Marcel Seniw
17. September 2016

Die Alm erobern

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Auswärtsspiel bei Arminia Bielefeld

Erobert wohl erst einmal nur noch die Tribüne: 96-Abwehrchef Salif Sané droht eine lange Sperre

An das Gefühl vom letzten Spieltag will man sich erst gar nicht wieder gewöhnen. Hannover 96 verlor sein erstes Spiel in der 2. Fußball-Bundesliga und das irgendwie vollkommen zurecht. Beste Chancen, wie diejenigen von Niclas Füllkrug oder Sebastian Maier, wurden vergeben und GegnerDynamo Dresden packte zwei Sonntagsschüsse aus, bei denen auch der sonst überragende Keeper Philipp Tschauner nichts mehr zu halten hatte. Letzterem war es rückblickend zu verdanken, dass die Roten nicht drei oder gar vier Gegentore hinnehmen mussten. Und da wäre da noch dieser saublöde Aussetzer von Salif Sané. Sané wirkt seit einigen Spielen ein wenig zu überheblich auf dem Platz. Seine Körpersprache auf dem Platz wirkte schon immer lässig. Zuletzt unterliefen dem Senegalesn jedoch haarsträubende Fehler. Schlampige Pässe im Spielaufbau, lustlos nach vorne geholzte Bälle aus der Abwehr heraus, und dann fing er auch noch an, als letzter Mann vor dem eigenen Kasten in Dribblings gegen zwei Gegenspieler zu gehen. Doch der 26-Jährige bekommt nun etwas Zeit, um sich zu sortieren und den Kopf freizubekommen: Der DFB sperrte ihn nach seiner Tätlichkeit für fünf Spiele. Hätte die Sperre Bestand, würde dies bedeuten, dass Sané bis zum 23. Oktober kein Pflichtspiel mehr für Hannover bestreiten wird. Hannover 96 legte jedoch Einspruch gegen das Urteil ein, das am 22. September neu verhandelt werden wird. Ausgerechnet derjenige, der eigentlich als Zugpferd der jungen Mannschaft die Richtung vorgeben sollte, wird sich nun also erst einmal auf die Tribüne setzen müssen. Die Zügel sollen nun andere übernehmen.

Noch mehr Ausfälle

Doch nicht nur Sané wird Hannover 96 längere Zeit fehlen. Unter der Woche brach sich Babacar Gueye das Jochbein bei einem Trainings-Zweikampf mit Waldemar Anton. Und auch Martin Harnik wird wohl mehrere Wochen ausfallen – aufgrund eines Muskelfaserrisses in der Wade. Die anfangs zurecht so gelobte Offensive lässt also Federn. Da passt es für 96 ganz gut in die Planung, dass Artur Sobiech wohl wieder für die Startelf in Frage kommt, zumal Niclas Füllkrug noch nicht als Knipser überzeugen konnte. Es wird langsam Zeit, dass Noah-Joel Sarenren-Bazee, Hannovers Flügelflitzer mit dem explosiven Antritt, sich nach seiner Hüft-Operation wieder fit meldet. Die Lücke von Salif Sané in der Abwehr wird am Sonntag in Bielefeld indes höchstwahrscheinlich Neuzugang Stefan Strandberg füllen, auf dessen ersten Auftritt man gespannt sein darf. Ein wenig mehr Konkurrenzkampf könnte auch in der Innenverteidigung nicht schaden, um die Konzentration mancher Spieler wieder nach oben zu pushen, dies gilt auch und besonders für Sané.

Gegner Arminia Bielefeld kann aus dem Vollen schöpfen

Beim morgigen Gegner aus Bielefeld sieht die Personalsituation zwar entspannter aus, denn alle Spieler sind verletzungsfrei, doch dafür brennt es beim Blick auf die Tabelle: Die Arminia steht mit zwei Punkten aus vier Spielen auf dem 16. Rang. Am letzten Spieltag gegen den FC St. Pauli verloren die Ostwestfalen zwar erst spät, aber dafür kann man sich im Fußball bekanntlich nichts kaufen. Daher formulierte Cheftrainer Rüdiger Rehm sein Ziel für die Partie gegen Hannover 96 recht forsch: „Wi wollen natürlich dringend in die Spur kommen. Wir haben viel aufgearbeitet und die Köpfe zusammengesteckt, um diesem nicht zufriedenstellenden Start in die Saison schnellstmöglich ein Ende zu geben“, erklärte Rehm. Doch auch die Roten um Coach Daniel Stendel wollen wieder zurück in die Spur finden, denn nach zuletz einem Remis und einer Niederlage darf sich 96 eigentlich nichts anderes als einen Sieg in Bielefeld leisten, um den eigenen hohen Ansprüchen zu genügen. Daher gilt es, sich voll auf die kommende Aufgabe zu konzentrieren. „Wir lassen das große Ziel nicht aus den Augen, aber wir beschäftigen uns mit dem nächsten Spiel. Das ist für mich der Weg. Wir beschäftigen uns mit Arminia Bielefeld – auch eines von 34 Spielen, gegen einer Gegner, der alles raushauen wird, um zu punkten. Wir sind gewarnt und haben aber selber auch den Anspruch, zu punkten“, so der 42-Jährige. Und in Hannover hofft man sehr, dass die Roten wieder dreifach punkten – allein schon um die Braunschweiger nicht noch weiter davonziehen zu lassen. Mein Tipp lautet daher: 96 gewinnt und das morgige Spiel endet mit einem 3:1 Auswärtserfolg in der Schüco-Arena. Die Alm wird im Sturm erobert und die Tuchfühlung zu Braunschweig bleibt.

Sonntag, 18. September 2016, 13.30 Uhr:
Arminia Bielefeld – Hannover 96

(Foto: Pressefoto/Hannover 96)

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Kategorien: Sports

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