Susanne Haupt
20. Januar 2016

Eine Anti-Heldin auf dem Vormarsch

Sehenswert: die Netflix-Serie “Jessica Jones”

Passt perfekt in die Rolle der Anti-Heldin: Schauspielerin Krysten Ritter

Jessica Jones (Krysten Ritter) ist eine Einzelgängerin und -kämpferin, die sich nach einer gescheiterten Superhelden-Karriere als Privatdetektivin durchschlägt. Seit dem Autounfall ihrer Eltern, bei dem sie als Kind Vollwaise wurde, besitzt sie übernatürliche Kräfte. Aber nun lebt sie in einem kargen Appartement und trotzt dem kalten New Yorker Winter in Lederjacke und weitem Pulli. Immer wieder wird sie von dunklen Erinnerungen an ihren ehemaligen Peiniger Kilgrave (David Tennant) heimgesucht. Immer, wenn die Flashbacks kommen, sagt sie den Straßennamen vor sich her, in der sie einst als Kind gelebt hat.

Glänzte schon als Timelord (“Doctor Who”), zynischer Ermittler (“Broadchurch”): In “Jessica Jones” spielt David Tennant den ultimativen Bösewicht

Gedankenkontrolle als verhängnisvolle Superkraft

Jones’ beste Freundin ist die ehrgeizige Radio-Moderatorin Trish Walker (Rachael Taylor), bei deren Familie sie als Adoptivkind unterkam. Jedoch ist auch Trish kein schillernder Star, sondern leidet bis heute unter der strengen und gewalttätigen Erziehung ihrer Mutter. Ausgangspunkt der Geschichte ist ein Ehepaar, das Jessica Jones aufsucht, da es den Kontakt zur eigenen Tochter verloren hat. Hope (Erin Moriaty) hat ihr Studium hingeschmissen, ist bei ihrer besten Freundin ausgezogen und hat sich vollständig zurückgezogen. Im Laufe ihrer Ermittlung erkennt Jones, dass Hope möglicherweise ebenfalls Kilgrave zum Opfer gefallen ist. Ein Bösewicht, der seine Opfer mittels Gedankenkontrolle gefügig macht und sie Grauenvolles verüben lässt.

Schmerz, Leid und Superkraft: Mike Colter in der Rolle des Luke Cage

Jagd nach dem Teufel

Parallel dazu lernt Jessica Jones den Barkeeper Luke Cage (Mike Colter) kennen, mit dem sie mehr verbindet, als sie zunächst glaubt. Neben Trish und Luke steht auch die eiskalte Rechtsanwältin Jeri Hogarth (Carrie-Anne Moss) an Jones’ Seite, die von ihr regelmäßig zu bestimmten Fällen als Unterstützung gerufen wird. Jones erkennt, dass Kilgrave nicht, wie von ihr vermutet, bei einem Bus-Unfall verstorben ist, sondern weiter sein Unwesen in den Straßen von New York treibt. Und auch, dass er ganz offensichtlich hinter ihr her ist. Mutig nimmt sie die Jagd nach “dem Teufel” auf und bringt damit sich und alle anderen in Gefahr…

Double Trouble: Krysten Ritter und Schauspiel-Kollegin Rachael Taylor, die auch privat enge Freundinnen geworden sind

Düsteres Serien-Universum

Netflix gehört schon lange zu den legalen Streaming-Riesen, und während Amazon versucht, mit dessem Programm mitzuhalten, produziert Netflix eine Erfolgsserie nach der anderen. Auch “Daredevil”, wie “Jessica Jones” ebenfalls eine Marvel-Verfilmung, ist zum gefeierten Hit geworden. So düster wie in “Jessica Jones” kam jedoch noch kein Marvel-Serien-Universum daher. Krysten Ritter bedient in ihrer Rolle als Anti-Heldin erstmalig ein Metier, dass normalerweise ihren männlichen Kollegen vorbehalten ist. Sie trinkt, steigt mit dem Barkeeper Luke ins Bett, wann es ihr gefällt, bleibt stets für sich alleine und wirkt dabei verbittert und desillusioniert.

Bösewicht mit übernatürlichen Fähigkeiten

Bisher wurde Krysten Ritter durch kleine Nebenrollen wie Beispielsweise “Lucy” in Gilmore Girls oder Jane Margolis in “Breaking Bad” und ihre kurzweilige, aber erfolglose Serie “Appartment 23″ bekannt, in der sie die Hauptrolle innehatte. Eine passendere Besetzung für “Jessica Jones” kann man sich kaum vorstellen. Und auch David Tennant, der seinen bisher größten Erfolg als elfter Doktor im britischen Dauer-Hit “Doctor Who” feierte, war einem eher als einsamer, aber liebenswerter Doktor bekannt. In “Jessica Jones” jedoch mimt er den Bösewicht Kilgrave mit übernatürlichen Fähigkeiten und schottischen Akzent im maßgeschneiderten Anzug.

Nicht unverwundbar, aber unglaublich stark: Jessica Jones

So viel düstere Frauen-Power gab es noch nie

Die erste Staffel ist bereits vergangenes Jahr im November erschienen und umfasst 13 Folgen. Dabei lädt der langsame Handlungsstrang, der die düsteren Ereignisse mildernd abfängt, Serien-Fans zum exzessiven sogenannten “Binge watching” ein. “Jessica Jones” galt 2015 als eine der besten Newcomer-Serien. Völlig zu Recht, denn so viel düstere Frauen-Power gab es noch nie, ohne dabei auf große Brüste oder devote Sex-Szenen zu setzen. Für schwache Nerven ist die Serie allerdings nichts. Die teilweise brutalen und psychothriller-ähnlichen Szenen können sanften Gemütern leicht zusetzen. Für die harten Fans jedoch ist nun ein wenig Eile angesagt, denn vor wenigen Tagen kündigte Netflix die zweite Staffel an. Zwar ist noch kein Release-Datum bekannt, “Jessica Jones”-Darstellerin Krysten Ritter lieferte jedoch über ihre Social Media-Kanäle den Foto-Beweis, dass alle wieder fleißig am Drehen sind.

(Foto: Pressefotos/Netflix Deutschland)

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Kategorien: Film, Medien

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