Susanne Viktoria Haupt
15. Februar 2016

Durchkreuzte Pläne

Seitenansicht: „Mademoiselle Marie hat von der Liebe genug“ von Gilles Legardinier

Die Protagonistin hat voreilige Pläne gemacht: „Mademoiselle Marie hat von der Liebe genug“ von Gilles Legardinier, Buchcover

Marie befindet sich gerade an einem Punkt in ihrem Leben, an dem einfach alles auseinanderzubrechen scheint. Nach über zehn Jahren Beziehung hat sie ihr Freund unliebsam aus seinem Leben entfernt. Schon länger hegte sie den Verdacht, dass er eine andere hat. Als sich dieser Verdacht bestätigt, lösen sich alle gemeinsamen Zukunftspläne in Wohlgefallen auf. Und nicht nur das. Die Neue steht schon direkt in den Startlöchern, und Marie muss so schnell wie möglich die gemeinsame Wohnung verlassen. Die Trauer und Wut sitzt zweifellos tief. Auch bei der Arbeit fällt sie in Ungnade. Als Personalerin soll sie den Mitarbeitern knallharte Vertragsänderungen vermitteln. Marie, die durch das Beziehungsende ohnehin auf Krawall gebürstet ist, lässt sich von ihrem Chef nicht kleinkriegen und stellt sich mit einer kämpferischer Rede hinter die Belegschaft. Für sie steht fest: Kein Mann wird ihr je wieder so zusetzen. Die Liebe ist für sie ab sofort Geschichte und Freundlichkeit bekommen auch nur noch die wenigsten zu spüren. Rückendeckung bekommt sie immerhin von ihrer besten Freundin. Als Marie dann eine neue Wohnung bezieht, bekommt sie auf einmal einen anonymen Liebesbrief. Eigentlich hat sie da gar keine Lust drauf. Weder auf eine neue Liebschaft, noch auf ein Versteckspiel. Aber entgegen allen neuen Vorsätzen beschäftigt sie der Brief weitaus mehr, als sie zunächst denkt, und Marie lässt sich auf das Spielchen ein…

Gilles Legardinier ist kein Anfänger, wenn es um frische und humorvolle Liebesromane geht. Mit seinen Romanen „Julie weiß, wo die Liebe wohnt“ und „Monsieur Blake und der Zauber der Liebe“ hat er sich auch in Deutschland eine große und feste Fan-Gemeinde erarbeitet. Mit seiner Protagonistin Marie kann man hervorragend mitfiebern und wütend sein. Ihr Ausgangspunkt ist gar nicht so ungewöhnlich, aber auch sehr schmerzvoll. Ihre Empfindungen sind real und greifbar. Wer würde nicht ein wenig durchknallen, wenn man nach zehn Jahren einfach ausgetauscht wird? Vor allem die Männer kommen in Legardiniers neuem Roman schlecht weg. Sei es der Ex-Freund von Marie, der von Seite zu Seite unsympathischer wird, oder ihr Chef, für den sie das kleine Mäuschen ist. Ein Handlanger, für die unbequemen Dinge. Zu Recht schwört Marie daher der Männerwelt vorerst ab. Aber so sehr sich mancher Mensch – unabhängig von allen menschlichen Bedürfnissen – auch gerne in einer Wolke der absoluten Autarkie hüllen möchte, so schwierig ist das. Und natürlich wird auch Maries Plan durchkreuzt. Und das ist gut und macht Hoffnung an den richtigen Stellen, damit die Leserinnen und Leser mit Freude am Ball bleiben. Und auch, wenn Maries Plan durch die Briefe ins Wanken gerät, büßt sie wenig von ihrer liebenswerten und chaotischen Art ein. Ein sanfter Liebesroman mit einer breiten Palette an Emotionen.

Gilles Legardinier: „Mademoiselle Marie hat von der Liebe genug“, Roman, 448 Seiten, Goldmann Verlag, ISBN-13: 978-3442483686, 8,99 Euro

„Seitenansicht“ erscheint in Kooperation mit der Buchhandlung Decius.

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Kategorien: Literatur

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