Marcel Seniw
3. Dezember 2015

Fairplay, Zlatan und ein Taktstock

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Auswärtsspiel beim FC Schalke 04

Zuletzt kein gutes Pflaster für Hannover 96: die Veltins Arena auf Schalke

Was war denn bitte letzte Woche los? Hannover 96 gewinnt ein Fußballspiel. Und das zu Hause. Und dann auch noch mit 4:0? Als der Ball nach 25 Minuten zum dritten Mal im Gehäuse der Ingolstädter landete, waren die Fans schon reif für die Anstalt. Vier-zu-null – diesen Spieltag musste man sich als 96-Fan einrahmen, vergolden oder ein Schleifchen drum machen lassen – ganz egal – denn so etwas hat man lange nicht gesehen. Die Frage, die sich nun aber unweigerlich stellt, lautet: War 96 so verdammt gut an diesem Tag oder Ingolstadt einfach nur so verdammt schlecht? Der Coach der „Schanzer“, Ralph Hasenhüttl, meinte im Interview nach Spielende so etwas wie, dass man nun gesehen habe, was passiere, wenn man in der Bundesliga mal nicht das volle Potenzial abrufen könne. Danke, Ralph! Danke, FCI! Habt Ihr bis zum Spiel in Hannover doch erst zehn Gegentore hinnehmen müssen – und auswärts sogar nur drei -, so habt ihr euch den generell ersten Durchhänger der Saison bei einem Verein gegönnt, der die vier weiteren Gegentore in eurer Auswärtsbilanz so was von dringend notwendig für das eigene Selbstvertrauen hatte, dass man geneigt ist, Ingolstadt für den FIFA-Fairplay-Preis zu nominieren.

Danish Dynamite

Die Dänen sind harte Hunde. Sie stammen ja auch von den Wikingern ab, also wen wundert es? Und 96 hat den härtesten aller Wikinger: Leon Andreasen. Wurde gerade noch so schwer von allen Seiten aufgrund seines „Volleyballtores“ in Köln auf ihn eingedroschen, ihn störte es nicht. Stattdessen schnitt er sich einfach tief mit einem Messer in seine Flosse und leistete damit quasi Abbitte beim Fußballgott höchstpersönlich: Zlatan Ibrahimovic. Der hatte sich bekanntermaßen in den EM-Playoffs mit Schweden gegen Dänemark durchgesetzt. Andreasen war nach langer Abwesenheit zum ersten Mal wieder für Dänemarks Nationalmannschaft berufen worden, doch konnte er dann bei diesen beiden Friss-oder-stirb-Matches nicht teilnehmen. Dabei wären die Playoffs ein Spiel für so einen harten Hund gewesen, selbst wenn von vornherein klar war, das Ibracadabra sowieso wieder „zlatanieren“ würde. Stattdessen spielte Andreasen mit Manschette für 96 und erzielte aus volleyballtorähnlicher Position ein astreines Kopfballtor gegen Ingolstadt. Da hatte bestimmt der Fußballgott seine Händchen mit im Spiel.

Ein Hoffnungsträger

An dieser Stelle darf bei allem Jux nicht zu kurz kommen, dass nicht nur Andreasen entscheidenden Anteil am Sieg der 96er gegen den Austeiger aus Bayern hatte. Auch sein Landsmann Uffe Bech war gut aufgelegt, wie seine Auflage zum 3:0 und der Treffer zum 4:0-Endstand bewiesen. Bech scheint nach der Degradierung in die zweite Mannschaft nun so langsam die Rolle im Team einzunehmen, die man sich von Beginn an von ihm gewünscht hatte. Die Rolle des Hoffnungsträgers. Blieb er vor zwei Wochen noch glücklos vor dem Kasten, so behielt er in dieser Woche die Nerven. Zudem holte er schon in den Spielen zuvor – teilweise nicht ganz unumstrittene – Elfmeter heraus. Fakt ist: Bechs Tempo und seine Kreativität kommen dem Spiel von Hannover 96 zu Gute. Mit Bech haben Hiroshi Kiyotake und Salif Sané einen weiteren Spieler im Mittelfeld um sich, der Bälle fordert und aktives Kurzpass-Spiel betreiben will. Noch ist es zwar zu früh, doch wenn Bechs Formkurve weiter so ansteigt, dann könnte da in der Rückrunde wieder etwas Hoffnung keimen. Und wir hätten wahrlich unser Danish Dynamite!

Schalkes Taktgeber kommt zurück

Doch genug der Helden-Anbetung. Neue Woche, neues Glück. Gegner FC Schalke 04 steckt in einer Krise. Holte das Team von Cheftrainer André Breitenreiter aus den ersten zehn Spielen noch 19 Punkte, so waren es derer nur noch zwei aus den letzten vier Partien. Und die Krise trägt auch einen Namen, den von Johannes Geis. Der 22-jährige Taktgeber des Schalker Mittelfelds wurde vor vier Spieltagen mit einer roten Karte nach rüdem Foulspiel für fünf wettbewerbsübergreifende Spiele gesperrt. Da er ein Spiel im Pokal aussitzen musste, wird er morgen also nach vier Bundesligaspieltagen erstmals wieder den Taktstock im Schalker Mittelfeld übernehmen. Ob mit Geis auch die Siegerqualitäten der Gelsenkirchener zurückkehren, wird das Spiel zeigen. Glück auf schön und gut, aber nach dem Ingolstädter Erfolgserlebnis ist es doch durchaus denkbar, dass 96 die Schalker so richtig in die Ergebniskrise ballert, selbst wenn S04 die besseren Einzelspieler in seinen Reihen hat. Auf jeden Fall ein schwer zu tippendes Spiel. Ob das Selbstvertrauen aus dem letzten Spiel mit in den Ruhrpott genommen werden kann? Ich setze mal auf ein 2:2. Die letzten vier Male konnte 96 nichts Zählbares aus Gelsenkirchen mitnehmen, doch hat ja jede Serie mal ein Ende.

Freitag, 4. Dezember 2015, 20.30 Uhr:
FC Schalke 04 – Hannover 96

(Foto: Friedrich Petersdorff/Wikipedia, Copyright: CC BY-SA 3.0)

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Kategorien: Sports, Unrat

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