Marcel Seniw
25. November 2016

Nach dem halben Dutzend

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Heute: das Auswärtsspiel bei Fortuna Düsseldorf

Kommt unter Friedhelm Funkel in Düsseldorf nicht mehr zum Zuge: Ex-96-Publikumsliebling Didier Ya Konan

Vergangene Woche besiegte Hannover 96 den FC Erzgebirge Aue mit 2:0. Rein vom Ergebnis gab es wenig zu mäkeln, doch ein Endstand spiegelt nicht immer das wieder, was auf dem Rasen wirklich zu sehen war. Denn mit etwas mehr Genauigkeit im Abschluss hätten die Sachsen bereits nach zehn Minuten mit 2:0 führen können. Die 96-Defensive wirkte in der Anfangsphase fahrig, die Optimalbesetzung ist noch immer nicht gefunden. Und sehr auffällig war, dass 96 sein Spiel fast ausschließlich über die linke Seite von Edgar Prib und Felix Klaus aufzog. Über den Flügel von Oliver Sorg und Noah-Joel Sarenren-Bazee hingegen lief so gut wie gar nichts. Die Frage lautet: warum? Dass Sarenren-Bazee nach seiner Verletzung nicht direkt wieder bei einhundert Prozent sein kann, war absehbar. Doch nicht erst seit diesem Spieltag ist eine gewisse Linkslastigkeit im Spiel von Hannover zu beobachten.

Offene Planstelle Rechtsverteidiger?

Auf mich wirkt es so, als würde das Team – ob bewusst oder unbewusst – Oliver Sorg weitestgehend im Spielaufbau meiden. Da sich jedoch auf dessen Position weder Iver Fossum noch Waldemar Anton nachhaltig empfehlen konnten, spielt weiterhin Sorg. Vielleicht ist diese Vermutung etwas weit hergeholt und einer subjektiven Wahrnehmung geschuldet, doch vieles spricht dafür, dass Hannover 96 im Winter auf dem Transfermarkt nach einem weiteren Außenverteidiger Ausschau halten wird. Zufriedenheit über das vorhandene Personal drückt man definitiv anders aus. Eine Alternative haben die Roten bislang in dieser Saison noch nicht getestet: Kapitän Manuel Schmiedebach als Rechtsverteidiger. Zuletzt bekleidete Schmiedebach diese Position unter Michael Frontzeck, als Hannover 96 den Abstieg aus der 1. Bundesliga noch gerade so abwenden konnte. Hannovers Achter wusste dabei durchaus auch in ungewohnter Rolle zu überzeugen, wurde aber fortan wieder im Mittelfeld platziert. Vielleicht sehen wir den Kapitän ja schon heute gegen Fortuna Düsseldorf in der Esprit Arena wieder in der Startelf – und eventuell sogar in der Rolle des Rechtsverteidigers.

Fortunas halbes Dutzend

Fast genau einen Monat ist es her, da trafen Hannover 96 und Fortuna Düsseldorf in der HDI-Arena unter Flutlicht im DFB-Pokal aufeinander. Vor der Partie wurde ein enger Spielverlauf prognostiziert, schließlich standen beide Vereine in der Tabelle nah beieinander und Düsseldorf hatte nach zehn Spieltagen erst neun Gegentore kassiert. Die zweifellos gute Defensive um Alexander Madlung und Michael Rensing, die aktuell in 13 Spielen erst zwölf Gegentore hinnehmen musste, sollte an diesem Abend im Oktober jedoch nie die Abstimmung finden. Nach einer Galavorstellung von Martin Harnik und seinen Kollegen lautete der Endstand 6:1 und 96 setzte das erste Ausrufungszeichen der Saison. An diesem Abend schien einfach jeder Ball seinen Weg ins Tor zu finden. Doch das heutige Spiel in Düsseldorf steht unter anderen Vorzeichen. Zum einen gelten im Pokal generell andere Gesetze, zum anderen spielt Hannover nicht vor heimischer Kulisse. Hannovers Coach Daniel Stendel erwartet jedenfalls ein besser gewappnetes Düsseldorf: „Düsseldorf wird uns nicht den Gefallen tun, nochmal so in der Anfangsviertelstunde aufzutreten, wie sie es hier im Pokalspiel gemacht haben. Das war für uns ein schöner Moment und sicherlich auch für die Zuschauer ein interessantes Spiel. Aber wie vorhin schon angedeutet, ist es ein Spiel auf Augenhöhe in der Liga und der Gegner liegt nur zwei Punkte hinter uns.“, so Hannovers Cheftrainer auf der Pressekonferenz. Die Mannschaft seines Trainerkollegen Friedhelm Funkel dürfte also auf Wiedergutmachung brennen.

Ein ganz wichtiges Spiel

Hannover 96 steht heute also vor einem enorm wichtigen Sechs-Punkte-Spiel. Mit einem Sieg über die Fortuna könnten die Roten zumindest kurzzeitig auf den ersten Platz springen, viel wichtiger jedoch ist, dass somit ein direkter Konkurrent auf Abstand gehalten werden könnte. Düsseldorf seinerseits könnte bei einem Heimsieg in der Tabelle an Hannover 96 vorbeiziehen. Eine klare Ausgangslage also, bei der es interessant sein wird, zu beobachten, wie Funkel seine Mannschaft nach der derben Klatsche in Hannover in die Begegnung schickt. Strukturierte Defensive mit Nadelstichen in Form von Kontern – so treten die Gegner von Hannover 96 in der 2. Liga häufig auf. So ist es, wenn man der Aufstiegsfavorit ist. Dennoch bin ich guter Dinge, dass Hannover 96 die Punkte aus Düsseldorf mitnimmt. Zum einen, weil Düsseldorf den Ex-96-Publikumsliebling Didier Ya Konan nur auf der Tribüne einsetzt, zum anderen weil inzwischen deutlich geworden ist, dass 96 auch die dreckigen Spiele in Punkte umsetzt. Meine Progose daher: In einem engen Spiel wird sich Hannover mit einem 2:1-Sieg durch- und somit an der Tabellenspitze festsetzen. Auch das halbe Dutzend aus dem Oktober reicht Fortuna Düsseldorf nicht als Ansporn, um gegen Hannover 96 etwas Zählbares zu holen.

Freitag, 25. November 2016, 18.30 Uhr:
Fortuna Düsseldorf – Hannover 96

(Foto: Fuguito/Wikipedia, Copyright: CC BY-SA 3.0)

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Kategorien: Sports

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