Marcel Seniw
22. Januar 2016

Da isser wieder!

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Heimspiel gegen Darmstadt 98

Eindeutig mit dem schärferen Bart als der Trainer: 96-Neuzugang Hugo Almeida, hier noch im Trikot des russischen Erstligisten Kuban Krasnodar

Was war das nur für eine turbulente Winterpause für Hannover 96? Kurz nach dem letzten Spieltag der Hinrunde, an dem man sich den übermächtigen Bayern immerhin nur mit 0:1 geschlagen geben musste, hatte Michael Frontzeck seinen Job gekündigt. Der glücklose Cheftrainer zog damit selbst die Konsequenzen einer enttäuschenden Hinrunde für Mannschaft, Fans, Präsidium und vor allem für sich selbst. Dem 51-Jährigen gilt größter Dank dafür, dass er 96 letztes Jahr vor dem Abstieg bewahrte, doch seine Tage schienen schon lange vor seinem Rücktritt gezählt. Nun startet 96 also wieder einmal von vorn. In Thomas Schaaf fanden die Verantwortlichen schnell einen Trainer, bei dem das Präfix “Wunsch”-Trainer nicht für Achselzucken oder amüsiertes Gelächter sorgt. Denn Schaaf holte mit Bremen einst das Double und steht bekanntermaßen für lebendigen Offensiv-Fußball. An seinen Qualitäten besteht kein Zweifel – die Frage ist nur, ob die 96-Profis seine Vorgaben auch vernünftig umsetzen. Und daran darf zumindest zu Beginn der Rückrunde gezweifelt werden, da in nicht einmal drei Wochen der gemeinsamen Arbeit Automatismen einfach noch nicht greifen können. Dennoch wäre ein Sieg gegen den Aufsteiger Darmstadt 98 morgen ungemein wichtig. Vor allem um die Aufbruchstimmung des Trainerwechsels nicht direkt zu Beginn abebben zu lassen.

Frische Spieler für den Neuanfang

Machen wir uns nichts vor: Hannover 96 spielte in der Hinrunde den abschreckendsten Fußball der Liga. Rumpel- traf da auf Angsthasen-Fußball – das war nicht schön anzusehen. Vor allem im Spielaufbau hakte es an allen Enden und Ecken. Um dem Einhalt zu bieten, mussten Veränderungen her. Stürmer Mevlüt Erdinc wurde abgegeben und insgesamt fünf neue Spieler kamen. Doch bei den Anhängern von Hannover 96 sorgten die ersten Transfers nicht gerade für Jubelstürme. Hieß es von Seiten der Vereinsführung vor der Winterpause noch, dass man Spieler verpflichten wolle, die den Verein direkt weiterbringen und Stammplatz-Potenzial besitzen, so wurden stattdessen Spieler verpflichtet, die diesem Anspruch auf den ersten Blick nicht gerecht werden. Mit Hotaru Yamaguchi (25) wurde beispielsweise ein Spieler aus der zweiten japanischen Liga verpflichtet, der zwar Potenzial besitzt, sich aber erst einmal mit den Gepflogenheiten der Bundesliga vetraut machen muss. Selbiges gilt für Iver Fossum (19) und Marius Wolf (20), zwei hoffnungsvollen Talente, die in Norwegen und der 2. Bundesliga ihr Geld bislang in Ligen verdienten, die mit der Bundesliga nicht zu vergleichen sind.

Große Fragezeichen

Auch die Verpflichtung von Adam Szalai warf Fragezeichen auf. Kann der Stürmer noch mal an seine guten Zeiten in Mainz anknüpfen? Immerhin konnte Szalai sich weder bei Schalke noch bei Hoffenheim nachhaltig für einen Stammplatz empfehlen und war in den letzten Monaten eher als Bank-Angestellter denn als Torjäger auffällig geworden. Szalai will sich bei Hannover 96 für die ungarische Nationalmannschaft empfehlen und auf den EM-Zug aufspringen. Der 28-Jährige wurde auf Leihbasis geholt. Doch dann kam vor einigen Tagen der eventuelle Königstransfer von Hannover 96. Thomas Schaaf holte einen ehemaligen Weggefährten aus Bremer Tagen an die Leine: Hugo Almeida. Der Portugiese kam zum Nulltarif vom ehemaligen Europa-League-Kontrahenten Anschi Machatschkala und soll mit seinen 31 Lenzen auf dem Buckel noch einmal die Tornetze auf ihre Belastbarkeit prüfen. Almeida ist immerhin mit einem linken Hammer gesegnet, der die Kugel gern mal auf über 120 Km/h beschleunigt. Doch noch muss der bullige Stürmer an seiner Fitness arbeiten, denn er kommt trotz seiner Statur auch über die Schnelligkeit. In der Startelf wird er morgen wohl trotzdem stehen, auch wenn es nur für 60 Minuten reichen sollte. Und so ist Almeida auf den ersten Blick wohl der einzige Neuzugang, der als Hoffnungsträger taugt.

Es darf losgehen

Bei allen Neuzugängen im Winter hat mich jedoch eine Kleinigkeit gestört: Bis auf Yamaguchi als zentral defensiver Mittelfeldspieler wurden nur Offensiv-Kräfte geholt. Bei so manchem Aussetzer der Defensive in der Hinrunde – erinnert sei an Miiko Albornoz’ Ausrutscher gegen Darmstadt – wurden keinerlei Bemühungen nach Defensiv-Spezialisten angestellt. Da kommt es zum Glück gerade recht, dass der unter Frontzeck ausgemusterte André Hoffmann wieder voll bei Kräften ist. Hoffmann ist so etwas wie ein Neuzugang in der Abwehr, auch wenn der Hüne sich auch im defensiven Mittelfeld wohlfühlt und schon seit geraumer Zeit zum Inventar gehört. Neun Tage lang ist das Transferfenster noch geöffnet und 96 kann gegebenenfalls noch nachbessern. Doch vertrauen wir einfach mal auf das, was da geplant wurde. Geben wir Thomas Schaaf den eigentlich nicht nötigen Vertrauensvorschuss und hoffen auf bessere Zeiten. Schlechter kann es ja kaum werden. Die Mission Klassenerhalt kann losgehen. Am besten mit einem 2:1-Sieg über Darmstadt 98, mit den Torschützen Almeida und Szalai. Gegen die Lilien haben die Roten noch etwas gutzumachen, schließlich hat man sich von einem Sandro Wagner aus dem DFB-Pokal schießen lassen. Eine kleine Bitte noch: Lieber Hugo Almeida, lass Dir wieder diesen pornösen Oliba von der WM 2014 stehen. Dieser ließe nicht nur die Konkurrenz auf dem Platz ob Deiner Autorität erstarren, sondern auch Rotzbremsen-Fanatiker wie Tom Selleck vor Neid erblassen!

Samstag, 23. Januar 2016, 15.30 Uhr:
Hannover 96 – Darmstadt 98

(Foto: soccer.ru/Wikipedia, Copyright: CC BY-SA 3.0)

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Kategorien: Sports

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