Jörg Smotlacha
15. September 2008

„Das Geschriebene wird bleiben, definitiv!“

Demnächst am KULTURKIOSK: ein Portrait des hannoverschen Autoren und Musikers Tobias Kunze

„Poesie ist etwas Lebendiges – Poesie gehört zurück zu den Menschen, auf die Straßen und in die schönen Kinos!“ Im Gespräch mit Tobias Kunze ist zu spüren, dass hier jemand mit Leidenschaft am Werk ist. Kunze ist Autor und Literaturveranstalter, Rapper und Musiker bei der Föderation, Grafiker und Graffiti-Künstler. Er hat fast 500 Live-Auftritte in der ganzen Republik hinter sich, ist vielfacher Slam-Champion und amtierender deutscher Freestyle-Meister, zückt mal Prosa, mal Gedichte aus dem Repertoire und improvisiert auch gerne auf Zuruf. Doch sein Meisterstück schuf Kunze im September 2006: Um „der Szene etwas zurückzugeben“ sammelte er die Texte aller Autoren, die ihn beeindruckten und denen er in den eineinhalb Jahren zuvor „on tour“ begegnet war. Ergebnis ist die Anthologie „Stadtgeschehen bei Mischwetter“, ein umfassender Querschnitt regionaler und überregionaler Autorinnen und Autoren aus insgesamt 17 bundesdeutschen Städten – Live-Poeten allesamt, 44 an der Zahl, über die Hälfte von ihnen aus unserer Landeshauptstadt. Und so entstand ein einmalig repräsentatives Werk zur jungen hannoverschen Literaturszene.

Tobias Kunze

Freut sich auf seinen Auftritt beim KULTURKIOSK: Tobias Kunze

Da Tobias Kunze ein Überzeugungstäter ist, hat er über die Problematik, einen Verleger zu finden, nicht allzu lange nachgedacht. Schließlich finanzierte er das Buch selbst, wurde sein eigener Verleger und lagerte die erste Auflage von 500 Stück ein: „Ich wusste noch nicht einmal, wie ich die Bücher in der Druckerei abhole, nachher haben wir sie mit Wäschekörben in meine Wohnung getragen.“ Inzwischen ist die erste Auflage vergriffen – Resultat eines unermüdlichen Verkaufes bei Live-Veranstaltungen: „Ich hatte immer ein paar Exemplare im Rucksack“. Kunze bewarb sein Buch als „Poetry Slam fürs Wohnzimmer“ und staunte über den Erfolg.

Tobias Kunze

„Ich bin ein Freund von lokaler Marktwirtschaft“ – Kunze verlegt sich selbst

Heute ist der 27-Jährige der Meinung, dass sich Kleinverleger ruhig etwas trauen können, „weil sie sich auf den Live-Verkauf verlassen können“. Die Erfahrungen mit Buchhandlungen waren hingegen diffizil. Einerseits gingen unter anderem bei Weiland einige „Mischwetter“-Exemplare über den Tisch, und im Laufe der Zeit gab es Bestellungen aus der ganzen Republik, andererseits fehlte es an einer organisierten Vertriebsstruktur, und manch ein Buchladen blieb der lokalen Literatur gegenüber skeptisch. Umso beachtenswerter findet Kunze die Tatsache, dass die Traditionsbuchhandlung Decius seit kurzem mit einer ausdrücklich hannoverschen Literaturtankstelle aufwartet, einer kleinen, aber feinen Bücherecke, die ausschließlich mit junger lokaler Literatur ausgestattet ist. Hannover könne „ruhig mal mehr auf sich selbst schauen“, sagt Kunze, der sich als „Freund von lokaler Marktwirtschaft“ bezeichnet. Was bei regionalen Produkten allgemein gelte, zum Beispiel für Lebensmittel oder nachhaltiges Wirtschaften („Aus der Region für die Region“), könne auch im Kulturbetrieb nicht verkehrt sein. „Schön“ wäre es natürlich, wenn „es zu dem Regal auch Gesichter gäbe und die Leute ihre Werke auf Veranstaltungen vorstellen könnten“, ergänzt Kunze als überzeugter Bühnen-Literat. Zumal er in der jungen Literaturszene die Erfahrung gemacht habe, dass der Bücherverkauf erst über den persönlichen Bezug in Schwung kommt: „Wenn die Leute einen gesehen haben, kaufen sie viel eher ein Buch als etwa nach der Lektüre einer Rezension“.

Tobias Kunze

Auf der Live-Bühne in seinem Element: Tobias Kunze

Und so ist Tobias Kunze unentwegt live unterwegs, auf Slams und Einzellesungen und, um die Poesie zurück auf die Straße zu bringen, auch immer mal wieder mit der legendären literarischen Protestkarawane Running Mic. Zudem veranstaltet er regelmäßig an jedem dritten Freitag des Monats mit den Kollegen Christoph Eyring, Anikó Kövesdy, Peter Märtens und Johannes Weigel die Lesebühne „Nachtbarden“, zurzeit im Gig, und vierteljährlich im Anderen Kino in Lehrte die viel gerühmte „Offene Bühne“, bei der neben den Autoren auch schon einmal Trapezkünstler und Seilschwinger mit Leuchtkugeln auf der Bühne stehen. In Zeiten, in denen immer schnellere Live-Formate sich gegenseitig zu erschlagen drohen, setzt Kunze dennoch auf das gute alte Buch, und plant seinen ersten eigenen Kurzgeschichten-Band. Denn so sehr er die Live-Literatur schätzt, eines steht für ihn fest: „Das Geschriebene wird bleiben, definitiv!“

Nicht verpassen:

Tobias Kunze ist am 26. September zu Gast am KULTURKIOSK von langeleine.de. Der Literat und Freestyle-Poet wird seine besten Short Stories präsentieren und außerdem gemeinsam mit dem Theatersport-Duo Bohème & Bohei in den Ring steigen.

