Marcel Seniw
11. September 2015

Lust gegen Frust

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Heimspiel gegen Borussia Dortmund

Würde lieber auf Kunstrasen spielen, darf aber nicht: Hannovers Trainer Michael Frontzeck

In dieser Kolumne gehe ich zu Beginn aus Prinzip nicht auf das hart vergeigte Spiel von vor zwei Wochen ein. Die 0:3-Packung gegen den FSV Mainz 05 war schon schlimm genug, doch diese Woche könnte für Hannover 96-Fans richtig abartig werden. Denn der kommende Gegner heißt Borussia Dortmund, und so wie der BVB in letzter Zeit in Liga und Euro-League-Qualifikation seine Gegner vermöbelt hat, kann einem Angst und Bange werden. Zu schwach waren die bisherigen Auftritte der Roten, zu gut die der Dortmunder. Es ist gar nicht mal das 7:1 der Dortmunder gegen Odds BK in der Europa League, welches bei mir die Sorgenfalten tiefe Furchen auf der Stirn zieht, vielmehr ist es die neu entfachte Wucht, die das Angriffsspiel der Dortmunder auszeichnet.

Frontzeck mit Humor

Hannovers Cheftrainer Michael Frontzeck wirkte auf der Pressekonferenz zum morgigen Spiel allerdings relativ gelassen. Er rührte in seiner Tasse herum und beantwortete auf die ihm eigene, ruhige Art und Weise die Fragen der anwesenden Journalisten. Dabei lobte er den Gegner für sein Offensivspiel und sprach davon, dass 96 momentan durch eine „harte Schule“ ginge, weshalb es vermessen sei zu sagen, „die hauen wir weg“. Nichtsdestotrotz werde seine Mannschaft einen „großen Kampf anbieten“ und versuchen, etwas Zählbares aus dem Spiel mitzunehmen, wobei das nicht einfach werde. Zu Späßen war er dann auch noch aufgelegt. Angesprochen auf ausgemachte Schwächen im Spiel des BVB antwortete Frontzeck mit „wenig“ und schickte an, dass Dortmund bei den Norwegern in der Europa League in der ersten halben Stunde auf einem Kunstrasen-Platz nicht gut ausgesehen habe (der BVB lag gegen den Underdog mit 0:3 im Rückstand, drehte die Partie aber noch in ein 4:3), jedoch habe man in der Kürze der Zeit nicht die Möglichkeit, einen Kunstrasen ins heimische Stadion zu verlegen. Trotz der angespannten Situation, die sich nach dem vierten Spieltag und nur einem Punkt ergeben könnte, strahlt noch immer Frontzeck die Ruhe in Person aus.

Dortmund brutal gut und leistungsbereit

Gegner Borussia Dortmund hatte vor Saisonbeginn mit dem Abschied von Kult-Trainer Jürgen Klopp einen schweren Abgang zu verkraften. Seine Nachfolge trat Thomas Tuchel an, wie schon damals, mit etwas Verzögerung, in Mainz. Tuchel gilt als hervorragender Trainer, der immer wieder bei den großen deutschen Klubs gehandelt wurde, doch ob er auch in einem Klub der Größenordnung von Dortmund seinem Ruf gerecht werden kann, durfte zumindest bezweifelt werden. Doch diese Zweifel sind nach kürzester Zeit verflogen, und der BVB gehört nach den bislang gezeigten Darbietungen zu dem engeren Favoritenkreis, wenn es um die Vergabe der silbernen Salatschüssel zum Ende der Saison geht. Vor der Partie gegen Hannover beschrieb der Dortmunder Chef-Coach die aktuelle Situation wie folgt: „Wir haben Lust aufs Gewinnen. Wir haben Lust auf Leistung. Wir wollen über unsere Leistung und über unsere Haltung Spiele in Serie gewinnen und wir wollen dort weiter machen.“ Und das auch noch so lang es geht. Keine Frage: Dortmund spielt momentan einen schön anzuschauenden und spektakulären Ball. Das einzige Manko – so blöd das auch klingen mag bei der Vielzahl an Toren – ist die Chancenverwertung. Gegen Odds BK und auch gegen den FC Ingolstadt hätte Dortmund bei konsequenterer Chancenverwertung gut und gerne zweistellige Ergebnisse erzielen können. An der Leistungsbereitschaft und dem Offensivdrang der Dortmunder wird auch das Fehlen von Marco Reus nichts ändern. Der Nationalspieler fällt mit einem Zehenbruch aus, aber mit der Manchester United-Leihgabe Adnan Januzaj steht ein äußerst vielversprechendes Talent vor seinem möglichen Startelf-Debüt.

Schlechtre Vorzeichen

Wenn man den Aussagen Frontzecks gelauscht hat, konnte man die Marschroute fürs morgige Spiel schon einigermaßen heraushören. Hannover wolle auch mal angreifen, lauteten grob gesagt seine Ausführungen zum eigenen Offensivspiel. Mit einer Mauertaktik würde man gegen den BVB jedoch untergehen und das nicht zu knapp. Dortmund ist in jedem Fall ein ganz andere Gegner als Leverkusen, einer der seine einzelnen Mannschaftsteile hoch staffeln wird, und leider ist auch das Konterspiel der Roten bislang alles andere als effektiv. Die langen, hohen Bälle könnten zwar mit Glück endlich mal etwas einbringen, doch was nützen ein bis zwei vollendete Konter, wenn man hinten die Hucke voll kriegt? Mein Tipp: Lust spielt gegen Frust und wird sich durchsetzen. Hannover geht in diesem Spiel mit 1:6 unter.

Samstag, 12. September 2015, 15.30 Uhr:
Hannover 96 – Borussia Dortmund

(Foto: Thomas Rodenbücher/Wikipedia, Copyright: CC BY-SA 2.0)

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Kategorien: Sports

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