Susanne Viktoria Haupt
20. Februar 2017

Geschichten von der humorvollen Seite der IT-Branche

Seitenansicht: “Ich habe das Internet gelöscht!” von Philipp Spielbusch

Als IT-Dienstleister hat man es nicht immer leicht, aber oft auch sehr unterhaltsam: “Ich habe das Internet gelöscht” von Philipp Spielbusch

Als das schmale Büchlein “Ich habe das Internet gelöscht” seelenruhig bei uns im Büro lag, musste ich mir ein Lachen verkneifen. Es erinnerte mich vornehmlich an eine Nacht, in der bei mir in der Wohnung auf einmal die Internet-Verbindung weg war, und ich aufgeregt in das Zimmer meines Mitbewohners, seines Zeichen Informatiker, rannte und schrie: “Eike, das Internet ist weg!”. Und auch, wenn mein Mitbewohner ebenfalls zu den Branchenmitgliedern gehört, die eher schweigsam und introvertiert sind, war er um eine schlagfertige Antwort nicht verlegen. “Gut, dann bin ich ja arbeitslos”, hatte er knapp geantwortet und sich wieder umgedreht. Ich bin also durchaus mit Situationen vertraut, in denen eine nicht wirklich technisch versierte Person auf einen Profi stößt. Und ich habe auch einen sehr konkreten Einblick in die IT-Branche und in das häufige Kopfschütteln der “Nerds”, wenn mal wieder jemand glaubt, er habe das Internet gelöscht oder aber es sei einfach “weg”.

Philipp Spielbusch wiederum ist Computer-Experte und besitzt mit seinem Geschäftspartner Wulf eine eigene Firma auf dem Land. Über viele Jahre hinweg hat er demnach allerhand kuriose Geschichten aus seinem Berufsalltag gesammelt und sie nun in “Ich habe das Internet gelöscht” gebündelt. Mal geht es um den PC des Fleischers, der sich dank Porno-Seiten-Besuch einen Trojaner eingefangen hat, mal um den Verschwörungstheoretiker, der sich durch jede unbekannte Datei sofort beobachtet fühlt oder aber um den Apotheker, der von Technik so erschreckend wenig Ahnung hat, dass man fast Kopfschmerzen davon bekommen könnte. Spielbusch selbst kennt seine Pappenheimer und bleibt mit seinem Blick so gelassen wie ein Pfleger auf einer psychiatrischen Akut-Station. Sein Geschäftspartner Wulf unterstützt ihn dabei natürlich tatkräftig, wenn auch oftmals sehr wortkarg. “20 Worte” seien für Wulf das Tages-Maximum, aber wenn es dann doch mal eng wird, kann auch er zum großen Schlag ausholen und reden wie ein Wasserfall. Eine Superpower, die jedoch nur in Notfällen eingesetzt wird.

Die Anekdoten aus dem Alltag eines IT-Dienstleisters hat Autor Spielbusch noch mit Tipps und Tricks versehen, die seinen Leserinnen und Lesern demnächst bei kleineren und mittelgroßen Problemen durchaus hilfreich sein könnten. Beliebt und interessant natürlich vor allem für Menschen aus dem IT-Bereich, oder aber für jene, die sich auch über Serien wie “The IT-Crowd” köstlich amüsieren können. In diesem Sinne: “Have you tried to turn it off and on again?”.

Philipp Spielbusch: “Ich habe das Internet gelöscht”, Roman, 240 Seiten, Rowohlt Taschenbuch Verlag, ISBN-13: 978-3499631894, 9,99 Euro

“Seitenansicht” erscheint in Kooperation mit der Buchhandlung Decius.

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Kategorien: Literatur

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