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Abschied mit Würde

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das vorerst letzte Bundesligaspiel der Roten beim FC Bayern München

Niemals allein: Im Gegensatz zum VFB Stuttgart verabschiedeten die 96-Fans ihren Verein freundlich aus der Fußball-Bundesliga

Nun ist es also so weit. Der Abstieg von Hannover 96 ist zwar längst besiegelt, aber die Spielzeit hätte ruhig noch einige Spieltage länger dauern dürfen, denn das 96-Team fing plötzlich an, wieder Spaß zu machen. Aus einer selbst in der Zweiten Liga unbrauchbaren Truppe wurde wieder eine Mannschaft mit Biss – das hat imponiert. Auf Konjunktive in Richtung Klassenerhalt gehen wir an dieser Stelle erst gar nicht ein, doch den Riss aus der Lethargie verdanken der Verein und die Stadt dem neuen Cheftrainer Daniel Stendel. Szenen, wie wir sie vergangene Woche durch den Platzsturm der Fans in Stuttgart erleben mussten, hätten auch in Hannover geschehen können. Zwar war die Messe einfach schon viel zu früh gelesen für 96, um die Emotionen so hochschaukeln zu lassen, doch ähnliche Szenen gab es schon immer und wird es auch in Zukunft geben, weshalb kein Verein davor wirklich gefeit ist. Hannover 96 hingegen hat sich in seinem letzten Bundesliga-Heimspiel zusammen mit seinen Fans von der besten Seite präsentiert – und sich auch mit Würde vom verstorbenen Mitspieler Niklas Feierabend verabschiedet.

Bayern ist schon Meister

Habt Ihr es eigentlich alle mitbekommen? Bayern ist Meister. Vier Mal in Folge nun schon. Jubelstürme hat man deswegen nicht erlebt. Es wird halt langsam einfach langweilig. Da spielt Dortmund seine Gegner schwindelig, holt Punkte ohne Ende und es reicht trotzdem nicht. Noch ein fünfter Bayern-Titel in Serie und wir bekommen langsam Verhältnisse wie in der DDR, wo der BFC Dynamo Berlin die Meisterschaft zwischen 1979 bis 1988 zehn Mal in Folge gewinnen konnte. Doch nun scheint alles besser zu werden. Der super, super, super Tiki-Taka-Trainer Pep Guardiola verlässt den FC Bayern nach drei Jahre zum Saisonende. Dadurch könnten die Bayern vielleicht einmal wieder in Bedrängnis kommen, sollte sich dieser brutale Kader erst einmal an den neuen Trainer Carlo Ancelotti gewöhnen müssen. Spannung wäre schön, doch hoffen sollte die Liga nicht unbedingt darauf. Hexenmeister Guardiola wird München trotz dreier Meistertitel ungekrönt verlassen, da mehr als das Champions-League-Halbfinale zum dritten Mal in Folge nicht drin war. Dennoch wird Guardiola in Erinnerung bleiben, weil er Woche für Woche eine neue Rezeptur aus Spielern auf den Rasen zauberte – mal auf ihrer Lieblingsposition, mal woanders, mal gar nicht – und den endlos anmutenden Ballbesitz-Fußball beim FC Bayern auf ein endlos wirkendes Level schraubte.

Roter Teppich für die Roten

Tja, es bleibt dem FC Bayern eigentlich nur noch zu seiner 26. Meisterschaft zu gratulieren und den Blick auf das letzte Saisonspiel zu richten. In der Hinrunde verlor Hannover 96 noch unter Trainer Michael Frontzeck gegen den FC Bayern mit 0:1. Doch das ist Schnee von gestern. Morgen wird 96 versuchen, seine guten Leistungen der letzten Wochen auch in München zu bestätigen und den Bayern die Meisterfeier zu vermiesen. Eben jene Feier jedoch ist für die Münchener schon oft ein Anlass gewesen, noch mal so richtig in Torlaune zu geraten. Ein Tipp fällt schwer, da von Sensation bis Reibe alles drin ist. Auch wenn der Rote Teppich am Samstagnachmittag eher für die anderen „Roten“ – die aus München – ausgerollt wird, so hat Hannover 96 es sich aber in den letzten Wochen unbedingt noch einmal verdient, sich auf der allergrößten Bühne aus der Bundesliga zu verabschieden. Und auch wenn Hannover in München untergehen sollte, kann man getrost behaupten: Das war ein Abschied mit Würde.

Samstag, 14. April 2016, 15.30 Uhr:
FC Bayern München – Hannover 96

(Foto: Robert96/Wikipedia, Copyright: CC BY-SA 3.0 [1])

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