Henning Chadde
29. Februar 2016

Mitten aus dem amerikanischen Süden der Schweiz…

Das Verhör: „Are We There Yet?“ von The Animen

Garage-Soul-Beat mit ordentlich Sixties- und Country-Kante: The Animen „Are We There Yet?“, Album-Cover

Das rumpelt im positivsten Sinne in der Kiste, knarzt und kratzt, grooved, geht durchaus eingängig ins Tanzbein, ohne eine ordentliche Portion Vintage- und Garage-Räudigkeit vermissen zu lassen und atmet ganz locker und unverkrampft jede Menge Sixties- und Soul-Appeal. Kurz: The Animen würde man mit ihrem just über das Berliner Label Noisolution erschienenen, zweiten Werk „Are We There Yet“ ganz bestimmt nicht in einem Vorort von Genf und somit mittenmang in der Schweiz verorten. Vielmehr könnte man eher annehmen, dass sie einem hitzigen Kaff im Süden der USA entsprungen sind. Oder eben einem abgelegenen Zipfel (Süd-)Schwedens, denn auch im (mittel-)hohen Norden schießen derzeit beachtlich viele Bands mit dem gewissen Sixties- und Seventies-Retro-Psychedelic-Extra kreuz und quer aus dem Kreativ-Boden. Allerdings wissen sich The Animen rund um den Sänger und Gitarristen Théo Wysery charmant von ihren nordischen, zumeist doch eher garage-stümischen Side-Bodies abzusetzen. Atmen ihre Songs doch eine punktgenaue Zurückgenommenheit und Reduziertheit, die sie sehr entspannt in die Wertung kommen lässt. Obendrein ist ihr Sound nicht selten mit flirrendem Orgelwerk, schmucken Country- und Western-Verweisen und jeder Menge weiteren Gimmicks garniert, die „Are We There Yet“ eine beachtliche, beinahe zeitlose Eigenständigkeit verpassen.

Nachzuhören zum Beispiel auf Songs wie dem in Teilen durchaus an die frühen The Jam erinnernden Album-Starter „Mami Wata“, dem mitreißenen Fast-Boogie-Stomper „On The House“, dem Hall-Gitarren- und Mundharmonika-Mini-Epos „Salt Doll“ und dem folgenden verhuscht dopelbödigen, wie hintergründigem Orgel-Gitarren-Crooner „Tell The Kid“. Und, natürlich, auf der abschließenden, wehmütig trunkenen Country-Rausschmeißer-Ballade „Staggo Me“. Da heult die Prärie und knarzt die Saloon-Tür. Na also, die Schweizer können eben doch nicht nur Käse, tendenziell bürgerlich-rechts abbiegen, Toblerone und Berge. Sie können auch anders. Feinsten Sixties-Garage-Country-Soul-Beat zum Beispiel. Chapeau Jungs!

The Animen: „Are We There Yet?“, CD, 11 Songs, 39 min., Noisolution

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Kategorien: Musik

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