Marcel Seniw
29. Oktober 2016

Aus welchem Holz seid Ihr geschnitzt?

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Heimspiel gegen die Würzburger Kickers

Sorgte unter der Woche für Schlagzeilen: Salif Sané hat seinen Vertrag bei Hannover 96 bis 2020 verlängert

Was war denn da am Mittwoch los? Hannover 96 ballerte im DFB-Pokal den Liga-Konkurrenten Fortuna Düsseldorf mal eben mit einem halben Dutzend Toren aus dem eigenen Stadion. Sechs Buden gegen eine Mannschaft, die nach den Samstagspartien der Zweiten Liga auf dem dritten Tabellenplatz übernachtet und in elf Spielen gerade einmal neun Gegentore zuließ, sind dann doch mal eine deftige Ansage – und hoffentlich ein Versprechen für die nähere Zukunft. Denn nach zuletzt zwei Niederlagen im Ligabetrieb wird es Zeit, dass Hannover 96 sich wieder als Aufstiegsfavorit präsentiert und nicht nur mit Ballbesitz aufwartet, denn jetzt braucht es Zählbares. Hannovers Cheftrainer Daniel Stendel fand auf der Pressekonferenz zum heutigen Spiel gegen die Würzburger Kickers jedenfalls die passenden Worte: „Der Sieg vom Mittwoch hilft schon. Erfolgserlebnisse geben immer neues Selbstvertrauen. Wir haben gezeigt, dass wir unser Offensivspiel deutlich konsequenter durchspielen und uns Torchancen erspielen können. Es geht darum, dass wir wissen: ‚Wir können’s, aber wir müssen das eben auch abrufen und viel dafür tun – das ist die Erkenntnis aus diesem Spiel'“.

Temporäre Ruhe

So ein deutlicher Sieg kann Ruhe in den Verein und sein Umfeld bringen, aber der Fußball ist so schnelllebig, dass eine Heimniederlage gegen die Mainfranken von den Medien zur ersten handfesten Krise „hochsterilisiert“ werden könnte. Bruno Labbadias Wörter-Gulasch mal beiseite gelassen: Hannover steht vor einer extrem wichtigen Heimpartie. Die Würzburger sind zwar Aufsteiger, aber punktgleich mit Hannover 96. Darüber hinaus stellen sie nach dem FC Heidenheim zusammen mit Fortuna Düsseldorf die zweitbeste Defensive der Liga mit nur neun Gegentoren. Und als wäre das noch nicht genug, kommt morgen mit Würzburg auch noch das beste Auswärts-Team der Liga in die HDI-Arena. So wirklich ruhig wird es in Hannover derzeit daher nicht, doch zumindest an einer Front konnte 96 temporär für Ruhe sorgen: Der Verein hat unter der Woche den Vertrag mit Salif Sané verlängert. In den sozialen Medien sorgte das für einige Neckereien von 96-Fans, vor allem in Richtung Köln. Großes Entertainment, was da bei Facebook und Co. immer so abgeht, wenn sich da Leute bashen, die eigentlich null Plan haben. Ich für meinen Teil dachte bereits bei der Verkündung der „guten Nachricht“ an all die Klauseln, die sich Sané für die Aufbesserung seiner Laune in seinen Vertrag hat einbauen lassen. Zumindest scheint der hochdotierte Verteidiger wieder zufrieden, wie seine Video-Botschaft via 96TV bewies. Wenn er jetzt auch noch weniger mit den Armen auf dem Platz rumwedelt, dann wären alle zufrieden.

Wer war doch gleich Würzburg noch mal?

Der heutige Gegner ist ein Neuling in der Liga, doch mit dieser Einstellung sollte Hannover 96 besser nicht den Platz betreten. Den Würzburger Kickers gebührt nämlich absoluter Respekt dafür, was dieser kleine Verein in den letzten Jahren geleistet hat. In den letzten fünf Jahren stieg Würzburg, trainiert von Bernd Hollerbach, vier Mal auf. Von der sechsten in die Zweite Liga in fünf Jahren – das klingt wie ein Märchen, und das letzte Kapitel scheint noch lang nicht geschrieben, wie der aktuelle Höhenflug vermuten lässt. Hollerbach war Abwehrspieler, und er war für mich immer die personifizierte Blutgrätsche des Hamburger SV. Quasi ein Mark van Bommel oder Gennaro Gattuso oder kurz: ein harter Hund. Dementsprechend verwundert es wenig, dass das vom ihm trainierte Team immer bis an die Leistungsgrenze geht. Aber zurück zur Statistik: Mit 96 zusammen traf kein weiteres Team öfter in der Schlussviertelstunde, insgesamt sechs Mal gelang dies beiden Mannschaften. Und die Kickers sind nicht umsonst das beste Auswärtsteam der Liga und punktgleich mit 96. Wer diese Mannschaft also unterschätzt, der sollte sich vielleicht lieber zum Hallen-Halma treffen oder die Konsole anschmeißen. Am Sonntag steigt ein Spitzenspiel!

Charaktertest

Noch ein Fakt: Wenn Daniel Stendel am Sonntag auf Bernd Hollerbach trifft, treffen sich zwei alte Bekannte, denn beide haben eine Saison lang zusammen beim Hamburger SV gespielt. Mehr als einen freundlichen Händedruck oder eine kurze Umarmung sollte Hollerbach jedoch nicht erwarten, denn der Fokus von 96 ist auf einen Heimsieg gerichtet. Die Umstellungen im Kader haben jedenfalls am Mittwoch im Pokal gefruchtet. Felipe übernahm den Part des gesperrten Waldemar Anton, der zuletzt ein wenig überspielt wirkte, Martin Harnik hat auf der 10 für Furore gesorgt und Basti Maier kam über Außen. Edgar Prib übernahm den Posten von Miiko Albornoz. Prompt stand 96 hinten kompakter und insgesamt gefiel die Elf so gut, dass man heute gespannt sein darf, wie Stendel aufstellt. In jedem Fall wird das heutige Spiel eine harte Nuss, doch 96 sollte auch das beste Auswärtsteam der 2. Liga dominieren, denn der Anspruch heißt schließlich Aufstieg. An diesem Wochenende kann und muss die Stendel-Elf endlich zeigen, aus welchem Holz sie geschnitzt ist. Und das so kurz vor dem einzig wahren Derby in Braunschweig. Mein Tipp: 96 siegt 3:1.

Sonntag, 30. Oktober 2016, 13.30 Uhr:
Hannover 96 – Würzburger Kickers

(Foto: Pressefoto/Hannover 96)

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Kategorien: Sports

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