Marcel Seniw
18. Dezember 2015

Das gibt ein Brett!

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Heimspiel gegen den FC Bayern München

Gegen Bayern München möglicherweise ganz schön bedient: 96-Torwart Ron-Robert Zieler

Kann sich eigentlich noch irgendjemand daran erinnern, dass Hannover 96 gegen Bayern München vor nicht allzu langer Zeit noch ein Top-Spiel war? Dass Hannover in der Tabelle vor den Münchnern stand – und das in der Rückrunde? Dass Hannover 96 die Bayern zu Hause 3:1 weggehauen hat und ein ernsthafter Champions League-Anwärter war? In der Saison 2010/11 musste sich der FC Bayern jedenfalls ganz schön strecken, um 96 in der Tabelle hinter sich zu lassen. Anders gesagt: 96 war einmal auf Augenhöhe mit dem Verein, der nun die Liga und auch Europa quasi nach Belieben zu dominieren vermag und mit weniger als einer Hand voll Vereinen überhaupt noch auf einem Niveau agiert. Daran zeigt sich halt mal wieder die hässliche Fratze des Fußballs. Manchen Vereinen sind solche Höhenflüge nur alle paar Jahrzehnte vergönnt, manch anderer darf erst gar nicht in einem Wettbewerb wie der Europa League landen. Dementsprechend haben sich die Wege von Hannover 96 und dem FC Bayern München auf dieser Augenhöhe nie wieder auf diesem Level kreuzen sollen. Seit 2011/12 ging es für 96 jedenfalls peu à peu bergab. Und die Gräben zwischen den beiden Vereinen wurden immer größer.

Abstiegskampf

Hannover 96 steht derzeit in der Bundesliga auf Relegationsplatz 16. Die komplett rote Zone ist zwar noch nicht erreicht, aber fast, und 96 steuert mit Volldampf auf eine ungewisse Rückrunde mit viel Abstiegsk(r)ampf zu. Mindestens drei bis vier Transfers wird der Verein in der Winterpause wohl tätigen wollen. Eventuell gar mehr. Mit Kießling von Bayer Leverkusen soll man schon fast einig gewesen sein, doch seine zuletzt sehr guten Leistungen in Liga und Pokal haben Leverkusen zu einem Umdenken in Sachen Freigabe bewegt. Kießling scheint fern, Josip Drmic dagegen wieder recht nah. Auch um den Gladbacher ranken sich wieder Gerüchte. Doch eines ist zumindest dem Vernehmen nach klar: 96 sucht nach potenziellen Stammspielern. Und diese sind auch bitter nötig.

Herbstmeister

Morgen heißt der Gegner erst einmal Bayern München. Und was soll man zu denen noch sagen? Sie spielen seit Jahren auf superlativem Niveau. Dennoch haben auch die Bayern zwischendurch mal Phasen in ihrem Spiel, in denen sie zumindest geschwächt erscheinen. Die als Herbstmeister feststehenden Münchener haben ebenso wie 96 viele Verletzte zu beklagen. Und natürlich haben die Münchner immer noch die besseren Akteure in ihren Reihen, doch möglicherweise haben die Dreifachbelastung und die ungeklärte Zukunft von Bayern-Trainer Pep Guardiola das Team doch etwas aus dem Tritt gebracht. Doch davon sollte man nicht unbedingt ausgehen. Denn die Bayern sind in dieser Speilzeit eine gnadenlose Walze aus Ballbesitz und Treffsicherheit, die zu jeder Zeit des Spiels das Tempo anziehen oder hinausnehmen kann – wie es ihnen beliebt. Der Rekordmeister wurde auf der Pressekonferenz daher völlig zurecht von 96-Coach Michael Frontzeck als „Brett“ beschrieben.

Keine Chance

Und auch wenn 96 in letzter Zeit durchaus kämpferische Tugenden an den Tag gelegt hat, so werden diese gegen diesen FC Bayern nicht reichen. Der Ball wird zu ungefähr 70 Prozent den Münchenern gehören und die Chancen werden trotz der Verletzungssorgen der Bayern nur vor dem Tor von Ron-Robert Zieler zu sehen sein. Lewandowski, Müller und Co. gilt es auszuschalten, doch das wird nicht über die gesamte Spielzeit funktionieren. Der FC Bayern wird drei Punkte aus Hannover mitnehmen, die Frage stellt sich nur nach der Höhe des Ergebnisses. Mein Tipp: Hannover wird fünf Bretter voll auf die Zwölf kassieren. Mit 0:5 geht 96 unter. Zeit für die Winterpause – Zeit für frisches Blut!

Samstag, 19. Dezember 2015, 15.30 Uhr:
Hannover 96 – FC Bayern München

(Foto: Michael Kranewitter/Wikipedia, Copyright: CC BY-SA 4.0)

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Kategorien: Sports

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