Susanne Viktoria Haupt
26. Dezember 2016

Rauf auf die Leinwand!

Seitenansicht Spezial: Diese Romane schaffen es 2017 ins Kino

Für Tino Hanekamps Kiez-Roman „So was von da“ fiel bereits 2016 die erste Klappe

Zu Roman-Verfilmungen kann man durchaus ein gespaltenes Verhältnis haben. Für manch einen sind sie schlicht überflüssig und einige Verfilmungen können den Zauber des ursprünglichen Buches bei aller Liebe nicht einfangen. Deswegen heißt es ja so schön: „Never judge a book by its movie“. Auch ich wurde schon einige Male von Filmfassungen guter Bücher bitter enttäuscht. Als großer Fan von Willy Vlautin fieberte ich der Verfilmung seines Romans „Motel Life“ natürlich freudig entgegen. Und obwohl die Darsteller durchaus ihr Bestes gaben, war der Film nicht annähernd so gut wie seine Vorlage. Andere Filme werden ihrer literarischen Vorlage jedoch gerecht oder sind sogar noch besser als das Ursprungswerk. Das beste Beispiel hierfür ist der von Disney in Szene gesetzte Klassiker „Mary Poppins“. Während 2016 dank des Theaterstücks „Harry Potter and the Cursed Child“ und des Filem „Fantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ wieder vollständig im Harry Potter-Hype aufging, dürfen sich 2017 vor allem deutsche Romane über den Sprung auf die Kinoleinwand freuen.

Im Oktober 2016 fiel beispielsweise die erste Klappe für die Verfilmung von Tino Hanekamps Roman „So was von da“. Der Kiez-Roman ist in Hamburg längst Kult, auch wenn man von Hanekamp seitdem keine weiteren literarischen Ergüsse mehr zu lesen bekam. Und während in der Verfilmung von „So was von da“ einige Newcomer mitwirken, darf sich auch eine Musik-Legende dazu gesellen. Bela B wird den verstorbenen Elvis mimen. Ob der Film den Kult-Erfolg seiner Vorlage toppen wird, bleibt abzuwarten. Sicher ist, dass er irgendwann 2017 in die deutschen Kinos kommen wird.

Begeisterte schon als Buch über 300.000 Franzosen und kommt bald ins Kino: „Die unglaubliche Reise des Fakirs, der in einem Ikea-Schrank feststeckte“ von Romain Puértolas, Buchcover

2013 feierte Frankreich den Roman „Die unglaubliche Reise des Fakirs, der in einem Ikea-Schrank feststeckte“, geschrieben von Romain Puértolas. In der Geschichte geht es um den Inder Ajatashatru Oghash Rathod, der es unbedingt nach Paris schaffen will, um dort beim schwedischen Möbelhaus Ikea ein Nagelbett zu erstehen. Es kommt allerdings natürlich alles ganz anders, als geplant ,und der Fakir wird in einem Schrank einmal um die Welt verschifft. Ich habe den Roman selbst gelesen und als kurzweilige und durchaus amüsante Lektüre empfunden. Die Produktionsfirma, die die Filmrechte besitzt, befindet sich jedoch in den USA, was darauf hinweisen könnte, dass der Verfilmung der französische Charme fehlen wird, der ihn besonders machen könnte. Das Erscheinungsdatum steht noch nicht fest.

Nach „Herr Lehmann“ und „Neue Vahr Süd“ ein weiterer Sven Regner in Film-Format: „Magical Mystery“, Buchcover

Der deutsche Schriftsteller Sven Regener hat sich schon immer gerne mit der Zeit vor oder unmittelbar nach der deutschen Wiedervereinigung beschäftigt. In seinem 2013 erschienenen Roman „Magical Mystery“ greift er die vom Techno gebeutelten 1990er-Jahre auf und hat damit wieder eine Steilvorlage für eine Verfilmung erbracht. Protagonist ist diesmal Karl Schmidt, der schon in Regeners Roman „Herr Lehmann“ als Nebenfigur in Erscheinung trat. Gespielt wird die Figur von Charly Hübner, der vor allem durch den „Polizeiruf 110“ seinem Publikum bekannt sein dürfte. Regisseur Arne Feldhusen dürfte wiedrum „Stromberg“-Fans bekannt vorkommen. Für Freunde des schreibenden Element of Crime-Frontmans ein Muss, wann sie jedoch ins Kino pilgern können, steht noch nicht exakt fest.

