Susanne Viktoria Haupt
1. August 2016

Der erste Bierdeckel mit Tiefgang

Seitenansichten: „Prost – Das Buch zum Bier“ von POLO

Auch wenn es optisch dazu einlädt, ist dieses Buch viel zu schade, um ein Bier darauf abzustellen: „Prost – Das Buch zum Bier“

Die Deutschen lieben ihr Bier. Hier hat nahezu jede größere Stadt ihre ganz eigenen Sorten, die zusätzlich zum Hopfen und Malz mit jeder Menge Lokalkolorit daherkommen. In Berlin ist es das Sterni, in Hamburg wird das Astra verehrt und in Hannover geht wenig über das gute alte Herri. Und man mag sich auch gar nicht ausmalen, wie viele Liter des ältesten Kulturgetränks in München während des Oktoberfests über den Tresen gehen. Deutschland ist das Land der Biergärten, des Feierabend-Biers und des Fuß-Pils, ohne das so mancher an einem lauen Sommerabend erst gar nicht vor die Tür geht. Während einige andere kulinarische Instanzen so langsam von Quinoa, Chia und Co. verdrängt werden, gibt es nach wie vor keine gelungene Alternative zum Bier. Schuld könnte zum einem die Geruhsamkeit der Deutschen hinsichtlich ihres Bieres sein oder aber die ohnehin vorhandene Vielfalt des Gerstensaftes.

Ein Glückspilz ist, wer bei verständnisvollen Barkeepern landet: Zeichnung des in Berlin lebenden Illustrators Kriki

In den vergangenen Jahren haben wir in Hannover und der Region oftmals ausgiebig den Tag des Bieres und des Buchs gefeiert – unter anderem mit einem seit Jahren beliebten Poetry Slam. Dankenswerterweise fallen beide Tage auf dasselbe Datum und diese Verbindung musste natürlich irgendwann die Runde machen. Auch der Wuppertaler Cartoonist und Illustrator André Poloczek kommt als ehemaliger Journalist vom Wort, zeichnet seit bereits 25 Jahren hauptberuflich unter anderem für den Eulenspiegel und das Titanic-Magazin und ist einem guten Bier auch nicht gänzlich abgeneigt. Demnach lag es nahe, diese drei Dinge zum 500. Jubiläums des Reinheitsgebotes miteinander zu vereinen. Herausgekommen ist das handliche Buch „Prost – Das Buch zum Bier“, dessen Buchdeckel gleichzeitig Bierdeckel ist. Für diese feucht-fröhlichen Seiten sammelte POLO, so sein Künstlername, einen Teil seiner liebsten Zeichner und Zeilenschreiber zusammen. Der Fokus dabei lag klar auf der humorvollen Note, aber auch auf der Stimmigkeit zwischen den einzelnen Beiträgen. Typische Sauf-Witze lassen sich hier nicht finden. Auffällig ist jedoch die kontinuierliche graphische Qualität, die sich durch die 128 Seiten des Buches hindurchzieht.

Auch in Kneipen macht der Letzte das Licht aus – falls er den Schalter noch zu finden vermag. Illustration des in Bad Vilbel geborenen Cartonisten Gerhard Glück

Die Liste der teilnehmenden Illustratoren, Cartoonisten und Texter ist lang und beeindruckend. Mit dabei ist zum Beispiel die Bremer Illustratorin Bettina Bexte, deren Cartoons sich im Eulenspiegel, Gecko und auch auf Spiegel Online finden lassen. Die Zeichnungen des Berliners Matthias Kiefel hingegen findet man ansonsten beispielsweise in der Süddeutschen oder im Zitty-Magazin. TOM, eigentlich Thomas Körner, dürfte den regelmäßigen taz-Lesern dank seiner Touché-Comic-Strips, ein Begriff sein. Literarische Unterstützung kommt auch vom ehemaligen Chefredakteur der Titanic, Thomas Gsella. Aber auch Initiator und Herausgeber POLO hat es sich keinesfalls nehmen lassen, Text und Bild zum Buch beizusteuern. Neben Gedichten, literarischen Momentaufnahmen, Cartoons und Fotografien gibt es außerdem das „Lallphabet“ und „Das bierernste Kneipen-Quiz“, das wesentlich gehaltvoller ist, als so manches Weizen. Eine runde Sache, hinter derem stabilen Deckel sich zeichnerische Qualität, augenzwinkernde Poesie und eine ernste Bedrohung für müde Lachmuskeln befinden. Prost.

„Prost – Das Buch zum Bier“, Herausgeber: POLO, 128 Seiten, Lappan Verlag, ISBN-13: 978-3830334163, 9,99 Euro

(Foto: Pressefoto/Buchcover (1), Kriki (2), Gerhard Glück (3))

„Seitenansicht“ erscheint in Kooperation mit der Buchhandlung Decius.

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Kategorien: Literatur

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