Marcel Seniw
5. März 2016

Letzte Ausfahrt

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Auswärtsspiel bei Werder Bremen

Ein malerische Arena, in der Hannover 96 letzte Lebenszeichen senden könnte: das Bremer Weserstadion

Ganze 20 Minuten sah es in der letzten Woche danach aus, als könnte Hannover 96 mit dem VFL Wolfsburg mithalten. Das Offensivspiel sah bis zu diesem Zeitpunkt nicht schlecht aus, doch spätestens ab der 30. Minute hatten die Roten den Wölfen nichts mehr entgegenzusetzen. Und wenn sich Hannover schon eine 0:4-Reibe abholt, warum dann nicht auch noch einen André Schürrle aufbauen? Der Ü30-Millionen-Einkauf der Wölfe blieb bislang in der Auto-Stadt weit unter den ihm zugetrauten Möglichkeiten, doch gegen 96 hat er sich definitiv aus der Krise geballert.

„Pyrotechnik ist kein Verbrechen“

Nach dem Spiel ist auch die Diskussion über Pyrotechnik wieder entbrannt. Seit das Thema 2011 hochkochte, waren in fast jeder Fankurve Spruchbänder mit den Worten „Pyrotechnik ist kein Verbrechen“ zu sehen. Dabei handelte es sich um den Versuch von Ultra-Gruppierungen, Pyrotechnik in deutschen Stadien zu legalisieren. Es wurde eine große Kampagne unter dem Namen „Pyrotechnik legalisieren – Emotionen respektieren“ gefahren und Vertreter der Ultras setzten sich mit dem Granden der DFL und des DFB zusammen. Heraus kam zwar nichts, da sich nach anfänglich guten Gesprächen auf einmal DFL und DFB zurückzogen. Danach wurde leider vermehrt gezündelt in deutschen Stadien. Doch Szenen wie die am Dienstag zählten zur krassen Ausnahme. Als aus dem Wolfsburg-Block Leuchtspur-Munition flog, traf diese voll in Richtung Trainerbank – offensichtlich mit Absicht. Solche Szenen haben nichts mit Emotionen zu tun. Bengalische Feuer können wohl schön aussehen, aber Menschen zu verletzen ist sehr wohl ein Verbrechen.

Sechs-Punkte-Spiel

Zurück zum Fußball: Morgen steht das nächste Derby an. Der Gegner wird Werder Bremen sein, ein vermeintlicher Konkurrent, der bereits sieben Zähler entfernt auf dem 15. Tabellenrang liegt. Ein Sieg muss daher für 96 Pflicht sein, denn er wäre quasi so etwas wie die letzte Ausfahrt vor noch so manchen letzten Ausfahrten, wenn diese erste denn genommen wird. Auf jeden Fall muss Hannover 96 langsam eine Serie starten. Statistisch sieht es aber eher schlecht aus. Zwar konnte Bremen keines seiner letzten neun Heimspiele für sich entscheiden, doch jetzt kommt ja Hannover. Und 96 konnte keines der letzten 12 Spiele in Bremen gewinnen. Der letzte Sieg an der Weser wurde dank zweier Tore von Fredi Bobic im Jahre 2003 eingefahren. Der einzige Lichtblick ist, dass die Roten immerhin die letzten drei Spiele gegen Bremen nicht verloren haben.

Der Altmeister knipst wieder

Woran sollen sich 96-Fans noch aufrichten? Die Lage ist nicht mehr brenzlig, die Lage ist bedrohlich. Es zählen nur noch Siege, aber dieser Mannschaft traut man eigentlich keine zu. Der Abstieg scheint unvermeidbar. Und jetzt steht ein so immens wichtiges Spiel an. Siegt Bremen, dann wäre das Erreichen des Relegationsplatzes 16 wohl das letzte noch möglich Maximum. Werder könnte auf zehn Punkte davonziehen. Unter der Woche bezwangen die Mannen von Trainer Viktor Skripnik immerhin zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit Bayer 04 Leverkusen – und das sehr deutlich mit 4:1. Altmeister Claudio Pizarro bastelte im Alter von 37 Jahren mit einem Hatrick weiter an seiner Legende. Der beste ausländische Torschütze der Bundesliga wird wohl auch morgen gegen Hannover auf Torejagd gehen. Seine derzeitige Bilanz: Neun Tore aus acht Spielen. Mein Tipp: Bremen und Pizarro hauen Hannover mit 2:0 aus dem Stadion und 96 damit wieder ein Stückchen weiter in Richtung Liga 2.

Samstag, 5. März 2016, 15.30 Uhr:
Werder Bremen – Hannover 96

(Foto: Matthias Süßen/Wikipedia, Copyright: CC BY-SA 3.0)

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Kategorien: Sports

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