Susanne Haupt
25. Januar 2016

Challenge accepted!

Seitenansicht Spezial: Literarische Neujahrsvorsätze

Einige habe ich schon geschafft, aber viele stehen noch bevor: ein paar der bereits gemeisterten Lektüren für die “Reading Challenge 2016″

Jedes Jahr wagen Hoffnungsvolle wieder, sich einen Neujahrsvorsatz auszudenken. Nicht umsonst platzen Fitness-Studios im Januar aus allen Nähten, und auch in Schwimmbädern ist auf einmal Hochkonjunktur angesagt. Die Friseure dieser Welt müssen neue Haarschnitte schnippeln und die Magazine sind voll von Diäten, die garantiert endlich die Pfunde purzeln lassen. Ja, so ein Jahresbeginn kann unbekannte Kräfte freisetzen. Durchschnittlich, so hörte ich es neulich im Radio, halten diese Vorsätze aber maximal bis März. Und danach landen die meisten wieder in den blassen Schubladen der Verdrängung. Dass es auch für Bibliophile wie mich Neujahrsvorsätze gibt, stimmt hingegen optimistischer. Beliebt sind Listen, die einen so literarisch wie möglich durch das Jahr tragen sollen. Auf der Plattform Goodreads.com kann man sich beispielsweise anmelden, mit lesebgeisterten Freunden vernetzen und angeben, wie viele Bücher man in diesem neuen Jahr lesen möchte. Nach jedem gelesenen Buch wird der Jahres-Fortschritt aktualisiert. Auf der Unterhaltungs-Plattform 9gag wiederum ist sogar eine komplette Liste enthalten, die man abarbeiten kann.

Nicht einfach, aber machbar

Auf die schöne Möglichkeit aufmerksam gemacht hat mich meine liebe Freundin Jessica aus Freiburg, die mich auf diesem Wege zur großen “Reading Challenge” eingeladen hat. Als passionierter Bücherwurm habe ich natürlich direkt zugesagt, und schon kurz nach Weihnachten fingen wir gemeinsam an, uns Gedanken über die Lektüre zu machen. Was im übrigen gar nicht mal so einfach war. Denn während ich zwar durchaus keine Scheu davor habe, für Kritiken unbekannte Gewässer zu erkunden, bleibe ich privat dann doch auch mal gerne in meiner Komfort-Zone. Mit politischen Memoiren habe ich es zum Beispiel weniger und auch Dystopien stehen nicht unbedingt ganz oben auf meiner Liste. Ab und an habe ich mich beim Durchsehen der Liste sogar geärgert, dass ich das ein oder andere Buch schon gelesen habe, weil es vielleicht einen etwas schwieriger zu erreichenden Punkt locker abhaken würde. Aber “accepted” bedeutet nun mal, dass ich mein Wort halte und mich an die Regeln halten werde.

Mit viel Engagement bei der Sache

Weil wir so unglaublich engagiert sind, haben wir die zu erstellende Liste für uns sogar erweitert. Denn trotz aller Mühe und dem Einfallsreichtum der Verfasser fehlte uns hier und da einfach noch etwas. Beispielsweise ein Punkt, damit wir beide auf alle Fälle etwas von der Man Booker Prize-Shortlist lesen können. Und während man sich nun mit der vorgegebenen Liste und den möglichen Lektüren auseinandersetzt, fallen einem dann noch etliche weitere Bücher ein, die zwar zu keinem genannten Punkt passen wollen, aber die unbedingt gelesen werden sollten. Nicht irgendwann, sondern möglichst auch in diesem Jahr. Sich mit Büchern zu beschäftigen, die man ansonsten vielleicht in der Buchhandlung übersehen oder links liegen gelassen hätte, ist auf jeden Fall definitiv ein Gewinn. Wie es beispielsweise in dem Buch “Weil ich Layken liebe” von Colleen Hoover, das unter den Punkt der YA-Bestseller fällt, ganz treffend heißt: “Grenzen sind dafür da, um sie zu erweitern”.

Austausch statt einsames Blättern

Das Lesejahr 2016 wird für mich und Jessica wegen der “Reading Challenge” sehr ereignisreich und spannend. Ob wir das durchhalten? Eigentlich habe ich daran bei uns keine Zweifel. Eher, dass wir den größten Teil der anstehenden Werke schon in der ersten Jahreshälfte durchgelesen haben. Und natürlich kann man sich so einer Liste auch alleine widmen, doch ist es viel schöner, dies gemeinsam zu tun und damit auch die Isolation des Lese-Aktes mit Gesprächen über das Gelesene zu durchbrechen. Über all die verschlungenen Bücher reden und schreiben tut man dann nämlich automatisch. Und der Challenge-Partner hat vielleicht sogar ein paar Tipps auf Lager, wenn einem zu einem Punkt wirklich nichts mehr einfällt. Ansonsten stehen ganz sicher in den wunderschönen Buchhandlungen Hannovers zahlreiche Buchhändler parat, die einem noch ein paar weitere Anregungen mit auf den Weg geben können. Lassen wir also die Spiele beginnen und eröffnen ganz feierlich und voller Tatendrang das Lesejahr 2016.

“Seitenansicht” erscheint in Kooperation mit der Buchhandlung Decius.

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Kategorien: Literatur

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