Susanne Viktoria Haupt
25. April 2016

Let’s have a Book-Party!

Seitenansichten Spezial: der Welttag des Buches – und wie wir Bücher heute (auch) feiern

Damit lassen sich Bücher besonders gut transportieren: ein „I Love Books“-Jutebeutel samt Buttons

Vergangenen Samstag, am 23. April, wurde der jährliche Welttag des Buches gefeiert. Dieser Tag geht auf die alte katalanische Tradition des Georgstages zurück, an dem man Rosen und Bücher verschenkte. Ebenfalls werden diesem Tag die Todesdaten von William Shakespeare, Miguel de Cervantes, Josep Pla und Halldór Laxness zugeschrieben. In London wurde dieser Tag dieses Jahr ganz besonders gefeiert, da es zeitgleich auch der 400. Todestag Shakespeares war. Mit einem Aufgebot an internationalen Stars, darunter Judy Dench, Maggie Smith, David Tennant, Catherine Tate und Benedict Cumberbatch, wurden in der Royal Shakespeare Company Szenen aus Shakespeares berühmtesten Stücken aufgeführt und live auf BBC Two übertragen. Auch hierzulande werden in Buchhandlungen am Welttag des Buches Bücher oder Rosen verschenkt. Eine schöne Art, um dieses Datum gebührend zu ehren.

Das Haptische gewinnt

Eines ist auch im digitalen Zeitalter klargeworden: Das Buch lässt sich nicht verdrängen. Zwar wurde nach der Entwicklung des elektronischen Replikats, allgemein bekannt als E-Book, dem dann doch eher altmodischen Papier-Buch der Niedergang vorhergesagt, aber die Zahlen der E-Book-Verkäufe sind inzwischen eher wieder rückläufig. So leicht wie die alte Musikkassette, die von der CD und den Mp3-Dateien in die Knie gezwungen wurde, macht es das Buch seinem elektronischen Widersacher nicht. Auch, wenn E-Books durchaus einigen Autoren das Publizieren erleichtern und sich mancher für leidige Lektüren lieber für die Datei-Version als für das Papier entscheidet – das Haptische spielt eben doch eine Rolle.

Jeder liest jeden Tag

Lesen gehört zu den Eckpfeilern jeder Gesellschaft. Wer nicht lesen kann oder es aber nie lernen konnte, wird Zeit seines Lebens vor vielen verschlossenen Türen stehen. Lesen ist in vielen Teilen der Welt eine Grundvoraussetzung, um es überhaupt durch die ersten Jahre der Schulzeit zu schaffen. Je weiter man in seiner Schullaufbahn voranschreitet, desto unabdingbarer wird diese Tätigkeit. Lesen ist einer der Hauptwege, um sich Wissen anzueignen. Zwar hat sich durch das Internet und vor allem durch die Social Media-Plattformen das Leseverhalten verändert – das Querlesen erhält dadurch mehr Zulauf -, aber dennoch liest nahezu Jede und Jeder jeden Tag.

Ein Muss für jeden Potter-Head: ein Harry Potter-Lesezeichen

Merchandise für die Bibliophilen

Gelesen wird also immer noch und der Zugang zu Büchern ist mittlerweile niederschwelliger als früher. Gerade junge Menschen haben den Weg zum Buch durch Netzwerke wie Instagram, auf denen sich zahlreiche Accounts von Menschen tummeln, die jeden Tag Fotos von ihren neuen literarischen Errungenschaften posten, noch direkter gefunden. Dort bündeln sich Millionen von Bibliophilen, vereinigen sich, um sich über Bücher auszutauschen, ihre Leselisten preiszugeben und sich gleichermaßen mit den neuesten Trends im Bereich des literarischen Merchandise zu versorgen. Vor allem buchbezogene Lesezeichen wie beispielsweise die handgefertigten Schätze des spanischen Teams von Boookmarky oder aber literarische Duftkerzen des amerikanischen Herstellers Frostbeard Studio erlangten durch Instagram eine hohe Reichweite und damit eine große Fan-Gemeinde. Es ist also schon lange nicht mehr so, dass Lesen eine einsame Tätigkeit sein muss, sondern durchaus seine Wege durch die sozialen Netzwerke bis hin zum fan-tastischen Hype gefunden hat.

