Marcel Seniw
20. November 2015

„Das sollten wir uns nicht nehmen lassen“

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Auswärtsspiel bei Borussia Mönchengladbach

Spielt leider morgen nicht mehr im roten Dress: Ex-96 Kapitän Lars Stindl hat inzwischen das Trikot gewechselt

„Das wäre ja auch das Schlimmste, was passieren könnte, wenn man den Spaß an diesem Spiel verlieren würde. Sowohl auf dem Platz, als auch auf den Rängen. Und das sollten wir nicht zulassen. Da sollten wir alles für tun, unabhängig davon, dass man die Sicherheitsmaßnahmen erhöht. Das sollten wir uns nicht nehmen lassen.“ Michael Frontzeck fand passende Worte auf die Frage, ob die traurigen Geschehnisse aus Paris und die Absage des Länderspiels in Hannover sich auf die Atmosphäre in den Bundesliga-Stadien auswirken könnten. Die Ereignisse vom 13. November werden dennoch in den Köpfen hängen, und nach der Absage des Freundschaftsspiels gegen die Niederlande wird die Zuschauer an diesem Bundesliga-Wochenende wohl ein mulmiges Gefühl in die Stadien begleiten. Hoffen wir, dass die Zeit auch diese Wunde heilen wird. Die Narbe, die zurückbleiben wird, wird aber für immer Zeuge der Opfer von Paris bleiben.

Zurück zum Alltag

Auch wenn es dieser Tage schwer fällt: Uns Menschen liegt es in der Natur, den Blick nach vorne zu richten und weiterzumachen. Während es Torhüter Ron-Robert Zieler nach der letzten Woche mit der Nationalmannschaft sicherlich gut tut, zum Alltag im Verein zurückzukehren, so gilt dies nicht unbedingt für Trainer Michael Frontzeck. Nach dem ersten Saisondrittel hat Hannover 96 gerade einmal elf Zähler vorzuweisen und steht folgerichtig auf Platz 15 der Tabelle. Drei neue Spieler sollen in der Winterpause kommen – doch die liegt noch in recht weiter Ferne und somit einiges an Arbeit vor dem Trainer. Insbesondere in den Heimspielen, denn 96 verlor ganze fünf von sechs. Folgt man dem Chefcoach, täten sich Teams aus dem unteren Tabellendrittel in Heimspielen besonders schwer und deshalb müsse man den Hebel dort ansetzen. Morgen muss der Hebel jedoch zunächst einmal in Mönchengladbach angesetzt werden, denn der Alltag ruft.

Wiedersehen mit Stindl

Gegner Borussia Mönchengladbach wurde von seinem Schweizer Trainer Lucien Favre von einem Abstiegsplatz bis in die Champions League geführt. Doch nach fünf Niederlagen an den ersten fünf Spieltagen erklärte der eigenwillige Coach völlig überraschend seinen Rücktritt. Andre Schubert übernahm als Interimstrainer und wurde nach 19 Punkten aus den letzten sieben Bundesligapartien während der Länderspielpause mit einem Cheftrainer-Vertag bis 2017 ausgestattet. Eine großartige Bilanz, und selbst Champions League-Finalist Juventus Turin kam nicht über zwei Unentschieden gegen die Gladbacher hinaus. Großen Anteil am Aufschwung der Fohlen hat auch Lars Stindl. Der ehemalige 96-Kapitän wechselte im Sommer an den Niederrhein, um solch magische Nächte, wie mit Hannover 96 damals in Kopenhagen, auch künftig erleben zu können. Und auch wenn Stindl den Werdegang seines Ex-Vereins weiterhin beobachtet, so will er „dieses Spiel unbedingt gewinnen“. Ein Vollprofi halt – so kennt man Lars Stindl.

Da muss einiges zusammenkommen

Gegen die Gladbacher Borussia dürfte es am Samstagnachmittag eine weitere Niederlage für Hannover 96 geben. Denn die Fohlen haben nach den anfänglichen Startschwierigkeiten wieder voll in die Spur gefunden. Und auch wenn sie immer mal wieder Verletzungsprobleme zu beklagen haben, können sie diese dank der Tiefe ihres Kader auffangen. Spielerisch wird die Borussia Hannover ohnehin weitaus überlegen sein, nicht nur wegen der Verletzung von 96-Feingeist Hiroshi Kiyotake, der aufgrund eines Haarrisses im rechten Fuß nun wochenlang pausieren muss. Definitiv fehlen werden wohl auch Felix Klaus und Mevlüt Erdinc. Als noch fraglich galt auf der Pressekonferenz zum Spiel der Einsatz von Leon Andreasen, der sich beim Paket-Öffnen einen tiefen Schnitt in der Hand zufügte. Immerhin lichtet sich das Lazarett aber auch ein wenig, da unter der Woche Edgar Prib und Charlison Benschop wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen sind. Bei Gegner Gladbach wird mit Granit Xhaka übrigens der Kapitän gesperrt ausfallen. Doch auch ohne ihn sind die Borussen einfach zu stark. Um etwas Zählbares aus Gladbach mitzunehmen, muss schon einiges zusammenkommen. Wenn, dann wohl nur über Standards. Immerhin fielen neun der letzten zwölf Gegentore der Borussen auf diese Weise. Mein Tipp lautet dennoch: Mönchengladbach wird Hannover 96 mit 3:1 zurück vom Rhein an die Leine schicken.

Samstag, 21. November 2015, 15.30 Uhr:
Borussia Mönchengladbach – Hannover 96

(Foto: Northside/Wikipedia, Copyright: CC BY-SA 3.0)

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Kategorien: Sports

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