Marcel Seniw
2. Oktober 2015

Eine Pizza – drei Punkte zum Mitnehmen

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Heimspiel gegen den SV Werder Bremen

Man hätte ihn auch in einem roten Trikot sehen können, doch Hannover wollte ihn nicht: Werder-Stürmer Claudio Pizarro

Letzte Woche war das Schicksal von Cheftrainer Michael Frontzeck eigentlich schon besiegelt. Auch wenn man wusste, dass Hannover 96 gegen den VfL Wolfsburg eigentlich immer gut aussah in den letzten Jahren, traute man der verunsicherten Mannschaft nie im Leben einen erkämpften Punktgewinn zu. Doch bei aller Freude über den unerwarteten Punkt beim 1:1 in Wolfsburg darf man sich nicht blenden lassen: Wolfsburg war am vergangenen Wochenende nicht das Team, das in der vergangenen Saison noch Vizemeister wurde. Die Wölfe spielten schlecht und Hannover hätte gar mit drei Punkten nach Hause fahren können, wenn man sich ab der 70. Minute nicht mit dem 1:1 zufrieden gegeben hätte und den Laden hinten dicht gemacht hätte. Trainer Michael Frontzeck blieb seiner Linie vom „sicheren Stehen“ treu. Das dieses „Stehen“ jedoch so nah am eigenen Sechzehner praktiziert wird und sich nahezu eine Achterkette vor dem eigenen Strafraum formierte, die den Gegner bis vor das eigene Gehäuse zum freien Spielen animierte, ließ den 96-freundlichen Zuschauern so manch graues Haar wachsen.

Frontzeck macht weiter – wie lange noch?

Vorsichtig formuliert spielt Hannover 96 derzeit Angsthasen-Fußball. Konkret heißt das: Nach vorne nur das Nötigste machen und darauf hoffen, dass Hiroshi Kiyotake einen Geniestreich – sei es in Form eines Passes oder eines Seitfallziehers – auf Lager hat. Um aus dem Tabellenkeller herauszukommen, bedarf es allerdings mehr als nur der alten Weisheiten à la „wenn du unten stehst, musst du hinten erst mal sicher stehen“. Tempo wäre zum Beispiel eine Alternative, Tempo, das bei 96 aber momentan eher auf der Bank sitzt oder bei den Amateuren weilt – in Person von Uffe Bech. Dessen Strafversetzung ist nun vorüber und man wünscht sich, den jungen Dänen endlich mal so richtig in Aktion zu erleben. Aber bleiben wir beim Tempo. Warum nicht mal wieder ein klassisches 4-2-3-1 spielen, mit echten Flügelspielern? Was zuletzt über die Außenbahnen kam – sei es von Kenan Karaman oder einem Verlegenheitslauf von Leon Andreasen – war nicht wirklich prickelnd, auch wenn Andreasen über außen gegen den BVB einen Sobiech-Treffer auflegte. Wenn Frontzeck also weiter auf sein stabiles, aber lahmes Spiel beharrt, wird sich wohl nicht viel ändern – es sei denn die lang geschlagenen Bälle kommen wieder in Mode und gegnerische Abwehrreihen nicht damit klar. Mit diesem Fußball wird 96 abre meiner Vorraussage nach keinen Blumentopf gewinnen – und diesen bräuchte der Trainer so langsam mal. Endlich mal drei Punkte und Frontzeck würde wieder etwas fester auf dem Trainer-Schleudersitz sitzen.

Jetzt schon Aberglaube?

Immerhin hat man bei Hannover 96 anscheinend verstanden, was die Stunde geschlagen hat. Unter der Woche ging es mal wieder ins Kurz-Trainingslager Klosterpforte in Harsewinkel-Marienfeld. Das ist genau die Pforte, an der man schon zwei Mal während diverser Abstiegskämpfe klopfte, um die guten Geister für den Schlussspurt zu beschwören. Nun fährt das Team also schon nach dem siebten Spieltag dorthin. Ziemlich früh für Aberglaube, aber wenn es hilft, warum nicht? Der Abstiegskampf beginnt dann halt in dieser Saison etwas früher.

Willkommen im Tollhaus, Herr Bader

Nicht, dass das noch untergeht: Am 1. Oktober hat Hannover 96 offiziell seinen neuen Geschäftsführer Martin Bader vorgestellt. Der ehemalige Nürnberger soll von nun an die geschäftlichen Geschicke leiten und gab bereits bekannt, dass er sich bei der Suche nach einem Sportchef – also einem Nachfolger für Dirk Dufner – Zeit lassen wolle. Keine Eile, Herr Bader. Dann werden Sie halt zunächst den jetzigen Trainer entlassen müssen, wenn es gegen den SV Werder Bremen an diesem Wochenende wieder nicht mit einem Dreier klappen sollte und der Tabellen-Dreizehnte in Hannover einen Auswärtssieg feiern sollte. Vorausgesetzt, Martin Kind will das so, versteht sich. Und wo wir gerade bei den Hanseaten sind: Als Dufner-Nachfolger werden zwei ehemalige Hansestädter gehandelt. Der eine aus Bremen, der andere aus Hamburg. Tim Borowski, ein Bremer Urgestein, und der ehemalige HSV-Verantwortliche Oliver Kreuzer stehen in Hannover hoch im Kurs.

Hat hier einer „Pizza“ bestellt?

Vor der Saison habe ich mich noch mit meinem Kollegen Jörg Smotlacha über einen möglichen Transfer des zu diesem Zeitpunkt vereinslosen Claudio Pizarro unterhalten. Wir waren uns einig: So einer würde 96 gut tun. Stattdessen kam es bekanntermaßen anders und Pizarro landete bei seiner alten Liebe, dem SV Werder. Am morgigen Samstag wird nun ebenjener 36-Jährige, der ganz nebenbei der erfolgreichste ausländische Torjäger der Bundesligageschichte ist, gegen Hannover wohl in der Startelf stehen, da Sturm-Kollege Aron Johansson ausfallen wird. Bremen hat zwar in den letzten drei Spielen nicht punkten können, doch das sollte man in Hannover eher als Warnung verstehen. Und nun zu meinem Tipp: Bei 96 hat zwar leider niemand „Pizza“ bestellt, doch dieser wird seine Klasse auf dem Platz zeigen. Leider für das falsche Team. Hannover 96 wird gegen Werder Bremen mit 1:2 verlieren. Ganz nebenbei bemerkt: Martin Bader kennt sich auch in Liga zwei echt gut aus.

Samstag, 3.Oktober 2015, 15.30 Uhr:
Hannover 96 – SV Werder Bremen

(Foto: Wortsportler/Wikipedia, Copyright: CC BY-SA 3.0)

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Kategorien: Sports

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