Jörg Smotlacha
1. November 2015

Von Künstlern, Schauplätzen, Lebensgeschichten und Tatorten

Die Ausstellung „Linden Leben“ zeigt mehr als nur die Vielfalt eines bunten Stadtteils: Sie beleuchtet auf beeindruckende Art und Weise, wie Mikro-Geschichte funktionieren kann

Auf dem Gelände des alten Continental-Werks wurde 1944 ein Frauenkonzentrationslager mit ca. 1100 Häftlingen errichtet, Foto von Michael Braunschädel

Es ist schon beeindruckend, wie eine Foto-Ausstellung einem noch einmal die Augen für den eigenen Stadtteil öffnen kann: Da sieht man sich plötzlich selbst im Elisen-Eck, auf den bunten Bildern von Julie Gasnik, oder trifft Freunde auf Künstler-Portraits von Angelina Vernetti. Und dann sieht man auf den Fotos von Michael Braunschädel, was man immer schon wusste, aber nie so gerne diskutabel war: Auch Hannover-Linden war braun. Die Nazis haben auch hier gewütet und Menschen ermordet.

Unglaublich, aber wahr: Das Foto-Projekt „Linden Leben“, das die Studiengänge Journalistik sowie Foto-Journalismus und Dokumentar-Fotografie der Uni Hannover derzeit in Kooperation mit der Kunsthalle Faust präsentieren, zeigt nicht nur in 250 Fotos 18 „bekannte und weniger bekannte, traurige und witzige Geschichten aus diesem multikulturellen und facettenreichen Mikrokosmos und zeigt, was Linden so besonders macht“, sondern zwingt uns Betrachterinnen und Betrachter auch noch mal zu einem neuen Blick auf unseren Lieblings-Kiez: Da ist der Shanty-Chor, da sind die Alteingessessenen, die schon seit 50 Jahren hier leben, und da sind die Existenzgründer. Nichts ist neu, aber vieles erscheint in neuem Licht.

Und zu ihnen allen gibt es nun eine Foto-Serie, den Studierenden sei dank. Und weil das Ergebnis wirklich gut ist, müssen sie hier auch zwingend genannt werden: Shirin Abedi, Iris Anneser, Carlos Bafile, Michael Braunschädel, Tobias Eineder, Julie Gasnik, Arne Gutknecht, Nanna Heitmann, China Hopson, Patrick Junker, Jana Mai, Stefanie Silber, Cora Sundmacher, Agata Szymanska-Medina, Angelina Vernetti, Irving Villegas, Swinde Wiederhold und Ole Witt. Sie alle haben etwas geschafft, was neu ist: Durch ihren Blick auf die Vielfalt unseres Quartiers zeigen sie auf, dass Vielfalt nicht nur – wie immer gerne öffentlich behauptet – gute Seiten hat, sondern auch weh tun kann. Gleichzeitig aber ist ihr Werk auch große Kunst, fotografisch wie dokumentarisch.

Sonntag, 1, November 2015:
„Linden Leben“, Ausstellung, Kunsthalle Faust, Zur Bettfedernfabrik 3, 30451 Hannover, Öffnungszeit: 14-18 Uhr, Eintritt: 3 Euro, ermäßigt: 2 Euro

  • Die Ausstellung ist noch bis zum 8. November zu sehen
  • Öffnungszeiten: Do und Fr 16-20 Uhr, Sa und So 14-18 Uhr
  • Eintritt: 3 Euro, ermäßigt: 2 Euro

(Foto: Pressefoto/Kulturzentrum Faust)

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Kategorien: Kunst, Lokales, Tagestipps

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