Jörg Smotlacha & Henning Chadde
10. Januar 2009

“Schreiben ist genau mein Ding”

Kreativ-schriftstellerische Zusammenführungsarbeit: In der Hannoverschen Literaturszene zählt die Schriftstellerin Gyde Callesen seit acht Jahren zu den vielseitig aktivsten Wort- und Kulturschaffenden. Ein Portrait.

Gyde Callesen

Aktiv am Wort: Gyde Callesen

Keine Frage, Gyde Callesen hat noch eine ganze Menge vor. Die hannoversche Autorin sprüht nur so vor Ideen und verblüfft im Interview immer wieder mit neuen Anekdoten – zu vergangenen beruflichen Stationen ebenso wie zu künftigen Plänen. Auf die Frage, wo sie sich in zehn Jahren sieht, antwortet sie schmunzelnd “auf der Bestsellerliste natürlich!” Nicht ohne anzufügen “mit zehn Büchern mehr in jedem Fall”. Das ist der 33-Jährigen unbedingt zuzutrauen, legt sie doch seit 2001 mit der augenscheinlichen Verlässlichkeit eines Schweizer Uhrwerkes beinahe jährlich eine neue Veröffentlichung vor, zuletzt den Gedichtband “paradiesäpfel angebissen” (2007).

Von Berufung und Kreativhorizonten

Dazu führt die Schriftstellerin ein Berufsleben, dass seiner Ausrichtung nach definitiv eher “Berufung” und Erfüllung transportiert, denn Frust und “Ausverkauf”, und welches die verschiedensten Kreativhorizonte und Oasen zu einem Ganzen vereint. Gyde Callesen hat nicht nur ihren beruflichen Alltag nach Schrift und Wort ausgerichtet – vielmehr scheint es, ihr ganzes Leben drehe sich zielgerichtet und stetig neugierig um den kreativen Ausdruck und die Vermittlung von Wort- und außergewöhnlichen Lebenswelten.

Aber von vorne: Gyde Callesen hatte bereits im Alter von 12 Jahren den Wunsch, Schriftstellerin zu werden. Schließlich studierte sie Germanistik, Philosophie, Biologie und Pädagogik – zunächst in Aachen, dann in Hannover. Als sie nach dem Studium ein Angebot für eine Promotion erhielt, nahm sie zwar zunächst an, doch innerlich war ihr längst klar, dass sie keine Hochschul-Laufbahn einschlagen wollte: “Ich hatte mir selbst versprochen, nach dem Studium erstmal nur noch zu schreiben”. Und so dauerte es nicht lange, bis sie eigene Wege ging. Sie gab Workshops und Schreibseminare, arbeitete als Dozentin für Literarisches Schreiben, moderierte Lesungen und Radiosendungen und veröffentlichte nach ihrem Erstlingswerk “Augenblicke – Blickwinkel. Lyrische Perspektiven” bis heute weitere fünf Bücher.

“…das Wort weiterzugeben, ist das Tollste für mich”

Während sich ihre literarische Arbeit im doppelten Sinne “ausgezeichnet” entwickelte – unter anderem ist Callesen Preisträgerin des Großen Lyrikpreises 2005 von C.H.Beck und Klassikradio – trugen ihre vielseitigen Dozenten-Tätigkeiten – zum Beispiel an der Universität Hannover, bei privaten Bildungsträgern oder aktuell am Kloster Damme – zu einer sich immer intensiver um das Wort drehenden Selbständigkeit: “Schreiben ist genau mein Ding – die Begeisterung, das Wort weiterzugeben, ist das Tollste für mich”.

Callesen beim Interview

Begeisterte Autorin mit vielseitig begeisterndem Engagement: Gyde Callesen

Der 2003 erschienene Roman “Maya, mein Mädchen” fügte diesem engagierten Feld eine weitere Facette hinzu: Aus ihrer Beschäftigung mit dem Borderline-Syndrom entstand schließlich ein Engagement als Seminar-Leiterin beim Frauen-Notruf Hannover, wo Callesen zum Themenkomplex “Schreiben als Ressource in der Traumaarbeit” referiert. Darüber hinaus hat die vielseitig interessierte Autorin an mehreren Fortbildungen in Tanz, Shiatsu und Tai Chi teilgenommen und sich im Bereich der intensiven “Körperarbeit” ein seminarleitendes zweites Standbein aufgebaut. Selbstredend folgt auch diese Arbeit keineswegs ausschließlich monetären Zielsetzungen, sondern bedeutet wie auch das Schreiben Broterwerb und Herzensangelegenheit zugleich.

Auf dem Wortweg zum Ganzen

Und so hat sich Gyde Callesen im Laufe ihrer langjährigen Seminararbeit immer stärker “von Institutionen gelöst”, um eigene kreative Räume zu erobern und verschiedene Ansätze zu einem Ganzen zusammenzuführen. Genau wie in ihrem literarischen Schaffen. Denn neben der rein schriftstellerischen Produktion steht sie vor allem für ein kreativ-engagiertes Zusammenführen verschiedener Kunst- und Kultur-Sparten. Callesen verfolgt verschiedene Projekte mit Bildenden Künstlern, arbeitet an Wortinstallationen und Performances und liest besonders gerne an ungewöhnlichen Orten im Freien, zum Beispiel im Rahmen der Gartenregion 2009. Kein Wunder, dass ihr Traum darin besteht, eines fernen Tages ein Begegnungszentrum für Künstler aller Sparten zu entwickeln. Und natürlich weiterhin jedes Jahr ein Buch zu veröffentlichen. Nach dem Gespräch mit Gyde Callesen ist klar, dass diesen Ideen noch viele weitere folgen werden, fügt sie doch zum Abschied an: “So lang kann ich gar nicht leben, so viele Ideen ich noch habe”.

mehr Informationen zu Gyde Callesen:
www.gydecallesen.de

(Fotos: Pressefoto (1), Henning Chadde (2))

Dieser Artikel erschien im Stadtkind, Ausgabe Januar 2009

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Kategorien: Literatur, Menschen

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