Sebastian Albrecht
14. August 2015

Da steppt die Beere

Wer Urlaub, aber kein schönes Reiseziel hat, muss nicht warten, bis ihm zu Hause die Decke auf den Kopf fällt. „Ausgerechnet Bananen!“ führt direkt in die Zwanziger Jahre

Bananen

Die Banane gilt als musikalische Frucht: Sie ist Band-Mitglied der Noise-Rocker Melt Banana und blickt auf diverse Zusammenarbeiten mit Die Ärzte, System Of A Down, Abba, M.I.A. und den Ramones zurück

Nicht immer ergibt sich die Gelegenheit, die Urlaubstage oder die Ferien außerhalb der eigenen vier Wände in einer fremden Stadt zu verbringen, am Strand – mit einem eiskalten Getränk in der Hand zum Beispiel – oder auf einer Rucksack-Wanderung durch Südostasien oder Südamerika. Nicht unbedingt schlimm, denn das Wetter ist im August selbst in Norddeutschland meist warm und sonnig, irgendwer von den Freunden ist ebenfalls hiergeblieben oder fährt erst, wenn ein anderer gerade zurückgekommen ist, und zum Grillen im Park findet sich sowieso immer jemand. Wer allerdings nicht gleich sein Zelt im Park aufstellen will, um die freien Wochen nonstop durchzugrillen, der braucht noch alternative Aktivitäten. Neben dem obligatorischen Freibad-Besuch bietet sich der heutige Theater-Spaziergang „Ausgerechnet Bananen!“ von Stattreisen Hannover an – eine kleine Zeitreise, die in die musikalischen Zwanziger Jahre führt.

Zwischen den zwei Weltkriegen liegend, wirken sie fast ein wenig verloren, die Zwanziger Jahre – sie vermitteln den Eindruck einer Zeit des Friedens, der Lockerheit und des Aufbruchs in Deutschland und auf dem europäischen Kontinent. Die Auswirkungen des Ersten Weltkrieges waren zwar noch zu spüren: Die Arbeitslosenzahlen waren hoch, viele Menschen hungerten und die Säuglingssterblichkeit war die höchste in Europa. Das politische Klima war ebenfalls angespannt, die junge Demokratie in der Weimarer Republik nicht gerade sattelfest und Attentate auf Politiker und Putschversuche prägten die ersten Jahre der Zwanziger ebenso wie extremistische Agitatoren, deren Ziel das schnelle Ende der Demokratie war. 1923 kam es schließlich zu einer Hyper-Inflation, die zu einer extremen Abwertung der Papiermark führte. Im Juli des Jahres bekam man einen US-Dollar „schon“ für eine Million Mark, vier Monate später stand der Kurs bereits bei eins zu 4,2 Billionen und die deutsche Wirtscharft darbte am Boden. Im Jahr darauf besserte sich jedoch die Lage. Die Rentenmark hatte die Papiermark ersetzt und damit die Hyper-Inflation beendet, die Wirtschaft erholte sich und auch die Spannungen zu den anderen Ländern nahmen ab, die seit dem Ersten Weltkrieg bestanden.

Die Goldenen Zwanziger begannen und außer der Wirtschaft blühte auch das kulturelle Leben auf, Kunst und Gesang hielt wieder Einzug in den Alltag – und insbesondere Berlin wurde zu einer Metropole, die das neue Lebensgefühl auch international repräsentierte. Doch die fragile Ära war nur von verhältnismäßig kurzer Dauer, 1929 setzte die Weltwirtschaftkrise ihr ein Ende. Kulturell war sie jedoch sehr ergiebig. Und auch in Hannover tobte das Leben. Cafés sproßen aus dem Boden, Schriftsteller saßen dort und machten sich Notizen für Bücher, die manchmal geschrieben wurden und manchmal nicht, und Künstler trafen sich, um über Ausstellungen und Projekte zu diskutieren. Ebenso brachten die Goldenen Zwanziger unzählige Gassenhauer hervor, die Charts-Hits dieser Epoche.

Einer von ihnen, der Schlager „Ausgerechnet Bananen“, leiht der heutigen theatralen Stadtführung ihren Namen, die sich auf die Suche nach den Originalschauplätzen in Hannover macht. Neben einem Stadtführer ist ebenfalls ein Sänger dabei, um für das muskalische Feeling zu sorgen. Los geht es um 20 Uhr am Historischen Museum in der Burgstraße, Endpunkt ist der Ballhof. Die Führung dauert ungefähr zwei Stunden.

Freitag, 14. August 2015:
„Ausgerechnet Bananen! – Eine musikalische Führung durch die 20er Jahre in Hannover“, Treffpunkt: Historisches Museum, Burgstraße, 30159 Hannover, Beginn: 20 Uhr, Dauer: etwa 2 Stunden, Teilnahmekosten: 14 Euro (keine Voranmeldung erforderlich)

  • weitere Termine:
  • Freitag, 11. September, 20 Uhr
  • Freitag, 2. Oktober, 20 Uhr
  • weitere Termine für Gruppen können telefonisch unter 0511 / 169 41 66 oder auf der Homepage www.stattreisen-hannover.de gebucht werden

(Foto: Wikipedia/Steve Hopson)

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Kategorien: Lokales, Musik, Tagestipps

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