Jörg Smotlacha
26. Januar 2016

Comics – politisch unbequem und künstlerisch wertvoll

Zum Auftakt einer kleinen Reihe mit Comic-Lesungen ist bei Feinkost Lampe heute Abend die Zeichnerin Barbara Yelin zu Gast

Zeichnet für vielschichtige Graphic Novels verantwortlich: Barbara Yelin

Bisher vor allem für so originelle wie stimmungsvolle Konzerte jenseits des Mainstreams verantwortlich, startet der Verein für RaumKlangPflege alias Feinkost Lampe heute in Kooperation mit dem hannoverschen Kult-Laden Comix eine neue Veranstaltungsreihe namens “Comics On Stage”. Zu sehen sind Abende “zwischen Lesung, Hörspiel und Dia-Show”, bei denen Comics und hochwertige Graphic Novels in Bild und Ton auf die Bühne gebracht werden und so einen Eindruck von der Arbeit hinter den Kulissen vermitteln.

Zum Auftakt ist die 1977 in München geborene Comic-Zeichnerin Barbara Yelin zu Gast, die in Hamburg Illustration studiert hat und vor allem 2011/12 mit ihrem täglichen Comic-Strio “Riekes Notizen” bekannt wurde, der in der Frankfurter Rundschau erschien. Außerdem arbeitete Yelin als Comic-Workshop-Leiterin, unter anderem für das Goethe-Institut und war Gast-Professorin für Graphic Novels an der HBK Saar in Saarbrücken. Nachdem ihre ersten beiden Bücher, das Bildermärchen “Le Visiteur” und der Comic “Le Retard”, nur in Frankreich veröffentlicht wurden, folgte 2010 das Werk “Gift”, das den historischen Bremer Kriminalfall Gesche Gottfried zum Inhalt hatte.

Heute erzählt und vertont die 38-Jährige Barbara Yelin ihre aktuelle Graphic Novel “Irmina”, in der die ehrgeizige Protagonistin im London der 1930er-Jahre eine Ausbildung zur Fremdsprachen-Sekretärin beginnt und sich in den dunkelhäutigen, klugen und selbstbewussten Howard verliebt. Als die junge, nach Selbstbestimmung strebende Frau aber schließlich ins nationalsozialistische Deutschland zurückkehrt, steht sie angesichts der politischen Situation vor der Situation, endlich ihre Lebenspläne verwirklichen und Karriere machen zu können, dafür aber die verbrecherische Ideologie des Regimes akzeptieren zu müssen. Nach einer wahren Geschichte entwickelt, handelt “Irmina” von einem Lebensweg voller Brüche und Widersprüche und zeigt, wie Wegsehen und Vorteilsnahme den Alltag im Nationalsozialismus mitbestimmt haben.

Dienstag, 26. Januar 2016:
Barabara Yelin, “Comics On Stage”, Feinkost Lampe, Eleonorenstraße 18, 30449 Hannover, Beginn: 20 Uhr, Eintritt: 6 Euro

(Foto: Pressefoto/Feinkost Lampe)

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Kategorien: Literatur, Tagestipps

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