Marcel Seniw
22. April 2016

Der Neuanfang steht bevor

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Auswärtsspiel beim FC Ingolstadt

Noah-Joel Sarenren Bazee

Mit über 34 km/h fast so schnell wie Dortmunds Sturm-Rakete Pierre-Emerick Aubameyang: Noah-Joel Sarenren-Bazee

Es war die 49. Spielminute. Der 19-jährige Noah-Joel Sarenren-Bazee macht zwei Gladbacher Borussen auf dem rechten Flügel nass, geht zur Grundlinie, legt den Ball zurück auf den ebenfalls 19-jährigen Waldemar Anton und der knallt die Kugel in die Maschen. Es war nicht nur ein Tor, sondern vielmehr ein Versprechen auf bessere Zeiten. Nicht einer der Neuzugänge, welche den Verein im Winter sofort verstärken sollten, sondern zwei Nachwuchsspieler brachten Hannover 96 am vergangenen Freitag auf die Siegerstraße gegen den Champions-League-Aspiranten aus Mönchengladbach. Artur Sobiech rundete das Bild dann mit dem zweiten Treffer ab. Keine Legionäre der Marke Hugo Almeida, sondern Jungs, die Schwarz-Weiß-Grün im Herzen tragen, sorgen momentan für den Umschwung bei Hannover 96. Die „positiven Schlagzeilen“, die sich der Verein für die letzten Spieltage wünschte, tragen ganz klar den Namen Daniel Stendel. Also warum auf die Suche nach einem neuen Trainer begeben, der Hannover 96 vielleicht nur als Sprungbrett nach ganz oben ansieht? Namen wurden viele in den Raum geworfen, zuletzt Kosta Runjaic, ehemaliger Coach vom 1. FC Kaiserslautern, doch spätestens nach dem Sieg über Mönchengladbach wird die „Personalie Stendel“ als ernsthafte Option betrachtet. Stendel selbst traut sich die Zweite Liga zu, verweist aber immer wieder darauf, dass er bei der Entscheidungsfindung keine Rolle spielt. Wenn er sich mit seinen guten Ergebnissen da mal nicht täuscht.

Positiver Abstieg?

Ziemlich oft habe ich in den vergangenen Jahren von Hamburg-Fans gehört, dass ein Abstieg dem Elb-HSV vielleicht sogar helfen könnte, um endlich mal wieder durch einen „Neuanfang“ Stabilität in den Verein zu bekommen. Die jüngere Vergangenheit zeigt, dass diese These durchaus zutreffen kann, wenn der betroffene Verein einen gewissen finanziellen Background vorweisen kann. Betrachten wir die beiden letzten Gegner von Hannover 96, dann sehen wir zwei positive Beispiele für einen gelungenen Ab- und Wiederaufstieg. Sowohl Berlin als auch Mönchengladbach haben sich nach ihrem Wiederaufstieg schnell wieder in die oberen Gefilde der Tabelle spielen können. Nun muss man die Hertha da ein wenig gesondert betrachten, da sie bis zur Übernahme von Pal Dardai – übrigens in Berlin eine Vereinslegende wie Daniel Stendel in Hannover – noch um den Klassenerhalt kämpfen musste. In Mönchengladbach hingegen setzte man seit dem Abstieg 2007 vermehrt auf die Jugendarbeit, was sich auszeichnen sollte, wenn man das Beispiel Marco Reus heranzieht, der seine ersten Schritte in der Bundesliga bei den Borussen machte. Heute steht Mönchengladbach für attraktiven und durchaus erfolgreichen Fußball. Also hoffen wir mal, dass sich Hannover 96 davon eine Scheibe abschneiden kann. Ins Nachwuchszentrum hat 96 ja schon mal investiert.

Ingolstadt kann für die nächste Saison planen

Aufgrund der aktuellen Umstände kommt der Gegner des morgigen Spieltages mal wieder ein wenig zu kurz im heutigen Abseits. Die Spannung auf die jeweiligen Spiele ist angesichts des fast feststehenden Abstieges der Roten einfach verflogen. Und da die Zukunft des Vereins dank Daniel Stendel und seiner Arbeit wieder etwas rosiger sein könnte, ist das Drumherum bei 96 zurzeit einfach interessanter. Aber nichtsdestotrotz sollen der FC Ingolstadt und seine grandiose Saison nicht verschwiegen bleiben. Die „Schanzer“ stehen in der oberen Tabellenhälfte auf Platz neun und werden bei acht Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz mit dem Abstieg wohl nichts mehr am Hut haben. Mit einem Sieg über Hannover hätte der Bundesliga-Neuling sein Saisonziel Klassenerhalt auch rechnerisch erreicht und kann bereits für die neue Saison planen. Eine starke Leistung des Underdogs. Doch ausgerechnet von Hannover 96 bekamen die Ingolstädter in diesem Jahr schon einmal so richtig auf den Helm. Mit vier Gegentoren und Null Punkten musste die Mannschaft von Ralph Hasenhüttl nach dem Hinspiel die Heimreise antreten. Da dder FCI seine Punkte aber vor allem auf dem heimischen Rasen eingefahren hat und die Mannschaft auf eine Revanche für die höchste Bundesliga-Niederlage ihrer noch jungen Historie brennen dürfte, kann man sich morgen bestimmt auf eine packende Partie gefasst machen. Ingolstadt will den Klassenerhalt vor heimischer Kulisse feiern, Hannover 96 den guten Lauf zum Abschied aus der Bundesliga ausbauen. Mal schauen, was sich draus entwickelt. Mein Tipp: Hannover siegt auswärts im Audi-Sportpark mit 2:1.

Samstag, 23. April 2016, 15.30 Uhr:
FC Ingolstadt – Hannover 96

(Foto: Pressefoto/Hannover 96)

Wenn Dir dieser Text gefällt, teile den Artikel auf Facebook,
hinterlasse einen Kommentar oder abonniere unseren RSS-Feed!

Artikel drucken

Kategorien: Sports

Kommentiere diesen Artikel