Henning Chadde
11. Juli 2016

Schwitzend-schwül und lässig sexy

Das Verhör: „Flying To The Stars“ von Coogans Bluff

Sexy Groove-Fluggesellschaft: „Flying to the stars“, Album-Cover von Coogans Bluff

Hatten die deutschen Soul-Rocker Coogans Bluff bereits spätestens seit ihren letzten Alben „Poncho Express“ und „Gettin‘ Dizzy“ aus den Jahren 2012 beziehungsweise 2014 unmissverständlich und selbstbewusst mit ihrer ehemaligen Stoner-Rock-Vergangenheit gebrochen, sind sie mit ihrem neuen Werk „Flying To The Stars“ getreu dem Albumtitel noch weitere tausend Universen entfernt vom Krach-Schaffen alter Tage. Keine Frage: Coogans Bluff wollen einfach immer weiter. Stillstand und Ausruhen gibt es nicht, das kann man schließlich später auf dem Altenteil machen und sterbenslangweilig ist es so oder so.

In der kreativ produzierenden Gegenwart heißt es für die fünf Musiker rund um den Bassisten und Sänger Clemens Marasus vielmehr, alle mit dem letzten Werk „Gettin‘ Dizzy“ gewonnenen Tugen noch einen gehörigen Schritt weiter zu öffnen und mit „Flying To The Stars“ auf die komplette Entspanntheits-Schiene jenseits aller Erwartungshaltungen zu katapultieren. Immer noch flirrt und sirrt der Coogansche Groove schwitzend-schwül und lässig sexy, als wäre er einem in New York spielenden Blaxploitation-Kracher aus den tiefen Siebzigern entsprungen. Was beim letzten Output aber noch schwer nach krachenden Verfolgungsjagden in heißen City-Nächten klang, lehnt sich nunmehr tiefenentspannt ganz weit nach draußen in teilweise psychedelisch-hippieske und funk- und soul-infizierte Außenbezirke des Unterbewusstseins. Das Ergebnis wirkt durch die nach wie vor hart-treibenden Bläsersätze fast wie das Gastspiel eines abgehangenen, dreckigen Raubtier-Zirkusses vor den Toren der Stadt, der an der Kasse im Hauptgeschäft achselzuckend grinsend nicht mit Eintrittskarten, sondern mit Tonnen von Gras und selbstgebranntem Lockermacher sein Brot verdient und nebenbei seine Akrobatinnen und Schlangenmenschen als abgedrehten, immer aber geschmackvoll zugeneigten Escort-Service für laue, einsame Sommernächte feilbietet.

Man höre beispielsweise nur die entspannt mäandernden Dirt-Smasher „Hooray!“, „N.R.I.H.C.“, das beinahe verstohlen unschuldig treibende „A Swim In The Park“ und den Stop-And-Go-Mid-Tempo-Stomper „Where No Man Has Gone Before“. Verschwunden scheint die Hektik der früheren Großstadt-Tage. Coogans Bluff nehmen 2016 ganz diesseits im Jetzt vielmehr die Position des cool-augenzwinkernden Beobachters und soundtrack-orientierten Kommentators ein, anstatt sich blaugeschlagen mitten in das soundgewordene Crime-Getümmel zu schmeißen, wie früher. Recht so, denn so gelingen Coogans Bluff stimmungsgeladene Schlüsselloch-Snapshots für das Kopfkino ganz weit draußen und doch mittendrin. In Hypothalamus und Beckengegend. Kurz „Flying To The Stars“ ist genau die richtige Scheibe für schwüle, verschwitzte und verkiffte Sommernächte zu zweit. If you know, what I mean. Wenn nur endlich mal Sommer wäre. Der Rest lässt sich locker regeln.

Coogans Bluff: „Flying To The Stars“, CD, 8 Songs, 42 min., Noisolution

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Kategorien: Musik

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