Jörg Smotlacha
22. September 2008

„So eine Art Phoenix aus der Asche“

Das Electro-Rock-Jazz-Pop-Trio Pitsound kommt zum KULTURKIOSK: ein Interview mit Mastermind Pit Przygodda

Als Pit Przygodda das Licht der Welt erblickte, war alles voller Musik: Schon in frühester Kindheit erhielt er Klavierunterricht, lernte Komponieren, Harmonielehre und Gehörbildung, dann kamen Kirchenorgel und Jazz hinzu, und als Jugendlicher spielte er in Schülerbands Keyboards, sang und schrieb Songs. Jahre später verblüffte er Hannover mit der unglaublichen Reggae-Combo Kamerun News, dann siedelte er nach Hamburg, wo er als Sänger und Gitarrist des Kitty Yo-Trios Go Plus für Furore sorgte. Mittlerweile lebt Przygodda von seiner Arbeit als Theater- und Filmmusiker. Mit seinem neuesten Projekt Pitsound hat er nun ein Electro-Rock-Jazz-Pop-Album vorgelegt, das mit seinem Ideenreichtum einfach nur überrascht. Am Freitag gastiert das Trio im Rahmen einer kleinen Deutschland-Tour live in Hannover. Grund genug, Przygodda ein paar Fragen zu stellen.

Pit Przygodda

„Meister des Wohlklangs“: Pit Przygodda

langeleine.de: Pit, Du hast bereits im zarten Alter von 7 Jahren Klavier gelernt, Kirchenorgel- und Jazzunterricht bekommen, spielst Keyboard und Gitarre und singst. Welches ist heute Dein Lieblingsinstrument respektive Deine bevorzugte musikalische Ausdrucksweise?

Pit Przygodda: Mein aktuelles Lieblingsinstrument ist unser Flügel. Meine aktuelle Lieblingsaudrucksweise ist, Aufnahmen zu machen und live mit Mitmusikern zu spielen, aber auch Bach-Inventionen und eigene Improvisationen auf erwähntem Instrument zu spielen.

ll: Pitsound fallen als Beinahe-Instrumentalband aus dem Rahmen Deiner bisherigen musikalischen Karriere von Kamerun News über Go Plus bis hin zu Singer. Was hat Dich bewogen, Dich über ein Electro-Rock-Jazz-Pop-Projekt derart neu zu erfinden?

Przygodda: Es ist kein Neu-Erfinden. Seit ich 12 war, habe ich Musik mit einem ähnlichen Ansatz aufgenommen. Damals hieß das noch „Pit Przygodda´s Elektrztpft“. Ich spiele momentan in keiner Band-Band mehr, außer natürlich bei Kamerun News, was aber eher der Sparte „Happening“ zuzuschreiben ist. Jedenfalls ist scheinbar so ganz nebenbei, während meiner Band-Ausstiege, das Pitsound-Projekt nach vorne gekommen. Es ist so eine Art Phönix aus der Asche, bringt mich wieder auf die Bühne und in eine neue Art der musikalischen Zusammenarbeit und zu einer Tuchfühlung mit der Außenwelt als Solokünstler.

Pit Przygodda

„Manchmal hat man das Gefühl, mit dem Publikum und der Musik zu pulsieren“: Pit Przygodda freut sich auf die Live-Shows

ll: Es begleiten Dich mit Lars O Horl am Schlagzeug und Martin D Costa am Bass zwei alte Weggefährten. Wie funktioniert die Zusammenarbeit bei Pitsound?

Przygodda: Naja, mit Lars spiele ich tatsächlich schon sehr lange zusammen – 20 Jahre oder mehr… Martin ist Filmmemacher und Kameramann, ich habe ein paar Mal für ihn Musik gemacht. Beim Pitsound-Trio bin ich der musikalische Leiter, wir orientieren uns an der Liveumsetzung der Platte, wobei nicht alles eins zu eins übernommen wird.

ll: In der Presse hat man Euch hier und da sehr voreilig in die Easy Listening-Schublade gesteckt und überaus bierenste Vergleiche gezogen. Ich hatte den Eindruck, dass der eine oder andere Kritiker nicht mit Deiner spielerischen und selbstironischen Herangehensweise umgehen konnte…

Przygodda: Richtig. Ach, Kritiker… Da hat sich zum Beispiel der Intro-Kritiker mit dem Presseinfo zur Platte duelliert. Musik zu beschreiben ist eh unmöglich, Language is a virus from outer space. Ärgerlich, aber nicht wesentlich.

Pit Przygodda

Der Wahl-Hamburger Pit Przygodda arbeitet zurzeit an einem Gesangsalbum

ll: Als Ex-Hannoveraner, der nun in Hamburg lebt, müssen wir Dich natürlich um ein Wort zu Deiner alten Heimatstadt bitten: Was ist in der großen Hansestadt anders als in Hannover?

Przygodda: Ach, letzten Endes zählen die lieben Menschen. Wenn man die findet, ist es gut. Sonst kennst Du ja selbst die Fakten: Einwohnerzahl, Automenge, Hafen, nördliche Lage…

ll: Du hast mit Kamerun News der Legende nach auf einem Strassenfest über 17 Stunden am Stück gespielt und mit Pitsound in Berlin im Vorprogramm von Bob Mould. An welche Erlebnisse Deines Bühnenlebens erinnerst Du Dich besonders gern?

Przygodda: Um die Legende stille-post-mäßig noch anzuheizen: Waren das nicht 70 Stunden auf dem Straßenfest? Das war toll, aber ebenso gut war es auch, mit den News in Zitanien um 4 Uhr morgens in den Sonnenaufgang zu spielen. Oder um 6 Uhr früh beim Chéz Heinz-Festival mit GOTT. Schön sind auch so „Comeback“-Momente, nach längerer Bühnenabstinenz, da geht eine große Erleichterung durch. Manchmal hat man das Gefühl, mit dem Publikum und der Musik zu pulsieren, das ist schön.

ll: Und gibt es auch weniger gute Erinnerungen?

Przygodda: In den ersten Jahren gab es Katastrophen. Drei gerissene Saiten bei einem Auftritt, Unsicherheiten den Zuschauern gegenüber, Arschlöcher und Schlauberger im Publikum…

Pitsound

Auf dem Weg zum Kulturkiosk: Pitsound

ll: Was kommt von Pit Przygodda als nächstes? Welche Projekte sind in Arbeit?

Przygodda: Ich arbeite konkret an einer Gesangsplatte. Aber auch Instrumentales liegt bereit.

ll: Eine letzte Frage: Was darf das Kulturkiosk-Publikum am Freitag von Pitsound erwarten?

Przygodda: Wir spielen schon hauptsächlich die Platte, aber auch ein paar Filmmusiken. Diesmal erweitern wir den Pitsound-Trio-Horizont, es gibt noch die eine oder andere unerwartete Nummer. Blicke zurück und nach vorne!

Nicht verpassen:

Am Freitag, dem 26. September, gastieren Pitsound am KULTURKIOSK von langeleine.de. Das Trio um Pit Przygodda an Keyboards und Gitarre, Lars O Horl am Schlagzeug und Martin D Costa am Bass präsentiert kleine Soundperlen irgendwo zwischen Burt Bacherach, Chick Korea, Giorgio Moroder, Nik Kershaw und Johnny Cash.

Pitsound im Netz:
www.myspace.com/pitprzygodda

(Fotos: Pressefotos)

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Kategorien: Menschen, Musik

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