Joyce Kuhn
13. Februar 2016

Dreifacher Kunstgenuss

Gleich drei Ausstellungen hat der Kunstverein Hannover zu bieten: Arno Auer, Toulu Hassini und Ingo Mittelstaedt präsentieren ein breites Abbild ihres Schaffens

Nur eines von zahlreichen Werken, die aktuell im Kunstverein präsentiert werden: “Martel S.” von Ingo Mittelstaedt

Arno Auer, Toulu Hassani und Ingo Mittelstaedt haben eine große Gemeinsamkeit: Sie alle waren Stipendiaten des “Preis des Kunstvereins – Atelierstipendium Villa Minimo”. Somit eint die drei Künstler ebenso eine besondere Verbindung zu Hannover. Denn der Preis, der seit nunmehr 33 Jahren im Zwei-Jahres-Takt an drei Künstler vergeben wird, unterstützt deren Schaffen nicht nur finanziell für maximal zwei Jahre, sondern stellt ihnen außerdem in Hannovers List die Nutzung eines Ateliers in der “Villa Minimo” zur Verfügung – und schafft damit für jeden Künstler traumhafte Voraussetzungen, ihrer Kreativität und ihrem Talent freien Lauf zu lassen. 2013/2014 fiel die Wahl auf Auer, Hassani und Mittelstaedt, deren Werke nun in drei Einzelausstellungen parallel präsentiert werden.

Toulu Hassani, die 1984 in Israel geboren wurde, und mittlerweile ihren Lebens- und Schaffensmittelpunkt nach Hannover verlegt hat, präsentiert in ihrer Ausstellung “Soothe The Swift” die ganze Bandbreite ihrer Kunst, die sich rund um die Malerei bewegt. Hassani gibt sich dabei mit den etablierten Möglichkeiten und Techniken nicht zufrieden, sondern befindet sich auf der stetigen Suche nach dem Neuen, dem bisher nicht Dagewesenen. So bezieht sie mitunter den Keilrahmen in ihr Werk ein oder verwendet verschiedenste Materialen, wie etwa die Haut von Tieren oder auch Holz. Darüber hinaus findet man immer wieder geometrische Muster bei Hassini, die ihre extreme malerische Präzision wiedergeben.

Arno Auer hingegen, der in Hannover und Berlin lebt, beschäftigt sich in seinem künstlerischen Schaffen mit Medien- und Gesellschaftskritik. So nimmt er in “Wirr singt das Volk.” Bezug zur Verwendung des bekannten Protest-Slogans der DDR-Bürger durch die rechtsgerichtete Pegida-Bewegung. Indem er Motive aus der NS-propagandistischen Wanderausstellung “Volk und Rasse”, die in den 1930er-Jahren auch im Kunstverein Hannover zu sehen war, zur Kontextualisierung verwendet, bezieht er sich auf die Verbreitung rechter Ideologie in der Geschichte und der Gegenwart. Diese Gegenwart, die sich zwischen “Willkommenskultur” und Rassismus bewegt, thematisiert Auer ebenso in seinem Projekt “Syrian Coffee”, bei dem der Künstler ein in Syrien gängiges Willkommensritual aufgreift und die Besucher der Ausstellung einlädt, Gast zu sein.

Anders als seine Mit-Stipendiaten ist der Wahl-Hamburger Ingo Mittelstaedt in der Fotografie zu Hause. Für “Martel S” entwickelte er eine ortsspezifische Arbeit, die sich dem Leben und Schaffen der Künstlerin Martel Schwichtenberg (1896-1945), die als Grafikerin für Bahlsen tätig war, widmet. Darüber hinaus wählte Mittelstaedt Schwarzweiß-Fotografien, die seine Arbeit mittels sorgfältig ausgearbeiteter Bild-Inszenierungen zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion präsentieren.

Samstag, 13. Februar 2016:
Arno Auer: “Wirr singt das Volk.” / Toulu Hassani: “Soothe The Swift” / Ingo Mittelstaedt: “Martel S.”, Kunstausstellung, Kunstverein Hannover, Sophienstraße 2, 30159 Hannover, geöffnet: 12 bis 19 Uhr, Eintritt: 6 Euro, ermäßigt: 4 Euro

  • Die Ausstellungen sind noch bis zum 28. Februar im Kunstverein Hannover zu sehen
  • Öffnungszeiten: Di bis Sa 12-19 Uhr, So und feiertags 11-19 Uhr
  • Freitags Eintritt frei

(Foto: Pressefoto/Kunstverein Hannover)

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Kategorien: Kunst, Tagestipps

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