Marcel Seniw
5. November 2015

Offene Fragen

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Heimspiel gegen Hertha BSC Berlin

Gehörte in Hamburg nach seiner Einwechselung zu den besten 96ern: Flügelflitzer Uffe Bech

Eigentlich finde ich es ja manchmal ganz gut, wenn mich Hannover 96 Lügen straft. Bin ich letzte Woche doch von einem Hamburger Sieg im Derby ausgegangen, bei dem Hannover 96 dem Gegner mal wieder nichts entgegenzusetzen vermag. Doch die Roten haben das Spiel mit 2:1 gewonnen. Aber so ganz Unrecht hatte ich mit meiner pessimistischen Prognose dann doch nicht. Kapitän Christian Schulz sprach nach dem Spiel im Interview davon, dass das Beste an der ersten Halbzeit gewesen sei, dass seine Mannschaft nur mit einem 0:1 in die Kabine gegangen sei. Dies habe 96 so ein bisschen am Leben gehalten. Des Weiteren sprach „Schulle“ von einer guten Reaktion, die aus zwei Torchancen bestand, die zur Verblüffung aller 96-Fans in zwei Toren mündeten. Hannover 96 strafte mich also Lügen, doch an meiner Sicht der Dinge konnten diese drei Punkte, die ich dem Team vor der Winterpause gar nicht mehr zugetraut habe, dennoch wenig ändern.

Zwei aus drei statt immer nur einer

Meine Frontzeck-Kritik scheint jedenfalls nicht ganz unberechtigt zu sein, hat doch auch der dänische Nationaltrainer Morten Olsen, der Leon Andreasen vor der EM-Relegation wieder in den Kreis der Nationalmannschaft berufen hat, unter der Woche meine Ansicht geteilt, dass Andreasen als Außenspieler falsch aufgestellt wurde. Der andere Däne in den Reihen von Hannover 96, Uffe Bech, hingegen kann diese Position bekleiden. Er holte den Elfmeter zum Ausgleich in Hamburg heraus und erfüllt allein aufgrund seiner Sprinter-Eigenschaften das Anforderungsprofil für die Außenposition deutlich besser als Andreasen. Doch scheint der Grundgedanke der sicheren Abwehr Trainer Michael Frontzeck so sehr in der Wahl seiner Aufstellung zu beeinflussen, dass er seine Flügelflitzer erst dann bringt, wenn seine Mannschaft hinten liegt. Felix Klaus konnte bislang ledier nicht wirklich überzeugen, obwohl er von den jungen Neuzugängen (Klaus, Bech und Saint-Maximin) der gestandenste Profi ist. Als Frontzeck in Hamburg zur Pause Bech und Saint-Maximin brachte, gab es zumindest eine leichte Besserung im Spiel der 96er. Es mag zwar ein gewisses Risiko bedeuten, aber warum nicht mal mit den beiden Einwechselspielern vom Sonntag von Beginn auftreten? Auch sie werden Fehler begehen, aber es wird Zeit, dass sie sich im Haifischbecken Bundesliga freischwimmen und Selbstvertrauen tanken. Frischer Offensivwind kann jedenfalls nicht schaden. Ob nun mit Bech, Saint-Maximin oder Klaus: Frontzeck soltel endlich einmal mit zwei dieser drei Spieler in der Startaufstellung spielen.

Jetzt also doch: Im Winter wird nachgerüstet

Unter der Woche hat Hannover 96 einen Neuzugang im operativen Geschäft zu vermelden gehabt. Christian Möckel ist der neue sportliche Leiter bei Hannover 96. Möckel war zuletzt, wie auch schon Martin Bader, beim 1. FC Nürnberg tätig. Ihm und Bader wird ein enges Vertrauensverhältnis attestiert, welches bei ihrer Zusammenarbeit sicherlich von Vorteil sein wird. Bei seinen ersten öffentlichen Aussagen machte der sportliche Leiter sich auch direkt Freunde beim hannoverschen Anhang, denn er verriet, dass im Winter Neuzugänge geplant seien. Dabei hatte er gleich zwei Namen parat: Josip Drmic und Guido Burgstaller. Den Schweizer Drmic lotsten Bader und Möckel 2013 nach Nürnberg, wo der 23-Jährige mit 17 Toren für Aufsehen sorgte. Nach einem glücklosen Jahr in Leverkusen zog er dann für 10 Millionen Euro weiter nach Gladbach, wo er bislang aber nicht überzeugen konnte und noch keinen Saisontreffer erzielte. Eine Leihe sei laut Möckel denkbar. Auch bei ihrem ehemaligen Arbeitgeber Nürnberg könnten die beiden wildern. Der 26-jährige österreichische Nationalspieler Guido Burgstaller konnte in Liga Zwei bislang mit sechs Toren und vier Assists in 13 Partien auf sich aufmerksam machen. Zudem will der neue sportliche Leiter auch den englischen Markt sondieren. Bei all diesen Aussagen fragt man sich, was Frontzeck wohl davon hält, immerhin hatte er weitere Transfers bislang für nicht nötig gehalten.

Endlich wieder ein Flutlichtspiel

Am morgigen Freitagabend steht nun aber erst einmal wieder ein Flutlicht-Spiel an. Der Gegner heißt Hertha BSC Berlin, und die Herthaner reisen mit einer derben 1:4-Klatsche gegen Mönchengladbach im Gepäck an. Ob das aber von Vorteil für Hannover 96 sein wird, wage ich zu bezweifeln. Berlin könnte angefressen sein und auf Wiedergutmachung sinnen. Sie könnten aber auch verunsichert sein. Schwer zu sagen. Letzte Woche haben die Roten immerhin schon die Derby-Punkte fünf, sechs und sieben ergaunert und damit war auch nicht zu rechnen. Daher schätze ich, dass Hannover 96 morgen abermals eine Mischung aus überragendem Ron-Robert Zieler, viel Dusel, einer vortrefflichen Chancenverwertung und einer vor dem Tor blinden Berliner Mannschaft benötigt, um etwas Zählbares zu holen. Aber vielleicht reichen ja auch zwei echte Außenspieler, um das Spiel zu beleben. Bei so vielen offenen Fragen, spare ich mir diese Woche den Tipp lieber ganz. Es reicht vollkommen aus, wenn ich nächste Woche wieder daneben liege.

Freitag, 6. November 2015, 20.30 Uhr:
Hannover 96 – Hertha BSC Berlin

(Foto: Pressefoto/Hannover 96)

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Kategorien: Sports

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