Susanne Haupt
17. Februar 2016

Lachen heißt auch kämpfen

Schriftsteller Tobi Katz ist heute mit seinem Live-Programm “Morgen ist leider auch noch ein Tag” im Theater am Küchengarten zu Gast

Kann über Depressionen auch lachen: Autor Tobi Katz

Psychische Erkrankungen sind in aller Munde – wenn ich mich in meinem Umfeld umgucke, dann sind sie irgendwie überall. Wer sich zum Beispiel einmal ein wenig unter Menschen unwohl fühlte, der ist gleich “socially akward”, hat eine Sozialphobie. Wer ein paar Tage schlecht drauf war, der steuert direkt in eine schwere Depression. Eigendiagnosen stehen hoch im Kurs. Wie unglaublich ätzend es dann aber tatsächlich wäre, wenn einige dieser vermeintlich Betroffenen eine der genannten Erkrankungen wirklich hätten, mag sich kaum jemand ausmalen. Das kann man als Außenstehender auch nicht – und das ist vielleicht auch gut so.

In jedem Fall gibt es vielfältige Formen, mit einer Depression umzugehen. Man könnte beispielsweise versuchen, sie einfach “auszusitzen”, mit ihr sozusagen “Warten auf Godot” zu spielen. Der mit dem längsten Atem wird schon noch gewinnen. Beharrlichkeit zahlt sich aus und so. Man könnte versuchen, einen Arzt aufzusuchen. Im besten Falle hat dieser Ahnung. Im schlimmsten Falle schickt er einen nach Hause und sagt: “Trinken Sie doch einfach mal eine schöne Tasse Tee”. Man könnte sich auf eine der zahlreichen und schier unerträglich langen Listen für einen Behandlungsplatz setzen lassen. Und bis Therapie-Beginn “Warten auf Godot” spielen. Außer man ist Privat-Patient. Da bekommt man zur Depression sogar noch ein paar Erkrankungen gratis dazu. Muss sich ja auch rentieren, so ein Arztbesuch. Oder aber man kombiniert einen dieser Wege mit Medikamenten. Und bevor jetzt alle hektisch aufschreien und mir alle bösen Nebenwirkungen aufsagen, möge man doch bitte einmal kurz durchatmen und den letzten Satz des ersten Absatzes lesen.

Jeder Weg mit einer Depression umzugehen, jede Form hat ihre Vor- und Nachteile. Und neben einer ärztlichen Behandlung, eventuell unterstützenden Medikamenten, übermenschlich viel Kraft, Geduld, Liebe von sich selbst und seinen Freundinnen und Freunden gibt es eine sehr effektive “Waffe”. Und die heißt Humor. Humor ist allgemein ein rares Gut. Als an einer Depression erkrankter Mensch kann man übrigens trotzdem lachen. Je nach Schwere kommt es mal mehr, mal weniger von Herzen. Ja, und manchmal geht es eben auch nicht, aber so ist das mit den Depressionen. Solange man jedoch lachen kann, und seinen Humor noch hat, sollte man diesen auch ausleben. Tobi Katz zum Beispiel hat das gemacht. Erst war es nur ein Blog, auf dem er über seine Depression schrieb. Und weil der Blog wirklich gut war, wurde sogar ein Buch daraus, das den schönen Titel “Morgen ist leider auch noch ein Tag – Irgendwie hatte ich von meiner Depression mehr erwartet”.

Tobi Katz wird heute Abend im Theater am Küchengarten sein Bestes geben und dabei auch persönlich werden. Eine Erkrankung, vor allem eine psychische, ist immer noch etwas, was mit viel Scham behaftet ist. Es ist eben etwas “Persönliches”, davon muss keiner wissen. Dass man ein wenig ver-rückt ist im Raum der gesellschaftlichen Norm. Doch Tobi Katz kann mit seinen Erzählungen aus dem Alltag eines Erkrankten das Publikum ordentlich zum Lachen bringen. Lachen verbindet schließlich. Und lachen heißt auch kämpfen.

Mittwoch, 17. Februar 2016:
Tobi Katz: “Morgen ist leider auch noch ein Tag”, Live-Literatur mit Risiken und Nebenwirkungen, Theater am Küchengarten, Am Küchengarten 3-5, 30449 Hannover, Beginn: 20 Uhr, Eintritt: 21,50 Euro, ermäßigt: 11,50 Euro

(Foto: Pressefoto/Theater am Küchengarten)

Wenn Dir dieser Text gefällt, teile den Artikel auf Facebook,
hinterlasse einen Kommentar oder abonniere unseren RSS-Feed!

Artikel drucken

Kategorien: Literatur, Tagestipps

Kommentiere diesen Artikel