Henning Chadde
10. August 2015

Volllast voraus!

Das Verhör: „Fünf“ von Rotor

Voll-instrumental und strukturiert nackenbrechend: Rotors „Fünf“, Album-Cover

In Sachen Stoner- und Psychedelic-Rock gehören Rotor seit langen Jahren nicht nur zur deutschen Szene-Speerspitze, sondern haben sich vielmehr einen exzellenten weltweiten Ruf erspielt. Umso erstaunlicher, dass es die Berliner, 1998 als Trio gegründet und nunmehr zum Quartett angewachsen, in Sachen Karriere- und Veröffentlichungs-Planug extrem entspannt angehen lassen. Eine neue Platte schmeißen sie erst auf den Markt, wenn sie meinen, musikalisch wirklich etwas Bleibendes zu sagen zu haben – egal, wie die Szene um sie herum auch zu explodieren scheint. Rotor ruhen in sich und ziehen ihren staubtrockenen Riff- und Jam-Stiefel durch, wie es ihnen in den wüsten Kram passt. Wer die Jungs einmal live gesehen hat, weiß, was damit gemeint ist: Ohne viel Schnickschnack und Drumherum steht bei Rotor einfach nur die Musik im Mittelpunkt, ohne Licht-Effekte und die genreüblichen Nebelwerfer. Bei Rotor regieren Purismus und Konzentration in Reinkultur.

So auch auf ihrem im September erscheinenden fünften Album, das schlicht betitelt „Fünf“ heißt. Das erste nach wiederum fast fünf Jahren Veröffentlichungspause. Und was soll man sagen? Rotor sind und bleiben einfach Rotor. Konsequent zelebrieren sie ihren Instrumental Rock und konzentrieren sich ausschließlich auf ihre Arrangements und Instrumente. Und die greifen auf „Fünf“ rifflastig bis psychedelisch versiert ineinander wie die Teile eines Uhrwerkes. Wild, episch, ausbrechend und explosiv. Als bestes Beispiel dürfte hier der Song „Volllast“ gelten, der mit seinen tonnenschweren Riff- und Groove-Passagen seinem Namen tatsächlich alle Ehre macht. Hut ab, Jungs, das ist mal ein Brecher, der aus den acht auf „Fünf“ vertretenen Songs leuchtturmgleich herausstrahlt, ohne seine restlichen Riff-Geschwister dabei zu deklassieren. Einfach mal ein Sound-Statement, das Rotor fast selbstverständlich aus dem Ärmel zu schütteln scheinen. Allein: Manchmal würde ich mir dann doch einen amtlichen Gesang zu dieser insgesamt feinen Perlenschnur aus Stop-And-Go-Nackenbrechern und nebelverhangenen Abfahrten wünschen. Das hätte was, ist aber dann aber eben reine Geschmackssache. So oder so beweist „Fünf“, das Rotor ganz genau wissen, was sie tun – mit ausgewiesener Spielfreude, großem instrumentalen Könnertum und Konzept.

Und auf eines muss in diesem Zusammenhang zum Schluss nachdrücklich hingewiesen werden: Rotors ganz eigener Ansatz und Humor, ihren Songs überaus eigensinnige Titel zu verpassen. Nehmen Sie dies, meine Damen und Herren: „Echolot“, „Fette Kette“, „Scheusal“, „Rabensol“, „Volllast“, „Oktagon“, „Herrengedeck“ und zuletzt „Weltall Erde Rotor“. Feine Sache das, bei der sich die kiffende Zielgruppe sicherlich ordentlich eins in Nachdenk-Fäustchen kichert. Recht so. Rotor sind eben Rotor. Darauf ein Herrengedeck!

Rotor: „Fünf“, CD, 8 Songs, 42 min., Noisolution

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Kategorien: Musik

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