Mit Tom Hanks und Emma Watson in den Hauptrollen kann wenig schief gehen:“The Circle“ von Dave Eggers, Buchcover

Bei Roman-Verfilmungen ganz vorne mit dabei ist Emma Watson. Bekannt wurde sie durch die „Harry Potter“-Filme, in denen sie die belesene Hermine Granger spielte. Aber auch sonst greift Watson literarischen Vorlagen gerne mal unter die Arme. In dem Film „Ballet Shoes“ von 2007, dessen Vorlage der gleichnamige Roman von Mary Noel Streatfeild war, spielt sie die ehrgeizige Pauline Fossil. 2012 glänzte sie an der Seite von Ezra Miller in der Verfilmung von Stephen Chboskys Jugendroman „Vielleicht lieber morgen“. 2017 spielt sie an der Seite von Tom Hanks in einer Adaption eines Dave Eggers-Werkes. Der gefeierte Roman „The Circle“ wird nach „Ein Hologramm für den König“ nicht nur die zweite Eggers-Verfilmung sein, sondern auch die zweite mit Publikums-Liebling Tom Hanks in der Hauptrolle. Und selbst, wenn man mit der Roman-Vorlage wenig anfangen konnte, dürfte die Top-Besetzung mit Hanks und Watson durchaus gute Dienste leisten. So schade es ist, aber auch hier ist noch kein Start-Termin bestimmt worden.

Nach einer erfolgreichen Bühnen-Inszenierung lockt nun auch das Kino: „Tigermilch“ von Stefanie de Velasco, Buchcover

Kehren wir noch einmal zur deutschen Literatur zurück. 2013 schaffte die deutsche Schriftstellerin Stefanie de Velasco mit ihrem Jugendroman „Tigermilch“ einen Überraschungshit, der vor allem der schönen Stadt Hannover nicht entging. Das Staatstheater Hannover war beeindruckt und inszenierte aus de Velascos Vorlage ein ebenso erfolgreiches Bühnenstück. Bereits dieses Jahr begannen die Dreharbeiten zu dem gleichnamigen Film, der 2017 in die Kinos kommen wird.

Das neue Jahr wird also spannend, was Roman-Verfilmungen angeht. Und das ist ein positives Signal für alle, die nicht ganz so auf die immer zahlreicheren Comic-Verfilmungen stehen. Nun bleibt nur noch abzuwarten, ob 2017 auch für Bibliophile ein aufregendes Jahr werden wird. Unsre Reihe „Seitenansicht“ wird auch 2017 wieder ein kritisches Auge auf die Neuerscheinungen werfen.

Tino Hanekamp: „Sowas von da“, Roman, 304 Seiten, KiWi-Taschenbuch, ISBN-13: 978-3462044416, 9,99 Euro

Romain Puértolas: „Die unglaubliche Reise des Fakirs, der in einem Ikea-Schrank feststeckte“, Roman, 336 Seiten, Fischer Verlag, ISBN-13: 978-3596520848, 12 Euro

Sven Regener: „Magical Mystery“, Roman, 512 Seiten, Galiani Verlag, ISBN-13: 978-3869710730, 22,99 Euro

Dave Eggers: „The Circle“, Roman, 560 Seiten, KiWi Verlag, ISBN-13: 978-3462046755, 22,99 Euro

Stefanie de Velasco: „Tigermilch“, Roman, 288 Seiten, KiWi Verlag, ISBN-13: 978-3462045734, 16,99 Euro

„Seitenansicht“ erscheint in Kooperation mit der Buchhandlung Decius.

Logo Decius

Wenn Dir dieser Text gefällt, teile den Artikel auf Facebook,
hinterlasse einen Kommentar oder abonniere unseren RSS-Feed!

Artikel drucken

Kategorien: Film, Literatur

Kommentiere diesen Artikel