ definitiv nicht. Guten Appetit!

Sophia Hoffmann: „Sophias vegane Welt“, Kochbuch, 144 Seiten, Edel Germany Verlag, ISBN-13: 978-3841903143, 14,95 Euro

„Seitenansicht“ erscheint in Kooperation mit der Buchhandlung Decius.

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Kategorien: Literatur

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