Marcel Seniw
25. September 2015

Michas Abgesang

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Auswärtsspiel beim VfL Wolfsburg

Hält zu seinem Trainer, doch wie lange noch? Martin Kind, Präsident von Hannover 96

Ehrlich gesagt hält sich die Lust, diese Kolumne zu schreiben, heute in Grenzen. Natürlich würde ich viel lieber euphorisieren denn schwadronieren, doch stattdessen heißt die Realität: Tabellenplatz 18. Hannover 96 ist am Boden der Tabelle angekommen und nun gibt es keine Ausreden mehr – Punkte müssen her. Auch wenn Trainer Michael Frontzeck ein sehr angenehmer Zeitgenosse ist, wird seine Zeit wohl in Kürze abgelaufen sein. Kein Konzept, keine Spielanlage, kein Aufbäumen. Am Mittwoch wurde gegen den VfB Stuttgart eine Führung innerhalb kürzester Zeit dahergeschenkt – und die Mannschaft verstand es nicht, sich gegen die drohende Niederlage aufzubäumen.

Zeit gibt es nicht mehr

Frontzeck wurde nicht müde, die allseits gängige Floskel „die Mannschaft braucht Zeit“ zu verwenden. Auch wenn er sich mit einem neu zusammengewürfelten Haufen konfrontiert sah, muss man konstatieren: Der Trainer hat seine Aufgabe verfehlt. Zu keinem Zeitpunkt in dieser Saison konnte man den Eindruck gewinnen, dass sich etwas entwickelt. Das Spiel von Hannover 96 reicht derzeit nicht einmal für das tabellarische Mittelfeld in Liga zwei. Und wenn nicht ganz schnell etwas geschieht, dann schlittert der HSV in genau diese. Ein Trainerwechsel scheint mir das einzig letzte Mittel, diesem Versagen der Mannschaft entgegen zu wirken. Sinnbildlich für die Planlosigkeit von Hannover 96 steht Salif Sané, der derzeit der beste Spieler ist. Wie oft man ihn auf dem Platz mit den Armen winken sieht, er Bälle fordert, aber nicht bekommt, und wie er seiner Mannschaft im Spielaufbau den Weg vorgeben will, der jedoch nicht eingeschlagen wird, das lässt nicht nur unseren Sechser verzweifeln. Frontzecks Zeit scheint abgelaufen zu sein, was auch die Aussagen von Martin Kind stützen. Dieser sprach dem Coach nach dem vergeigten Heimspiel gegen den VfB Stuttgart das Vertrauen aus. Das tat er auch kurz vor dem Rauswurf von Tayfun Korkut.

Die „schönen“ alten Zeiten

Als Tayfun Korkut noch Trainer von Hannover 96 war, haben viele seinen Rauswurf gefordert, weil keine Siege eingefahren wurden. Zum letztmöglichen Zeitpunkt wurde die Reißleine gezogen, weil man den Verein retten wollte. Heute wünschen sich viele Fans die Spielweise vom glücklosen Korkut zurück, denn er hatte einen Plan: Ballbesitz. Seine Spielidee war gut und 96 setzte diese auch um, nur wollte es im Abschluss nicht wirklich funktionieren. Das waren rein spielerisch noch wirklich schöne alte Zeiten. Derzeit hapert es komplett in Sachen Spielidee – und zwar an allen Ecken und Kanten. Und mit Blick auf den kommenden Gegner VfL Wolfsburg wird jedem Hannover-Fan wohl flau im Magen.

Hungrige Wölfe

Wolfsburg spielte unter der Woche in München und durfte aus nächster Nähe bei Robert Lewandowskis Rekordjagd zuschauen, eine Anekdote für die Ewigkeit. Fünf Tore in neun Minuten und das als Einwechselspieler – Respekt ist dafür gar kein Ausdruck! Das Problem an der ganzen Sache: Wolfsburg hatte den FC Bayern eine Halbzeit lang unter Kontrolle und wird nach der folgenden Demütigung darauf brennen, Wiedergutmachung zu leisten. Das 96 als guter Aufbaugegner taugt, wurde uns ja erst am vergangenen Mittwoch unter Beweis gestellt und dieser Tage muss man hoffen, dass es nicht zu viele Ohrfeigen vom VfL geben wird.

Packung, Trainerwechsel und hoffentlich bessere Zeiten

Machen wir uns nichts vor: Wer rechnet jetzt noch ernsthaft mit einem Sieg von 96? Zu schwach waren die letzten Auftritte, die am Mittwoch nach Abpfiff in „Frontzeck muss raus“- und „Kind mus weg“-Sprechchören mündeten. Ich bin zwar kein Befürworter von Trainer-Entlassungen, doch derzeit scheint genau das die einzige Möglichkeit für den Verein zu sein, um wieder frischen Wind in den Laden zu bringen. Und ich glaube, dass dieser Schritt nach an diesem Wochenende vollzogen wird. Eigentlich hatte ich schon für dieses Wochenende mit Interimscoach Steven Cherundolo gerechnet, doch Michael Frontzeck wird sich wohl auch noch eine Packung gegen den VfL Wolfsburg abholen dürfen. Die letzte in seiner 96er-Amtszeit. Ich schließe mich meinem Kollegen Jörg Smotlacha und seinem Tipp aus der letzten Kolumne an: Hannover 96 wird mit 0:4 untergehen. Mach’s gut, Micha!

Samstag, 26. September 2015, 15.30 Uhr:
VfL Wolfsburg – Hannover 96

(Foto: Wikipedia, Copyright: CC BY-SA 3.0)

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Kategorien: Sports

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