Marcel Seniw
20. Februar 2016

Schaafs erste Male

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Heimspiel gegen den FC Augsburg

Bei Hannover 96 fehlt es nicht nur an grünem Rasen: das offizielle neue Mannschaftsfoto

Die letzten drei Wochen hat sich mein Kollege Jörg Smotlacha dankenswerterweise für mich ins Abseits gestellt. Dankenswert zum einen, da ich mitten im Abschluss-Stress meiner Bachelor-Arbeit steckte, dankenswert zum anderen aber auch, weil einem auch als noch so gut meinender Redakteur nicht mehr allzuviel zu Hannover 96 einfallen mag, wie mir Jörg mit einer Mannschaftsbeschreibung frisch aus dem Gemüsebeet zu verstehen gab. Trotzdem hielt er tapfer durch – dafür vielen Dank, Amigo! Hannover 96 verlor zwar letzte Woche nur mit 0:1 in Dortmund und auch mein Kollege war wieder etwas besser auf die beinahe aussichtslos abgeschlagene Truppe zu sprechen, doch etwas mehr zu halten hätte es dann doch für Roman Bürki im Tor von Schwarz-Gelb geben dürfen. Nach vorne war das wieder einmal ein Offenbarungseid.

Auf Inspirationssuche

Da auch ich nicht mehr so recht weiß, was man zur Zeit über 96 schreiben soll, ohne dabei den Teufel an die Wand zu malen, suchte ich im Fratzenbuch nach Inspiration. Ich wollte mal sehen, wie das Dortmund-Spiel bei den Usern ankam. Schnell fand ich die ersten Kommentare, die gute Ansätze in der Leistung sahen und meinten, dass 96 darauf aufbauen könne. Die Schwarzmaler sahen das natürlich völlig anders, und malten ihren Teufel sogar auf Leinwand – schön zum Einrahmen. Für einige scheint die Saison schon gelaufen und die Zweite Liga traurige Wahrheit.

Die letzte Chance

Wenn ich das Spiel der vergangenen Woche Revue passieren lasse, dann spüre ich eine gewisse Zerrissenheit in mir. Zum einen sah ich gute Ansätze in der Defensive, die mich auf bessere Zeiten hoffen lassen, doch zum anderen sehe ich auch, wie das rettende Ufer immer weiter entgleitet. Gegen den Lieblingsgegner aus Augsburg zählt jedenfalls nur noch ein Dreier. Die Situation kennt die Mannschaft aber immerhin aus dem vergangenen Abstiegskampf, als man am vorletzten Spieltag in Augsburg mit 2:1 siegte und drei wichtige Punkte für den Klassenerhalt sammelte. Warum also nicht auch in diesem Jahr drei ebenso wichtige Punkte gegen Augsburg in der Rückrunde einfahren – nur halt etwas früher? Augsburg hat die letzten drei Spiele in der HDI-Arena verloren…

Kommt noch der Schaaf-Effekt?

Was also lässt in uns doch noch Hoffnung keimen? Zum einen die Abwehrleistung gegen Dortmund. Die Abwehr stand gegen eine starke Dortmunder Offensive über weite Strecken gut. Neuzugang Milosevic hat sich schnell ins Team eingefügt und sein Nebenmann vom Wochenende, Ceyhun Gülselam, hat seinen Job richtig gut gemacht. Als Innenverteidiger konnte mich der sonst so glücklose 96er positiv überraschen. Auffällig war, das Kapitän Christian Schulz mal wieder bei einem defensiv gut geführten Spiel von 96 nicht mitwirkte. Hoffentlich stellt Trainer Schaaf seine Defensive ihm zu Gunsten nicht wieder um. Wir wollen ja auf die gute Leistung von letzter Woche aufbauen. Zum anderen vertrete ich die Meinung, dass der Schaaf-Effekt durchaus noch kommen wird.

Hätte, wenn und aber

Die Mannschaft muss nach dem „Lang nach vorne“-Geholze von Michael Frontzeck erst einmal die Vorstellungen ihres neuen Coaches verinnerlichen. Von Frontzeck trennte man sich einfach zu spät. Hätte Thomas Schaaf vier Spieltage vor der Winterpause übernommen, dann hätte er der Mannschaft früher seinen Stil eintrichtern können und er hätte die Chance gehabt zu sehen, auf welche Spieler er in der Rückrunde setzen will. Hätte, wenn und aber: Schaaf ist jetzt lang genug im Amt, um den ersten Sieg einzufahren. Hannover verlor die letzten sieben Spiele allesamt, doch nach sechs Wochen im Amt sollten seine Kicker jetzt endlich seinen Fußball umsetzen können.

Rückkehr von Kiyotake

Einen Haken hat die Sache mit der Schaaf-Idee vom Fußball: Gegen Augsburg holte Schaaf noch nie einen Sieg. Seine Bilanz mit Werder Bremen und Eintracht Frankfurt weist jeweils drei Unentschieden und Niederlagen auf. Eben deshalb wäre sein erster Sieg über Augsburg und für Hannover 96 so wichtig. Die Chancen auf ein paar kreativer vorgetragene Angriffe stehen dank der Rückkehr von Hiroshi Kiyotake jedenfalls wieder besser. Zudem kann man als 96-Fan hoffen, dass den Augsburgern noch die Europa League-Partie gegen Jürgen Klopps FC Liverpool vom Donnerstag in den Knochen stecken könnte. So könnte es dann auch was mit einem Sieg werden – auf dem neu verlegten Rasen der HDI-Arena. Also bin ich heute zum letzten Mal zweckoptimistisch und tippe auf einen 2:1-Heimsieg. Zeigt, dass Ihr Euch noch nicht abgeschrieben habt!

Sonntag, 21. Februar 2016, 17.30 Uhr:
Hannover 96 – FC Augsburg

(Foto: Pressefoto/Hannover 96)

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Kategorien: Sports

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