Henning Chadde
29. Januar 2016

Madonna. In Bildern. Und in tausend Worten

Vom Wandel einer Heiligen und ganz persönlichen Einflüssen: Der Poetry Slam “Madonna mia!” stellt sich heute im Landesmuseum dem Madonnen-Bild

Madonna, modern in altbekannter Pose: Julia Krahn – “Mutter”, Fotografie

Kaum eine Frau ist im kollektiven Menscheitsgedächtnis ähnlich präsent, wie Maria Magdalena alias Madonna – die Mutter mit dem Kind auf dem Arm. Dabei fällt ihr in der Bibel ursprünglich eher eine Nebenrolle zu, eben jene der schlichten “Mutter Jesu”. Dennoch rückte sie schließlich als einzige Frau der Heiligen Familie in der Spät-Antike in den Mittelpunkt der Verehrung und hat seitdem als “Gottesgebärerin” und “Gottesmutter” eine beispiellose ikonographische Karriere hingelegt. Eine Karriere, die seit mehr als 1500 Jahren in der Kunstgeschichte zahlose darstellerische Spuren hinterlassen hat und die mit vielen Querverweisen und provokanten Ansätzen bis in die Gegenwart der Pop- und Kunst-Moderne nachwirkt.

Im Landesmuseum Hannover gilt es derzeit, diesem weitgefassten Spannungs- und Darstellungsbogen nachzuspüren. Mit hochkarrätigen Leihgaben aus der ganzen Welt präsentiert die aktuelle Ausstellung “Madonna. Frau – Mutter – Kultfigur” eine intensive und vielschichtige Spurensuche durch die Jahrhunderte der Madonnen-Verehrung und des Madonnen-Kultes. Angefangen bei verschiedensten Weiblichkeits- und Fruchtbarkeits-Patinnen aus der Antike über die frühe Ikonen-Malerei bis hin zur klassischen Marien-Figur, den berühmten Madonnen-Darstellungen von Raffael, Rubens oder Corinth und schließlich der modernen, gegenwärtigen Auseinandersetzung von Künstlern wie Thomas Bayrles und Julia Krahns, die mit ihren Werken unter anderem auf die Kommerzialisierung des Sakralen und im Umkehrschluss ebenso auf die Sakralisierung des Kommerz aufmerksam machen. Und dann gibt es da ja auch noch eine gewisse Madonna Louise Ciccone, die – nicht nur – mit ihrem Hit “Like A Virgin” dereinst das religiöse Weiblichkeits-Bild und den Anspruch als Sex-Objekt ihrer historischen Vorgängerin gekonnt provokativ auf die publikumswirkame, wie skandalträchtige Spitze zu treiben wusste…

Beeindruckende Bilder, tausend Worte und ein Poetry Slam: “Madonna mia!”

Zeit also, dem weitgefächerten Entwicklungsstrang der Madonnen-Darstellung und -Figur mit klaren Worten ein wenig Überblicks-Licht hinzuzufügen. Zeit für “Madonna mia!”, den ersten Poetry Slam im Landesmuseum Hannover, bei dem fünf Poetry Slammerinnen und Live-Autorinnen einen Einblick in ihre ganz persönlichen Madonnen-Vorstellungen von tief religiös und zugeneigt bis ikonen- und religionskritisch, von der Pop-, Trend- und Mode-Bildmarke bis hin zu den vorherrschenden Weiblichkeits-Bildern der Gegenwart geben. An den Lesestart gehen Rita Apel und Lisa Schöyen aus Bremen, Annika Blanke aus Oldenburg, Jessy James LaFleur aus Berlin und Julia Ustinski aus Wallensen. Der Besuch der Ausstellung ist im Eintrittspreis zum Poetry Slam inbegriffen und bereits ab 18 Uhr möglich. Nicht nur in diesem Falle äußerst lohnenswert!

Freitag, 29. Januar 2016:
“Madonna mia!”, Poetry Slam zur Ausstellung “Madonna. Frau – Mutter – Kultfigur”, Niedersächsisches Landesmuseum Hannover, Willy-Brandt-Allee 5, 30169 Hannover, Beginn: 19.30 Uhr, Eintritt: 10 Euro, ermäßigt: 8 Euro

(Foto: Pressefoto/Landesmuseum Hannover)

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Kategorien: Kunst, Literatur, Tagestipps

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