Jörg Smotlacha
27. Oktober 2015

“Eine bessere Utopie kann es doch gar nicht geben”

Das Projekt “Linden Fiction 2050″ hat versucht, die Zukunft des kultigsten Stadtteils Hannovers zu ergründen. Das Ergebnis ist erstaunlich. Diskutieren Sie mit!

Science Fiction, Vision, Utopie: “Linden Fiction 2050″ brachte vielfältige Erkenntnisse

Das Ihme-Zentrum als “Super-Faust”, Karma-Reisen und Zeitmaschinen, 935 Jahre Linden und Currywurst mit Pommes für Dreizehn Fünfzig – der Ideen gab es wahrlich viele, nachdem das Projekt “Linden Fiction 2050″ ausgerufen wurde. Insgesamt 28 Lindenerinnen und Lindener haben sich mit Kurzgeschichten beteiligt, als es darum ging, sich seinen Stadteil in 35 Jahren vorzustellen. Nicht nur, um Literarisches einzubringen, sondern auch um Ideen für die Zukunft unseres Zusammenlebens zu entwickeln. Die beteiligten Autorinnen und Autoren spiegeln die Vielfalt Lindens wider, die Mehrheit ist in mehreren Kulturen verankert, Frauen haben sich mehr beteiligt als Männer und die meisten Zuschriften kamen von Lindernern unter 30 Jahren. Und wenn dann einer der Einsender formulierte, “Schreib doch, dass Linden 2050 genauso sein wird wie heute… Eine bessere Utopie kann es doch gar nicht geben!”, dann spricht das irgendwie auch für das Selbstbewusstsein der Lindenerinnen und Lindener.

Das Ergebnis des vom Kulturzentrum Faust ins Leben gerufenen Wettbewerbs verdient es jedenfalls, genauer unter die Lupe genommen zu werden. Und so können die eingereichten Geschichten nicht nur online oder als pdf nachgelesen werden, sondern werden demnächst auch in gedruckter Form veröffentlicht. Buch-Präsentation inklusive. Diese findet unter dem Titel “Linden Fiction 2050 – Utopien zur Stadtteilentwicklung” am 14. Dezember in der Warenannahme des Kulturzentrums Faust statt. Danach ist das Buch im Kulturzentrum Faust, Der Nachbarin Café und in gut sortierten Lindener Buchhandlungen erhältlich. Das ideale Weihnachtsgeschenk für 10 Euro. Für E-Book-Fans gibt es dann auch im Internet-Buchandel weltweit eine E-Book-Version von Linden Fiction 2050.

Genauso wichtig aber ist die Diskussion der eingereichten Beiträge. Denn vielleicht darf Linden ja in 35 Jahren doch anders sein als heute. Gerne genauso bunt wie heute, aber vielleicht auch noch ein bisschen visionärer!

Diskutieren Sie mit!

Was gefällt Ihnen an den eingereichten Texten? Welche Ideen sollen umgesetzt werden? Welche lieber nicht? Und wie soll Linden denn nun aussehen im Jahre 2050? Wir freuen uns über jeden Kommentar zum Thema!

(Foto: Pressefoto zum Projekt)

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Kategorien: Lokales

Ein Kommentar

  1. Jan sagt:

    Die eingangs von euch zitierte Geschichte über einen Lindener Daniel Düsentrieb wirkt fast wie eine liebenswürdige Parodie der anderen Texte. Während die meisten Kurzgeschichten typische “Lindener Themen” wie Multikulti, Ökologie, Emanzipation oder bedingungsloses Grundeinkommen aufgreifen, ist die Geschichte über den zerstreuten Erfinder Herr Lindentrieb entspannt unpolitisch, weder utopisch noch dystopisch und mit einer Message, die zwar simpel, aber originell ist. Auch die Zeitreise in ‘Linda 2050′ ist sehr fantasievoll beschrieben und es kommen interessante, utopische Ideen wie die “Sinnbank” darin vor. Ganz im Gegensatz zu ‘Linden 2050′, das mir negativ aufgestoßen ist: die Drogenexzesse des Protagonisten, eine kindlich naive Gentrifizierungskritik mit kleingeistigen Ergüssen wie “Angewidert von den Kleinfamilien, den in die List gehörenden hipster Jungeltern-Fressen”, dazu als absoluter Tiefpunkt ein Stacheldrahtzaun zwischen dem “coolen” Linden-Süd und dem steril-durchgentrifizierten restlichen Linden – WTF?! Überhaupt vermitteln überraschend viele Geschichten (einige habe ich deshalb auch nur überflogen) eher düstere Zukunftsvisionen oder zumindest Untertöne davon. Warum soviel Pessimismus? Etwas märchenhaftes hat dagegen ‘Dort, wo keine Dunkelheit herrscht’, das meine persönlichen Top 3 abrundet. Eine sprachlich versierte und manchmal fast poetische Geschichte mit einem Ihmezentrum, in dem ich zu gerne meine Freizeit verbringen würde.

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