Susanne Viktoria Haupt
18. April 2016

Überraschung ab der zweiten Hälfte

Seitenansicht: „Muchachas: Tanz in den Tag“ von Katherine Pancol

In Frankreich längst ein Bestseller: „Muchachas: Tanz in den Tag“ von Katherine Pancol, Buchcover

Die Geschichte beginnt mit der jungen Hortense. Keine 23 Jahre ist sie alt, lebt in New York und fasst bald Fuß in der Welt der Mode-Designer. Ihre Mode ist ihre Kunst. Zusammen ist sie mit dem Musiker Gary, der mit seinem gleichgültigen Gemüt nur schwer mit Hortenses Dramen umgehen kann. Zumal Hortense sich auch gar nicht mehr als jung erachtet, sondern schon den nahenden körperlichen Verfall fürchtet. Auch ihre Karriere ist ihren Erwartungen noch nicht gerecht geworden. Aufgeben kommt für sie aber nicht in Frage. Genauso wenig wie für die anderen Frauen in Katherine Pancols Roman „Muchacha: Tanz in den Tag“.

Unterschiedlicher könnten die Protagonistinnen des Buches gar nicht sein. Neben der überheblichen und karriereorientierten Hortense steht die introvertierte Violinistin Calypso. Und dann gibt es noch Josephine, die sich zwar in den weichen Wolken der großen Liebe wiegt, allerdings dennoch kaum Selbstvertrauen besitzt, und Stella mit ihrer Mutter Leonie, die das schwerste Los von allen gezogen haben. Ohne Berührungsängste berichtet Autorin Pancol hier von schweren Misshandlungen durch den Stiefvater Ray und den Auswirkungen.

Katherine Pancol, geboren 1954 in Marokko, ist keine Unbekannte mehr. Seit den 1990er-Jahren schreibt sie eifrig Romane und bewegt vor allem das französische Lese-Publikum mit ihrem Stil und den unterschiedlichen Charakteren. Internationalen Erfolg feierte sie jedoch auch schon und ihre Romane wurden und werden in zahlreiche Sprachen übersetzt und halten sich auf Bestseller-Listen. „Muchachas: Tanz in den Tag“ ist der erste Band einer Trilogie und erzählt mit einem sehr verschachtelten Spannungsbogen die Geschichten von ganz verschiedenen Persönlichkeiten, die dennoch miteinander verbunden sind. Während man sich in der ersten Hälfte mit Pancols Stil noch etwas schwer tut, und vor allem an den zu langen Kapiteln und der dann doch chaotischen Story-Führung verzweifelt, schafft es die Autorin in der zweiten Hälfte vor allem mit der sehr ernsten Geschichte rund um Stella und ihrer Mutter Leonie zu überraschen.

Gesondert lässt sich der erste Teil jedoch nicht lesen. Hortense, Josephine und Calypso müssen mit ihren Bedürfnissen der Geschichte rund um Stella weichen, und auf ihre Auftritte im zweiten und dritten Band warten. Clever gemacht, denn die Leser möchten – obgleich sie das nach den ersten Seiten nicht erwartet haben – unbedingt weiterlesen. Man mag sich also weder von den ersten Kapiteln noch vom floralen Cover oder dem allzu leichtfüßigen Titel beirren oder auf die falsche Fährte führen lassen. In Frankreich ist die „Muchacha-Reihe“ schon ein Bestseller und hat Kult-Status. Ob ihr dies in Deutschland auch gelingt, bleibt dahingestellt. Lesenswert ist Pancols Roman allemal.

Katherine Pancol: „Muchachas: Tanz in den Tag“, Roman, 352 Seiten, carl’s books, ISBN-13: 978-3570585566, 14,99 Euro

„Seitenansicht“ erscheint in Kooperation mit der Buchhandlung Decius.

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Kategorien: Literatur

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