Tobias Kunze im Netz:
nachtbarden.jimdo.com/tobias_kunze.php
www.myspace.com/tobiaskunze

(Fotos: Henning Chadde (1), Pressefotos (2,3))

Dieser Artikel erschien im Stadtkind, Ausgabe Juni 2008

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Kategorien: Literatur, Menschen, Musik

5 Kommentare

  1. Jürgen Bruns sagt:

    Sendung von LOK, mit Lehrtern, Sehndern und einem Hannoveraner unter VIVA h 1, LOK-Lehrte ( Toby Kunze !!!=
    Am 25.12.2008 um 21.30 Uhr sendet LOK-Lehrte,
    eine Weihnachtssendung mit Pastor Heinz- Gerhard Weis,
    mit der Geschichte des Tannenbaumes, der KGS- Sehnde,
    weihnachtliche Klänge, Robert Stripling , Sehnde, auch oft ein Höhepunkt der „Offenen Bühne“ Lehrtes,
    sowie Jürgen Bruns, (die Fledermausaus) Lehrte, Weihnachts- Gedichte. Zusätzlich bringt Tobias Kunze, der Leiter der Offenen Bühne Lehrte; etwas über die Stadt Lehrte, er ist auf allen deutschen Slammveranstaltungen einer der „Besten“. Zu finden
    für Kabelkunden unter VIVA. h1—LOK-Lehrte.
    Weitere Gedichte/ Berichte Im Altkreis /Altkreis Nachrichten

  2. Jürgen Bruns sagt:

    Die Weihnachtssondersendung war ein Hammer,
    Jung und Alt ergänzten sich hervorragend und Tobys Rapp- Sprechgedicht: Lehrte ist; Zugeschissen mit Zement,
    oder weil es auf dem Rathaus klemmt. Vom Inhalt her
    etwas verändert, aber in der Sache ähnlich gut, ja Spitze.
    Robert Stipling aus Sehnde hatte ein modernes Weihnachtsgedicht, das man so noch nicht gehört hatte,
    aber es war auch für Gruftis gut verständlch. Pastor Weis
    erzählte, die Geschichte des Tannenbaums im 4. Jahrhundert und die Probleme Mit den Kalendern der Kirchen.
    Zwischendurch kam meine Weihnachtsgeschichte von 1945,
    2. Preis der Zeitungen 2002 HP+ HAZ-Anzeiger (In der Tonne.
    Es grüßt Euch die Lehrter Fledermaus Jürgen.

  3. Jürgen Bruns sagt:

    Die 14. „Offene Bühne“, in Lehrte, war Dank Tobi Kunze, wieder ein Erfolg. Jannuar 2009.
    Lehrte | Gute Künstler, wie Musiker, Dichter/innen ja selbst eine Pantomime, eine
    wundervolle neue junge Band „GRAZY 7.“ mit 4. Sängerinnen, 2. Gitarristen und einen
    geübtem Schlagzeuger, erfreuten fast 150. Leute aller Altersklassen im
    „Anderem Kino“ in Lehrte auf der 14. Offenen Bühne. Die Gänge des
    Kinos waren wie immer gut belegt, der Beifall größer als die Kollekte für das Kino
    und die Fahrkarten einiger Künstler, die teilweise aus Hamburg, Helmstedt, Köln
    Frankfurt und Peine kamen. Vorne an der beliebten Theke, traf ich wie immer
    Cisko, den Mittelalter-Mensch der sich ein Mini-Bier gönnte. Ich selbst holte
    mir einen roten Biowein mit my- heimat-Zuschlag, da ich heute nicht Auftreten
    brauchte, Toby sagte, er hätte genügend „neue Künstler“ angeworben.
    So versuchte ich, gute Bilder von den tollen Interpreten/innen zu machen, die leider nur in my heimat zu finden sind.
    Ja, da war noch eine junge Lehrter Theater Gruppe mit 6. Mädchen,
    Die mit viel Mimik, einige 2. Minuten-Stücke gekonnt spielten. Der bekannte
    Dominik Bartels, aus Helmstedt , Autor von dem Roman „Bruderkuss“,
    zitierte einige Kurzgeschichten. Ja und dann war da noch die Pantomime Etta Streicher aus Ffm. Sie rutschte als Schnecke gekonnt über die Bühne. Während Toby, wie ein Maulwurf, die Bühne unterrobbte, so schnell, als käme auf der anderen Seite sein Zwillingsbruder zum Vorschein. (Heimliches Bierdepot.) Irgendwann war alles zu Ende und
    in der dritten April-Woche heißt es wieder,: Die Bühne ist offen

  4. Hallo Freunde des Poetry Slam, vor einigen Tagen brachte LOK_Lehrte jetzt unter h1, wieder die ersten Lehrter Poetry Slam Auftritte im der damaligem Kultkneipe „Im Turm“. Auch meine damalige Satire über des Bürgermeisters „Ständers“ kam unter Gejohle der Anwesenden gut rüber.
    Ich habe auf meiner Home auch mehrere Berichte über die „Offene Bühne2 im „Anderem Kino“ veröffentlicht. Schaut doch mal rein. http://www.jürgen-bruns.de

  5. propecia sagt:

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