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Wohin geht der Weg?

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Heimspiel gegen den VFB Stuttgart

Trainer ohne Konzept? Michael Frontzeck predigt Ruhe, wird aber nicht mehr lange davon zehren können

Viele Fans von Hannover 96 waren nach der etwas unglücklichen 2:4-Heimniederlage gegen Borussia Dortmund optimistisch: Das war doch ein gutes Spiel! Endlich der Fußball, den man sehen mag. Eine aufopferungsvoll kämpfende rote Mannschaft, die dem Favoriten lange Paroli geboten hat. Nicht zu übersehen war aber auch, dass das Team von Trainer Michael Frontzeck kein Konzept hatte, den nach Artur Sobiechs Treffern strauchelnden Borussen wirklich entgegenzukommen. Insgesamt ist nach fünf bisherigen Spielen und der verdienten Niederlage in Augsburg aber festzustellen, dass das neuformierte Team noch nicht wirklich zusammengewachsen ist: die Neuzugänge nicht integriert und zuletzt nur auf der Bank, der Sturm harmlos, einige Spieler nicht, nicht mehr oder noch nicht bundesligatauglich und die Abwehr nur solide im Herbeiführen von Geschenken für die bisherigen Gegner.

Träumen verboten

Und dann das: Lucien Favre schmeißt in Gladbach hin. Der eigenwillige Schweizer Trainer hat nach nur fünf Spieltagen keine Lust mehr, den Chmapions League-Teilnehmer aus Nordrhein-Westfalen zu trainieren, denn er hat Bedenken, nicht mehr „der Richtige“ für die ihm ans Herz gewachsene Borussia zu sein. Solche Zweifel kennt 96-Chefcoach Michael Frontzeck nicht. Und nicht wenige Fans der Roten träumten in den letzten Tagen von einem schnellen Trainer-Tausch. Doch derlei Ideen entbehren der Realität und tun beiden Trainern unrecht. Der stets zweifelnde Favre wird wohl kaum damit liebäugeln, eine auf dem Relegationsplatz dümpelnde graue Maus zu übernehmen, und 96-Noch-Trainer Frontzeck verteidigt in Hannover vehement sein „Wir brauchen noch Zeit“-Konzept.

Kein Konzept

Das Problem aber ist, dass die derzeit auf dem Platz stehende Elf im Dress von Hannover 96 kein Konzept erkennen lässt. Hatte Mirko Slomka den berühmten „Zehn Sekunden-Gegenstoss“ in petto, mit dem er die Roten in den Europapokal führte, folgte der etwas unglückliche Tayfun Korkut mit seiner Idee von Ballbesitz-Fußball, die beinahe geklappt hätte, aber eben nur beinahe. Ich zumindest wäre gespannt, Korkut noch einmal bei einem renommierten Bundesligisten zu sehen und zu schauen, was passiert. Ich würde mich jedenfalls nicht wundern, wenn eine Erfolgsgeschichte daraus würde. Und Frontzeck? Ihm wird eine schlechte Bilanz bei allen seinen bisherigen Trainer-Stationen nachgesagt, aber diese Art der Beurteilung ist ungerecht. Aachen und St. Pauli waren vermutlich nicht der Maßstab und selbst Gladbach war zu Frontzecks Zeiten schlecht besetzt. Fakt ist, dass der sympathische, ausgerechnet in Mönchengladbach geborene Fußball-Lehrer eine unglaubliche Ruhe ausstrahlt, die dem angeschlagenen Team im Abstigskampf der letzten Saison zugute kam.

Unberechenbarer Gegner

Fakt ist eine blöde alte Fußball-Weisheit. Nämlich die, dass die Wahrheit immer auf dem Platz liegt. Dies bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als das man sich dann zur Not in schlechten Phasen einfach mal ein paar Punkte ergaunern muss. Eine Binsenweisheit, die die erstaunlich guten Aufsteiger aus Darmstadt und Ingolstadt längst verinnerlicht haben. Hannover 96 hat heute den VFB Stuttgart zu Gast – ein Team, das bisher stets stark aufspielte, um mit fliegenden Fahnen unterzugehen und derzeit ohne einen einzigen Punkt noch hinter Hannover 96 rumdümpelt. Eigentlich genau der richtige Aufbaugegner. Doch nach den bisher gezeigten konfusen Auftritten der sich stets selbst besiegenden Roten fehlt mir der Glaube. Mein Tipp: 96 verliert in einem wüsten Spiel 2:3. Nach dem folgenden 0:4 in Wolfsburg muss Michael Frontzeck gehen. 96-Fans müssen mit einer ganz harten Saison rechnen.

Mittwoch, 23. September 2015, 20 Uhr:
Hannover 96 – VFB Stuttgart

(Foto: Pressefoto/Hannover 96)

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