Marcel Seniw
20. September 2016

Angst vor dem Fehlstart

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Heimspiel gegen den Karlsruher SC

Findet Chef-Coach Daniel Stendel gegen den Karlsruher SC die richtige Balance zwischen Angriff und Abwehr?

Der Fehlstart im Profifußball ist ein sehr dehnbarer Begriff. Wenn ein Aufsteiger beispielsweise nach den ersten fünf Spieltagen mit vier Punkten auf dem 15. Platz – also über dem Strich – steht, dann gilt dies für viele Experten schon fast als „gut in der Liga angekommen“. Für einen Verein wie den Hamburger SV wiederum würde ein solcher Start nichts weiter als business as usual bedeuten, während dem FC Bayern München mancher Experte schon bei neun Punkten nach fünf Spielen eine Krise apokalyptischen Ausmaßes andichten würde. Die Quintessenz dessen heißt, ob es einen Fehlstart gibt oder nicht, muss man je nach Verein, dessen Anspruch und der Erwartungshaltung von außen unterschiedlich bewerten.

Der Anspruch von Hannover 96

Präsident Martin Kind hat die Richtung vor der Saison klar vorgegeben: Nichts anderes als der direkte Wiederaufstieg soll für die Mannschaft von Hannover 96 diese Saison herauskommen. Ein Verpassen des ausgerufenen Saisonziels wäre mit Verlusten von rund 50 Millionen Euro verbunden und würde wohl den sportlichen Kollaps für den Verein bedeuten. Erschreckende Beispiele gibt es zur genüge, genannt seien der 1. FC Kaiserslautern oder die investorgeplagten Münchner Löwen von 1860, die es nach dem zweiten Jahr der Zweitklassigkeit nicht mehr nach oben geschafft haben. Hannover 96 steht zwar derzeit noch mit acht Zählern auf dem sechsten Rang der Zweiten Fußball-Bundesliga, doch wenn nach dem morgigen Spiel gegen den Karlsruher SC aus diesen acht Punkten nicht elf gemacht wurden, dann muss man wohl schon von einem Fehlstart sprechen. Drei Spiele in Folge ohne Sieg sind für die eigenen Ansprüche in dieser Liga einfach zu wenig, weshalb es ein viertes siegloses unbedingt zu vermeiden gilt. Die hochgelobte Mannschaft steht also in der Pflicht.

Die Unentschiedenen aus Karlsruhe

Der Gegner aus Karlsruhe steht mit vier Punkten auf dem 15. Platz der 2. Liga. Dies ist enttäuschend, da der Verein vor einem Jahr noch fast in die erste Liga aufgestiegen wäre und nur durch den Rekord-Relegationsmeister Hamburger SV und einen umstrittenen Freistoß davon abzuhalten war. Dennoch gelten für die Baden-Württemberger inzwischen andere Vorzeichen, da sie ihren langjährigen Cheftrainer Markus Kauczinski zum FC Ingolstadt ziehen ließen. Letztlich fällt es schwer, eine Mannschaft inmitten einer Neufindungsphase einzuschätzen, die von fünf Spielen nur eines verlor und viermal Remis spielte. Selbst wenn mit Thomas Oral ein erfahrener Zweitliga-Trainer an der Seitenlinie steht. Oral wird seine Lehren aus der einzigen Niederlage, einem dann aber auch derben 0:4 bei Union Berlin, gezogen haben und seine Truppe auf die pressende Offensive von Hannover 96 eingestimmt haben. Und sollte es am Ende für den KSC zu einem Unentschieden in Hannover reichen, dann würde sich wohl kein Karlsruher beschweren.

Bei 96 fehlt die Abstimmung

Lehren ziehen muss allerdings auch 96-Trainer Daniel Stendel. Nach der Niederlage gegen Dresden konnte sich 96 in Bielefeld dank zweier Eigentore des Gegners zu einem 3:3-Remis mogeln. Die erste Hälfte wurde verpennt, die zweite war ansprechender, der Pechvogel hieß Stefan Strandberg. Der Neuzugang foulte erst elfmeterreif, danach unterlief ihm auch noch ein Stellungsfehler, der zur zwischenzeitlichen 2:0-Führung der Bielefelder führte. Immerhin erzwang der Neuzugang das erste Eigentor der Bielefelder geradenoch rechtzeitig vor dem Halbzeitpfiff. Von einem gelungenen Einstand kann aber keine Rede sein, weil auch sein norwegischer Landsmann Iver Fossum – gegen Bielefeld erstmals auf der Außenverteidiger-Position – keinen guten Tag erwischte. Zwar konnte auch er seinen Beitrag zu einem Eigentor des Gegners leisten, dennoch blieb er im Spiel nach hinten einiges schuldig. Generell ist das 96-Spiel aufgrund der hochstehenden Außenverteidiger durch Konter sehr leicht zu knacken. Die Abstimmung zwischen den Außenverteidigern und den zentralen Mittelfeldspielern wirkt noch stark ausbaufähig, denn immer genau dann, wenn sich die Verteidiger ins Angriffsspiel einschalten und sehr hoch stehen, wackelt Hannover im Umkehrspiel gewaltig. Wenn der Trainer diese Lücken gestopft bekommt, dann kann sein offensiv vorgetragener Fußball auch dauerhaft von Erfolg gekrönt werden. Ansonsten müssen seine Jungs vorne immer einen mehr machen, als sie hinten kassieren. Und für diesen alten Kalauer zahle ich auch gern ins Phrasenschwein. Zum Abschluss noch mein Tipp: Hannover 96 hat nach den letzten drei Spieltagen einiges gutzumachen und wird vom heimischen Publikum getragen die Remis-Könige aus Karlsruhe mit 4:0 aus dem Stadion fegen. Den Fehlstart gibt es morgen nur beim Gegner.

Mittwoch, 21. September 2016, 17.30 Uhr:
Hannover 96 – Karlsruher SC

(Foto: Pressefoto/Hannover 96)

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Kategorien: Sports

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