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CS19 Fußballgott!

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg

Der Käptn zog den Karren aus dem Dreck: Christian Schulz traf gegen den VfB Stuttgart doppelt

Das Wörtchen „endlich“ wird im Fußball viel zu inflationär benutzt. Phrasen wie „endlich zeigt der Schiri ihm die Gelbe“, „endlich ist der Knoten bei uns geplatzt“ oder „endlich haben die Roten mal wieder gewonnen“ gehören ins Fußball-Vokabular wie „Schatz“ zu „Schneider“. Im Rahmen meiner Bachelorarbeit handelte ich die Rückkehr der aktiven Fan-Szene zum Support der Profi-Mannschaft von Hannover 96 in der vergangenen Saison ab. Dabei las ich in einer Zeitung mit vier Lettern so häufig das Wort „endlich“ im fußballerischen Kontext, dass es mich anfing zu langweilen. Nur zwei Wochen später sitze ich vor einer Kolumne und komme selbst nicht um den Begriff herum. Denn endlich hat Thomas Schaaf zum ersten Mal mit Hannover 96 ein Spiel gewinnen und gleichzeitig eine fürchterliche Niederlagenserie von acht Spielen in Folge stoppen können. 96 hat wichtige Punkte im Abstiegskampf gesammelt, und da auch die Konkurrenz Federn lassen musste, sieht die Welt nicht mehr ganz so düster aus. Ob die Roten aber auch endlich aus ihrer Lethargie erwachen und nun eine kleine Serie starten können, wird schon der kommende Abend zeigen. Und wie sagte Hugo Almeida doch gleich so schön: „Ich will, dass diese Scheiße endlich aufhört“. Ein Anfang wäre gemacht…

Wer zum Teufel ist CS19?

Für alle, die mit den Hieroglyphen aus der Headline nichts anfangen können, kommt hier die Auflösung. Einen gewissen Cristiano Ronaldo kennt man seit Jahren auch unter der Bezeichnung „CR7“, zusammengesetzt aus seinen Initialen und seiner Trikot-Nummer. Unter diesem um eine Zahl erweiterten Akronym verscherbelt der gute CR7 sogar Unterwäsche. Ganz soweit ist es bei der HW4 vom HSV aus Hamburg zwar noch nicht, dennoch verpassten die dortigen Medien Heiko Westermann dieses Kürzel. Ironisch forderte man gar den Ballon d’Or für HW4, der fieserweise oftmals den Kopf hinhalten musste, wenn Hamburg mal wieder irgendwelchen Mist fabriziert hatte. Mit CS19 sei nun unser Kapitän Christian Schulz gewürdigt, der letzte Woche in Stuttgart mit einem Doppelpack das Spiel zugunsten der Roten entschied. Ich werde wohl kein großer Fan mehr von Schulz, doch diesmal hat er den Karren aus dem Dreck gezogen. Zwar ist er bei weitem noch nicht auf dem Stand eines LS10 (Lars Stindl) doch in Anlehnung an HW4 darf man sicher behaupten: CS19 Fußballgott!

Fossum verheißungsvoll

Wenn ich versuche, das Spiel in Stuttgart leistungstechnisch einzuordnen, dann habe ich zwar einige vielversprechende Ansätze in der ersten Hälfte gesehen, einige gute Vorstöße und Abschlüsse, doch mit fortschreitender Spieldauer kam nicht mehr viel. Trotzdem sah ich eine neu formierte, blutjunge Truppe, die sich reingehauen hat. Trainer Thomas Schaaf rotierte auf sechs Positionen und spielte ohne echten Stürmer. Lust auf mehr machte vor allem die Leistung von Winter-Neuzugang Iver Fossum. Dem 19-jährigen Norweger gelang zwar noch nicht alles, er hinterließ aber nicht nur durch seinen sehenswerten Distanzschuss aus der Anfangsphase einen guten Eindruck, er wirkte auch ballsicher und kreativ. Das Spiel sowie die Aufstellung in Stuttgart machen mich jedenfalls wieder neugierig auf das kommende Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg.

Heimschwach trifft auswärtsschwach

Mit den Wölfen trifft Hannover 96 auf das auswärtsschwächste Team der Liga. Dumm nur, dass die Roten selbst das heimschwächste Bundesliga-Team sind. Wolfsburg krebst den eigenen Erwartungen auf Platz acht der Tabelle hinterher und will im Nord-Derby einen Sieg einfahren. Doch Hannover konnte sich auch schon im letzten Jahr in aussichtsloser Situation in Wolfsburg ein 2:2 erkämpfen. Es wäre also nichts Neues, würde 96 dem VfL die Punkte stehlen, wenn es um die Existenz des Klubs im deutschen Oberhaus geht. Doch so richtig traue ich dem Ergebnis aus Stuttgart noch nicht über den Weg. Zwar schlug Hannover die bis dato beste Mannschaft der Rückrunde, dennoch handelte es sich dabei ja um einen Verein, der sich selbst gerade erst mit einem Run aus dem Abstiegs-Morast gekämpft hat. Dass einer solchen Truppe auch mal wieder eine Niederlage blühen würde, erklärt das Gesetz der Serie – und Hannover könnte einfach mal zur richtigen Zeit am richtigen Ort gespielt haben. Daher bleibe ich heute Pessimist und tippe auf eine 1:2-Niederlage gegen den Wolfsburg. Denn immerhin auf eine Serie war häufig Verlass: Der Abseits-Autor tippt stets daneben – und das muss sich ja nicht endlich ändern.

Dienstag, 1. März 2016, 20 Uhr:
Hannover 96 – VfL Wolfsburg

(Foto: Northside/Wikipedia, Copyright: CC BY-SA 3.0 [1])

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