Mitbringsel von den schönsten Buchhandlungen der Welt

Auch Buchhandlungen haben diesen Trend zum literarischen Fan-Dasein immer stärker für sich entdeckt und haben nicht nur diverses Merchandise in ihr Repertoire aufgenommen, sondern produzieren sogar eigenes. Allen voran natürlich die legendäre Pariser Buchhandlung Shakespeare and Company, die ihre Jutebeutel, Postkarten und temporären Tattoos sogar über ihren Online-Shop vertreibt, oder aber auch die New Yorker Buchhandlung Strand können mit eigenen Erzeugnissen bei ihren Fans punkten. Darunter sogar Wollmützen mit dem Strand-Logo. Es geht also wirklich eingefleischten Literatur-Fans nicht mehr nur darum, was sie lesen, sondern auch darum, wo sie ihre Bücher kaufen. Oder aber in welcher schönen Buchhandlung sie einmal waren. Und wer sich lieber mit bestimmten Autoren schmücken möchte, wird sicherlich bei Out of Print fündig. Neben Shakespeare-T-Shirts tummeln sich Edgar Allen Poe-Socken und sogar „Die Glasglocke“-Ketten. Von Kopf bis Fuß auf Literatur eingestellt.

Postkarten, Geschenkboxen und noch einiges mehr: Shakespeare and Company lockt die Besucher mit persönlichen Andenken

Die Kunst der Cover-Gestaltung

Etwas, was in Deutschland allerdings noch nicht wirklich angekommen zu sein scheint, ist die hohe Kunst der Cover-Gestaltung. Schauen wir zu ausländischen Verlagen wie beispielsweise Penguin Books, lassen sich dort Bücher mit den wunderbarsten Aufmachungen finden. Vor einiger Zeit suchte ich nach einer schmuckvollen englischsprachigen Ausgabe von „Alice im Wunderland“ und gab auf, da mir die Entscheidung durch die imposante Auswahl schlicht und ergreifend zu schwierig gemacht wurde. Derart beeindruckende Ausgaben sind es auch, die auf Plattformen wie Instagram jede Menge Likes mit sich bringen.

Das Lesen darf man dennoch nicht vergessen

Diese Entwicklung ist durchaus begrüßenswert. Man mag kritisieren, dass vor allem jungen Lesern durch solcherlei Merchandise das Geld aus der Tasche gezogen wird, allerdings profitiert glücklicherweise auch die gesamte Buch-Branche von diesem Wind. Vor allem ist diese Entwicklung für Buchhandlungen eine gute Möglichkeit, um sich von bekannten Online-Riesen abzuheben. Dennoch dürfen wir neben dem Erwerb von „Le petit Prince“-Schlüpfern und „1984“-Wäscheklammern nicht das eigentliche Lesen vergessen. Denn Lesen ist weitaus mehr als „nur“ eine Möglichkeit, sich Wissen anzueignen, sondern Lesen fördert Kreativität, Phantasie, Empathie und Merkfähigkeit und entspannt mehr als Meditation. Obendrein erweitert es das Vokabular. Lesen ist eine Form des Reisens und dazu – neben dem eigenen Kopfkino – eine der einfachsten Arten der Unterhaltung. Für die Redaktion von langeleine.de darf also – mit all diesen Vorteilen im Hinterkopf – gerne jeder Tag wie der Welttag des Buches gefeiert werden. Hoch die Bücher!

„Seitenansicht“ erscheint in Kooperation mit der Buchhandlung Decius.

Logo Decius

(Fotos: Susanne Viktoria Haupt)

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Kategorien: Literatur

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