Jörg Smotlacha & Henning Chadde
18. September 2008

„Weltherrschaft! Broah Harrharr!“

Das Improvisationstheater-Duo Bohème & Bohei will beim KULTURKIOSK von langeleine.de bleibende kulturelle Schäden hinterlassen. Ein Interview mit Verena Lohner und Knut Kalbertodt

Bohème & Bohei

Extrem wandelbare Theatersportler: Bohème & Bohei

langeleine.de: In der bundesweiten Improtheater-Szene kann man Euch durchaus als „Guerilla-Task-Force“ bezeichnen, denn bei Euren Auftritten schwingt immer ein erfrischender Anflug von Anarchie und produktivem Chaos mit. Das Publikum ist vor keiner Überraschung sicher. Sind diese Momente planbar oder entspringen sie der Live-Situation?

Bohème: So planbar wie guter Sex – feiner Wein, zartes Leinen, Kerzenschein; all das kommt erst zur Geltung, wenn das Zusammenspiel stimmt. Uh, habe ich das jetzt gesagt? Oder wie guter Jazz, oder ein richtig gutes Radrennen – wenn Du alles richtig machst im Training, perfekt aufgestellt bist, die besten Reifen von Conti aufgezogen hast – das Rennen wird nur gut, wenn Deine Mitstreiter und der Asphalt das gleiche Rennen gewinnen wollen. Oder eine Kaktusblüte…

Bohei: Wie, guter Sex ist planbar?

ll: Im Gegensatz zu Euren Kollegen setzt ihr auf eine Duo-Besetzung und nicht auf ein großes Bühnen-Ensemble. Warum diese personelle Reduktion?

Bohei: Bequemlichkeit, so muss ich mich nur auf eine Person einlassen.

Bohème: Öha! Das ist doch rein der pekuniären Dringlichkeit geschuldet.

Bohème & Bohei

Bohème & Bohei alias Verena Lohner und Knut Kalbertodt

ll: Euren Lebensmittelpunkt habt Ihr mittlerweile von der Leine an die Elbe verlegt. Gibt es in Hamburg einen „Standortvorteil“ für aktives Improtheater?

Bohème: In Hamburg gibt es einfach mehr Laufpublikum und schicke Matrosen – nur die Szene ist verdammt flach! Mir fehlt der Benther Berg.

Bohei: Ja genau. Es gibt zwei Profi- und circa vier Amateur-Gruppen. Man achtet sich und sagt sich auch schon mal die Meinung. Das ist belebend.

ll: Der Improtheater-Szene haftet in der öffentlichen Wahrnehmung ja leider oftmals eine, dezent ausgedrückt, „sozialpädagogische“ Mitmach-Note an. Wo seht Ihr die Grenzen dieser Theaterform und welche Perspektiven erscheinen Euch interessant?

Bohei: Für mich ist Improtheater Volkstheater respektive Unterhaltungstheater und kann durchaus niveauvoll sein. Dieser sozialpädagogische Touch kommt dann besonders zum Tragen, wenn Sozialpädagogen Improtheater machen und dem Volk vorschreiben wollen, was gute und was schlechte Vorgaben und Einwürfe sind.

Bohème: Eine Perspektive steht in Deutschland noch weitestgehend offen: die Mittel des nicht zensierten, unmittelbaren und unwiderbringlichen Theaters zu nutzen, um zeitgemäße beziehungsweise politische Themen humorvoll auf die Bühnen zu bringen. Dies erfordert jedoch entsprechendes Bühnenhandwerk und Mumm. Doch bei allem Respekt bleibt Improtheater immer ein Theater des Augenblickes und somit ein Quäntchen hinter ausgefeilten Inszenierungen zurück.

Bohème & Bohei

Das Zusammenspiel stimmt: Bohème & Bohei

Wie unterscheidet Ihr Euch von Euren Bühnen-Mitbewerbern? Gibt es klare Unterscheidungsmerkmale, die Euch wichtig sind?

Bohème: Wir wollen nicht um jeden Preis Geschichten erzählen, spielen mit einem echten Voodoomann … und Toilette IST ein Ort.

Bohei: Und wir tragen Schuhe auf der Bühne.

ll: „Schön, so schön war die Zeit…“ Was waren bisher Eure größten Erfolge?

Bohei: Wir haben 2005 das Bergtrikot und die Sprintwertung bei der ersten Tour de Heinz gewonnen!!! Herzliche Grüße an Susii, Herrn K. und das BCH!

Bohème: Ja, genau – sowieso der Improsalon im Heinz! Jaja, jeden letzten Dienstag im Monat!

Bohème & Bohei

Legendäre Sofaschubser: Bohème & Bohei mit ihrer Besetzungscouch

Eine Aktion, die Ihr niemals machen würdet…

Unisono: Niemals an einem Autokorso teilnehmen oder für den ADAC arbeiten.

Eine Aktion, die Ihr Euch immer gewünscht habt…

Bohème: Zwei eineiige erzböse chinesische, siamesische Zwillinge in einem James-Bond-Film spielen, dessen Finale mit Zeitbombe im schiefen Rathausfahrstuhl spielt.

Wo sehen sich Bohème und Bohei in zehn Jahren?

Bohème & Bohei: Weltherrschaft! Broah Harrharr!

Bohème & Bohei

Spiel, Satz und Sieg: Bohème & Bohei bei der Theatersport-Weltmeisterschaft 2006

Für Euren Auftritt beim Kulturkiosk habt Ihr versprochen, bleibende kulturelle Schäden zu hinterlassen. Vor welcher Dimension „Dachschaden“ heißt es in Deckung zu gehen?

Bohei: Vor einem tropischen Dachstübchen-Hurricane…

Bohème: Deshalb vorher bei uns noch eine Rundum-Sorglos-Verwirrung abschließen!

Bohei: Oder sich evakuieren lassen!

Nicht verpassen:

Am 26. September entern Bohème & Bohei den KULTURKIOSK von langeleine.de und geben einen nachhaltigen Einblick in ihr unwahrscheinliches Bühnen-Universum zwischen perfektem Chaos und wahnwitzigem Theatersport.

Bohème & Bohei im Netz:
www.boheme-bohei.com

(Fotos: Pressefotos (1-4), Heike Werner (5))

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Kategorien: Bühne, Menschen

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