Claudia Nowak
28. Februar 2009

Das Kabinett der Abstrakten

Das Sprengel Museum zeigt eine Ausstellung über den Aufbruch in der hannoverschen Kunst-Szene der Zwanziger Jahre

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„Hannover in den Zwanzigern“: Alexander Dorners Kabinett der Abstrakten

Naum Gabo, Alexander Dorner, Herwarth Walden, Willi Baumeister, Walter Dexel, Robert Michel, László Moholy-Nagy, Jan Tschichold. Keine leichten Namen – keine leichte Kost. Aber das soll Kunst auch nicht sein. Und in den 1920er-Jahren herrschte in den Köpfen der Künstler eine Aufbruchstimmung, die an die Vorreiter Kurt Schwitters oder El Lissitzky anknüpfte. Pioniere der Abstraktion waren diese beiden, und so wurde auch Hannovers Kunstwelt in den Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts fortschrittlicher und internationaler. Vielfältigkeit war angesagt. „Die abstrakten Hannover“ nannte sich eine 1927 gegründete Künstlervereinigung. Modern und funktional gestaltet mit neuen elementaren Bildformen versuchte die Gruppe die gesellschaftliche Entwicklung voranzutreiben. Auf Initiative von Alexander Dorner richtete Lissitzky passend zur Einstellung das sogenannte „Kabinett der Abstrakten“ ein. Ein Raum, der ausschließlich der künstlerischen Moderne von Expressionisten und den Abstrakten gewidmet und mit Bildern und Plastiken der jeweiligen Vertreter geschmückt war – zum damaligen Zeitpunkt einzigartig.

Der von Kurt Schwitters gegründete „Ring neuer Werbegestalter“ war eine weitere Erscheinung dieser Epoche. International renommierte Künstler gewannen Einfluss auf die Entwicklung der Typografie. Druck und Werbung spielten bei der Gestaltung eine enorme Rolle. Aber was am Ende so einfach aussah, war kompliziert und musste gut durchdacht sein. Wie konnten Schriften, Flächen, Dekorationen oder Richtungen angesetzt werden, um am Ende die Aufmerksamkeit eines Betrachters auf ein Plakat zu lenken? „Hannover in den Zwanzigern“ steht aber auch für die weiterbeständige neusachliche Malerei. So zeigt die Ausstellung unter anderem auch die Mona Lisa Hannovers: Grethe Jürgens „Blumenmädchen“ und deren bekanntestes Bild einer Menschenmenge vor dem Arbeitsamt. Ob nun abstrakt, sachlich oder Werbung der Zwanziger – die Ausstellung im Sprengel Museum läuft noch bis zum 26. April.

Samstag, 28. Februar 2009:
„Hannover in den Zwanzigern. Neue Präsentation der Sammlung“, Ausstellung, Sprengel Museum, Kurt-Schwitters-Platz, 30169 Hannover, Eintritt: 7 Euro, ermäßigt: 4 Euro

  • Öffnungszeiten: Di 10-20 Uhr, Mi bis So 10-18 Uhr, Mo geschlossen

(Foto: Pressefoto/Sprengel Museum)

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Kategorien: Kunst, Tagestipps

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