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Die Wiedergutmachung

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Auswärtsspiel bei Eintracht Braunschweig

Knipst er sich gegen den BTSV in die Herzen der Fans? Hannovers Mann der Stunde, Martin Harnik

So ein Abstieg schmerzt schon ziemlich. Unter ihm leiden der Verein, die Spieler und Funktionäre, aber vor allem die Fans und die gesamte Stadt. Immer mal wieder hört man aber auch die Floskel, dass ein Abstieg aber auch gut tun könnte. Die Mannschaft könne sich nun neu finden und etwas Großes zusammenwachsen, denn immerhin besteht die direkte Chance zur Wiedergutmachung. Und im Falle von Hannover 96 bietet der Abstieg anscheinend tatsächlich nicht nur die Chance für einen Neuanfang und den direkten Wiederaufstieg, sondern auch die Chance zur endgültigen Versöhnung mit den Fans.

Die Rückblende

Wir schreiben den 6. April 2014, Schauplatz Braunschweig. Beim ansässigen Braunschweiger Turn- und Sportverein geht es im Spiel zwischen dem BTSV und Hannover 96 um die inoffizielle Niedersachsen-Meisterschaft. Da das Hinspiel in der Bundesliga mit 0:0 endete, waren beiden Fan-Lager entsprechend erpicht auf den Sieg. Ganz egal, ob einer von beiden am Ende einer für Braunschweig und Hannover schwierigen Saison absteigen sollte: Dieses Spiel durfte nicht verloren werden. Nach Abpfiff war das Derby entschieden, und die Eintracht hatte 96 mit 3:0 vom Platz gefegt – für Hannovers treuste Fans war eine Mannschaft aus Derby-Versagern und Legionären ohne Herz geboren.

Das Drumherum

Dieser Stachel sitzt noch heute tief, weshalb man nicht ausschließen darf, dass es morgen richtig krachen könnte. Die Polizei warnt vor gewaltbereiten Fans auf beiden Seiten, die Vereine versuchen vor dem Aufeinandertreffen die eigenen Fan-Lager zu beschwichtigen und rufen zur sportlichen Fairness auf – und ganz nebenbei findet auch noch ein Protestzug der Fan-Initiative Blau-Gelbe-Hilfe gegen Aufenthaltsverbote sogenannter „Problem-Fans“ an diesem Tag statt. Dieser wird zwar fernab von den kritischen Bereichen Hauptbahnhof, Innenstadt und Stadion stattfinden, dafür sorgen schon die Ordnungshüter, aber dennoch erinnert die Situation ein wenig an damals in Hamburg, als der FC St. Pauli den FC Hansa Rostock empfing [1]. Hoffentlich bekommen wir diese Emotionen, die im Vorfeld der Begegnung hochkochen, vor allem auf dem Platz geboten, denn rein sportlich erwartet uns das Topspiel des Spieltages schlechthin.

Die Ausgangssituation

Am Sonntag trifft der Erste der Liga auf den Dritten. Braunschweig steht aktuell mit drei Punkten Vorsprung auf den VfB Stuttgart und fünf Punkten vor Hannover 96 auf dem ersten Spitzenplatz der 2. Liga, hat sich am letzten Spieltag jedoch einige ungewohnte Konzentrationsschwächen geleistet. Die Eintracht führte 2:0 bei Dynamo Dresden, doch die Sachsen konnten die Partie innerhalb einer Viertelstunde zum Ende der Partie noch drehen. Ob man da schon von aufkommender Nervosität vor dem Derby sprechen kann, bezweifle ich stark, doch käme ein kleiner Durchhänger der Löwen genau zum richtigen Zeitpunkt für Hannover 96. Der Abstand von fünf Punkten könnte in diesem Sechs-Punkte-Spiel auf zwei Zähler minimiert werden. Die Roten hingegen bewiesen am letzten Sonntag gegen einen ebenfalls guten Gegner, dass sie Nehmerqualitäten besitzen und ein Spiel drehen können – die absurde Nachspielzeit mal außen vor.

Das Spiel

Mit Blick auf das Spiel glaube ich, dass wir eine ausgeglichene Partie erwarten sollten. Wenn Hannover 96 den Kampf annimmt und die nötige Derby-Robustheit an den Tag legen kann, dann werden wir ein Duell auf Augenhöhe sehen. Schaffen die Roten das nicht, sehe ich keine Chance in Brunschweig. Sollte Braunschweig jedoch andererseits versuchen, das Spiel an sich zu reißen und das Heil in der Offensive zu suchen, dann wäre durchaus auch schnelles Konterspiel der Roten und eine Packung für die Löwen im Bereich des Denkbaren. Hannover bleibt zwar als Krösus der Liga nominell der Favorit an diesem Sonntag, ein Tipp fällt mir vor der Partie trotzdem schwer, da ich mir unsicher bin, ob 96 den Kampf wirklich annehmen wird. Zu oft hatte ich auch in dieser Saion schon das Gefühl, dass die Truppe gegen extrem körperbetonte Gegner nur schwer ins Spiel findet. In Braunschweig wird genau diese Attitüde gefordert sein. Allerdings könnte sich am letzten Wochenende beim 3:1-Heimsieg gegen Würzburg etwas entwickelt haben. Und der eine oder andere Rote kennt ja noch das Gefühl, als „Derby-Versager“ nach Hause zu kommen. Diese Jungs sollten vielleicht die Kabinen-Ansprache halten. Ich tippe an diesem Wochenende doppelt: Beißen sich die Roten in die Partie, werden wir ein 3:0 für Hannover sehen, schaffen sie es nicht, gibt es eine 1:3-Reibe vom ungeliebten Nachbarn. Die Chance zur Wiedergutmachung der Derby-Schmach ist jedenfalls da.

Sonntag, 6. November 2016, 13.30 Uhr:
Eintracht Braunschweig – Hannover 96

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