Marcel Seniw
30. April 2016

Unser Mann für den Wiederaufstieg

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Heimspiel gegen den FC Schalke 04

Hat sich das Vertrauen verdient: Daniel Stendel bleibt auch in Liga zwei Chefcoach von Hannover 96

Das Unvermeidbare wurde am vergangenen Sonntag Realität: Hannover 96 ist nach 14 Jahren Oberhaus zum insgesamt fünften Mal in seiner Vereinsgeschichte aus der Fußball-Bundesliga abgestiegen. Da Werder Bremen und Eintracht Frankfurt am letzten Spieltag die Punkte unter sich ausmachen, geht auch rechnerisch nichts mehr für 96. Die Trauer um den Abstieg hält sich aber inzwischen in Grenzen, immerhin konnten sich Fans und Verein lang genug auf diesen Moment vorbereiten.

„Die beste Zweite Liga der Welt“

„Die beste Zweite Liga der Welt“ – mit diesem Slogan warb einst das DSF für Zweitliga-Fußball der Spitzenklasse. Ob man diese Auffassung teilt, sei dahingestellt, jedoch fühlte es sich noch vor fünf bis sechs Wochen so an, als würde das Team von Hannover 96 auch in Liga zwei nicht bestehen können. Wie sich die Mannschaft vor der Übernahme von Übergangs-Trainer-Lösung Daniel Stendel präsentierte, machte einem Angst und Bange, und der gemeine Fan sah mit diesem Kader, der ja auch noch tragende Stützen verlieren wird, einfach kein Land in Sicht – auch nicht im Unterhaus der Bundesliga. Nun jedoch sieht die Welt wieder ganz anders aus. Daniel Stendel konnte als Trainer überzeugen und die Verantwortlichen von Hannover 96 haben seine guten Leistungen belohnt: Stendel hat heute einen Vertrag bis 2018 als Chef-Trainer von Hannover 96 bekommen und soll den direkten Wiederaufstieg schaffen.

Endlich eine gute Entscheidung!

Bravo, 96! Diese mutige Entscheidung hätten aufgrund der Ereignisse aus dem letzten Jahr – Michael Frontzeck übernahm für die letzten fünf Spieltage und wurde nach geschafftem Klassenerhalt weiterhin als Chefcoach beschäftigt, was sich als Fehler erwies – vielleicht nicht alle getroffen. Doch für Stendel gelten andere Maßstäbe. Denn der Überzeugungstäter hat Schwarz-Weiß-Grün schon einmal aus der Zweiten Liga ins Oberhaus geballert und war seit 1999 fast durchgängig als Spieler, Assistenztrainer und Nachwuchscoach für 96tätig. Kurz: Der 42-Jährige steht für maximale Identifikation mit dem Verein und den Fans. Eine Eigenschaft, die sich vor allem die aktive Fanszene wünschte, die sich in den sozialen Medien denn auch gegen eine mögliche Wiederanstellung von Mirko Slomka und pro Stendel aussprach. Der neue Chefcoach freue sich jedenfalls über das Vertrauen der Geschäftsführung und betonte, dass Hannover 96 für ihn weitaus mehr darstellt, als nur ein normaler Arbeitgeber. Seine Vorfreude auf die letzten Partien in der Bundesliga und auf die kommende Saison sei riesengroß, so Stendel.

Zieler geht

Auch klar ist, dass Hannover 96 den einen oder anderen Leistungsträger verlieren wird. Der erste, der seinen bevorstehenden Wechsel öffentlich machte, war Ron-Robert Zieler. Es war zu erwarten, dass die Roten ihren Weltmeister bei einem Abstieg nicht würden halten können, immerhin möchte sich Zieler weiter für kommende Aufgaben in der Nationalmannschaft präsentieren – und bei der aktuellen Konkurrenz muss Zieler einfach auf internationaler Ebene sein Können zeigen. Der Brauseklub aus Leipzig scheint die Fühler Richtung Zieler schon ausgestreckt zu haben.

Weitere Spieler dürften folgen

Zudem dürfte Edeltechniker Hiroshi Kiyotake den Verein wohl ebenfalls verlassen. Ein heißer Kandidat auf dessen Dienste ist der VfB Stuttgart, der den Abgang von Daniel Didavi kompensieren will. Außerdem wird über ein Interesse von Besiktas Instanbul an Kenan Karaman spekuliert. Abzuwarten bleibt, wie sich die Situation bei Salif Sané verhält. Für ihn sollen lukrative Angebote aus England vorliegen und bis zu zehn Millionen Euro Ablöse im Raum stehen. Weitere Abgänge könnten folgen.

Krisenstimmung im Pott

Der morgige Gegner aber heißt FC Schalke 04. Die königsblauen Knappen stehen derzeit auf Rang sieben der Tabelle und sogar das Minimalziel Europa ist gefährdet. Kein Wunder also, dass es auf Schalke mal wieder brennt. Manager Horst Heldt wird seinen Posten zur kommenden Saison an Christian Heidel von Mainz 05 abgeben. Prekär: Heidels Mainzer stehen punktgleich in der Tabelle vor den Schalkern. Und wenn es auf Schalke nicht rund läuft, dann wird natürlich auch der Trainer in Frage gestellt. André Breitenreiter, der eine Zeit lang auch in Hannover als möglicher Trainer gehandelt wurde, steht nach nur einer Saison kurz vor dem Aus. Bei einer Niederlage in Hannover könnten seine Tage gezählt sein, auch wenn sich Breitenreiter gewohnt kämpferisch gibt und derzeit noch davon ausgeht, auch in der nächsten Saison an der Seitenlinie von Schalke 04 zu stehen, obwohl angeblich der Augsburger Markus Weinzierl in den Startlöchern steht.

Hannover 96 erlöst Breitenreiter

Neben dem Brennpunkt der Trainerfrage haben die Gelsenkirchener aber immer wieder ein weiteres Schmankerl zu bieten: ihre Unfähigkeit vom Elfmeterpunkt. Letzte Woche verballerte Klaas-Jan Huntelaar seinen siebten Elfmeter in der Bundesliga. Von den letzten sieben Strafstößen verwandelte er gerade einmal zwei, von insgesamt 16 in der Bundesliga traf er nur neun. Breitenreiter attestierte seinem Stürmer eine „Quote wie unser Zeugwart“ und verpasste ihm ein Elferverbot. Es brodelt also auf Schalke. Hannover 96 könnte daher am morgigen Samstag seinem ehemaligen Spieler André Breitenreiter einen Gefallen tun und sein Leid an der Schalker Seitenlinie mit einem Heimsieg beenden. Und das auch ganz ohne Elfmeter. Der neue Chefcoach Daniel Stendel lädt jedenfalls vor ausverkauftem Hause erneut zum Tanz, den seine Jungs mit 2:0 gewinnen werden.

Samstag, 30. April 2016, 15.30 Uhr:
Hannover 96 – FC Schalke 04

(Foto: Pressefoto/Hannover 96)

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Kategorien: Sports

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