Marcel Seniw
8. April 2016

Stendel beerbt Schaaf

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Heute: das Auswärtsspiel bei Hertha BSC Berlin

Mit Hannovers A-Junioren höchst erfolgreich, auch mit der 96-Bundesligatruppe? Hannovers neuer Chefcoach Daniel Stendel

Irgendwie war das Ganze ja absehbar. Thomas Schaaf „durfte“ sechs Spieltage vor dem wohl unvermeidlichen Abstieg seinen Posten als Cheftrainer von Hannover 96 räumen. Wer ihn nach Spielende am vergangenen Samstag im Interview gesehen hat, der hörte Resignation in den Worten Schaafs. Was die Spatzen vom Dach pfiffen, wurde also wahr: Hannover 96 zieht die Reißleine und setzt Schaaf vor die Tür – aber warum?

Stendel übernimmt

Letzte Woche hatte ich dieses Szenario schon einmal durchgespielt. Schaaf verlässt 96, A-Junioren-Coach Daniel Stendel übernimmt die Bundesligamannschaft und bringt ein paar talentierte Jungs mit „nach oben“. Eine Woche später ist genau dieser Fall eingetreten. Stendel ist jetzt Trainer von Hannover 96 und kann eigentlich rein gar nichts mehr falsch machen. Niederlagen hagelte es auch schon unter seinen beiden Vorgängern, also wird man ihm weitere nachsehen können, handelt es sich doch immerhin um einen gestandenen Vereinsakteur. Doch eine Sache versteht der Fußballfan in mir dann doch nicht so ganz: Stendel wurde hochgezogen, obwohl er noch ein DFB-Pokalfinale mit seinen Jungs vor der Brust hat. Und nun nimmt man der jungen, erfolgshungrigen Mannschaft also den Trainer, welchen man dann jedoch nicht unbedingt als Trainer für die kommende Zweitliga-Saison einzustellen gedenkt? So eine Geschichte kann auch nur wieder von Hannover 96 kommen. Wenn man nicht mit Stendel als Trainer für die neue Saison plant, denn hätte man den A-Junioren auch nicht den Erfolgstrainer wegnehmen müssen. Es hätte sich schon ein anderer aus dem Verein finden lassen, zur Not eben vielleicht einfach Jörg Sievers.

Vielleicht überrascht er ja

Gänzlich vom Tisch ist der Gedanke mit Stendel als Zweitliga-Trainer aber ja noch nicht. Eventuell soll durch dieses Manöver vielleicht ja das mediale Interesse am Chefcoach kleingehalten werden, damit dieser sich erst einmal „in Ruhe“ seine ersten Sporen verdienen kann. Vielleicht überrascht er ja, auch mit dem einen oder anderen seiner Talente, und vielleicht holt Stendel ja zum Beispiel noch drei Siege. Für den Klassenerhalt dürfte das zwar nicht mehr reichen und daher in der Endabrechnung so viel Wert sein wie ein Schnorchel beim Skifahren, aber für eine weitere Anstellung des Trainers, die wohl auch die Fans begrüßen würden, wären das gute Argumente. Stendel hätte immerhin aus einem Sauhaufen eine Mannschaft geformt, die sich erhobenen Hauptes aus der Liga verabschiedet.

Hertha ist immer noch auf Champions League-Kurs

Etwas kurz kommt heute aufgrund der Umstände der kommende Gegner Hertha BSC Berlin. Die Herthaner verloren zwar zuletzt mit 0:5 gegen Mönchengladbach, doch sind sie immer noch auf Champions-League-Kurs. Daher sind drei Punkte gegen den Tabellenletzten aus Hannover für die Berliner Pflicht. Ganz nebenbei könnte die Hertha auch noch eine Serie enden lassen: Die letzten drei Heimspiele gegen Hannover gingen jeweils zu Null verloren. Doch das waren noch andere Zeiten.

Freitag, 8. April 2016, 20.30 Uhr:
Hertha BSC Berlin – Hannover 96

(Foto: Pressefoto/Hannover 96)

Wenn Dir dieser Text gefällt, teile den Artikel auf Facebook,
hinterlasse einen Kommentar oder abonniere unseren RSS-Feed!

Artikel drucken

Kategorien: Sports

Kommentiere diesen Artikel