Susanne Viktoria Haupt
26. Oktober 2015

Die schönste Stadt der Welt

Seitenansicht Spezial: „Linden,.. Eine fotografische Stadtreise“. Fotografien von Ralf Hansen mit Texten von Kersten Flenter

Fotografisch und literarisch gekonnt in Szene gesetzt: „Linden,.. Eine fotografische Stadtreise“, Buchcover

Bei Facebook gibt es eine Gruppe mit dem Namen „Linden ist die schönste Stadt der Welt“ und zur Zeit zählt sie knapp 4.500 Mitglieder. Linden ist begehrt, das merkt man, wo man nur hinschaut. Die Mietpreise sind in den letzten Jahren stetig gestiegen und liest man Wohnungsinserate, so suchen vor allem junge Leute, aber auch Familien nach passendem Wohnraum in Linden. Egal ob Nord, Mitte oder Süd – Hauptsache Linden. Und ja, man wohnt sehr angenehm hier im schönen Linden. Wohnt man in Linden-Nord, so wie die Verfasserin dieser Zeilen, ist man schnell im Grünen, am Fluss. Es lässt sich herrlich sowohl über die Limmerstraße flanieren als auch über die immer mal wieder aufblühende Deisterstraße, durch das Ahbergviertel in Linden-Süd oder von der Stephanusstraße hinauf bis zum Lindener Marktplatz in Linden Mitte. Nur selten treibt es einen heraus aus Linden.

Vielleicht mal ins Schauspielhaus, vielleicht mal in die Nordstadt, und auch mal weiter raus ins Grüne zum Benther Berg oder in den Deister. Aber Linden hat ansonsten nahezu alles, was das alltägliche Leben und das Herz bedarf. Nicht einmal für Geburtstagsgeschenke muss man Linden verlassen, da es hier unzählige wunderbare Läden mit tollen Geschenkideen gibt. Während der warmen Jahreszeit tummeln sich die Menschen auf der Limmerstraße zum „Limmern“, und wenn es schneit, ziehen die Kinder ihre Schlitten zum kleinen Hügel nahe der Faust-Wiese. Auch kann man nirgends so gut und ausgiebig an jedem Tag in der Woche feiern gehen. Oder aber in einer Bar oder einem Café sitzen. Selbst an einem Sonntag, wenn man vergessen hat, einkaufen zu gehen, reduzieren sich die Möglichkeiten nicht nur auf einen Pizza-Bringdienst. Von der Falaffel bis zum vegetarischen Sushi bietet Linden einfach alles. Wer selbst kochen möchte, der hat stets die Möglichkeit, bei einem der gut bestückten Kioske einzukaufen, an denen man von Milch über frischen Obst bis hin zum Gemüse einfach alles findet.

In Linden wird deshalb auch wahnsinnig oft fotografiert. Viele Fotografinnen und Fotografen versuchen sich daran, die Atmosphäre dieses besonderen Stadtteils einzufangen. Einer, der darin schon sehr geübt ist und stets wunderbare Ergebnisse erzielt, ist der freie Fotograf Ralf Hansen. In den letzten Jahren hat er immer wieder seinen beliebten Linden-Foto-Kalender herausgebracht. Und da Linden ein Stadtteil mit einem hohen Identitätsfaktor ist, verkauft sich „Linden-Merchandise“ stets sehr gut. Egal ob Jutebeutel, Postkarten, Buttons, Aufkleber oder eben Kalender. Bereits 2006 brachte er den Bildband „Linden lebt“ heraus. Zu einer Zeit, in der Linden zwar schon lange richtig cool war, aber noch nicht so sehr einem Hype unterlag. Der Stadtteil hat sich zwar hier und da verändert, aber seinen Charme durch die unzähligen Altbauten und seine kleinen Wahrzeichen glücklicherweise behalten. In stimmigen Schwarzweiß-Fotografien hat Hansen das Viertel eingefangen. Seine Fotografien zeichnen sich durch angenehme Ruhe und den richtigen Blick aus. Schon alleine deswegen ist der neuer Foto-Band „Linden,.. Eine fotografische Stadtreise“ etwas, das jeder Linden-Liebhaber im Bücherregal stehen haben sollte.

Um dem Ganzen aber auch noch die perfekte literarische Kirsche aufzusetzen, hat sich Ralf Hansen nun den Lindener Schriftsteller Kersten Flenter mit ins Boot geholt. langeleine-Leser sind schon etliche Male mit dem charmanten, weit über die hannoverschen Grenzen hinaus bekannten Autoren in Berührung gekommen. Flenter ist jemand, der bei jeder Lesung und bei jedem Auftritt durch seine eingängige Stimme, seine Präsenz und natürlich durch seine intelligenten und stets pointierten Geschichten besticht. Für „Linden,.. Eine fotografische Stadtreise“ schrieb Flenter Texte, welche die Geschichte und auch das aktuelle Bild von Linden augenzwinkernd, informativ und literarisch auffangen. Da kann selbst ein eingesessener Lindener noch etwas lernen, wenn der Autor etwa von dem Vorhaben eines Professor Göderitz aus Braunschweig berichtet, der die Limmerstraße einmal zur vierspurigen Aus- und Einfallsstraße umbauen wollte. Der gesamte Band beeindruckt nicht nur durch wunderbare Fotografien, sondern führt auch durch jede Menge Wissen, verbunden mit gut lesbaren Texten und Humor.

„Linden,.. Eine fotografische Stadtreise“ ist jedoch nicht nur etwas für Lindener und diejenigen, die es einmal werden wollen, sondern für alle, die einen Faible für schöne Fotografien haben oder aber den Geist der „schönsten Stadt der Welt“ atmen möchten. Schon alleine das Cover lädt dazu ein, das Buch nicht nur ins Regal zu stellen, sondern irgendwo sichtbar zu platzieren.

„Linden,.. Eine fotografische Stadtreise“, Fotografien von Ralf Hansen mit Texten von Kersten Flenter, 92 Seiten, zu Klampen Verlag, ISBN-13: 978-3866745056, 18 Euro

„Seitenansicht“ erscheint in Kooperation mit der Buchhandlung Decius.

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Kategorien: Kunst, Literatur, Lokales

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