Marcel Seniw
18. Februar 2017

Hoffentlich kein FC Hollywood

Abseits. Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Auswärtsspiel bei Dynamo Dresden

Trotz Tabellenplatz zwei unter Druck: 96-Trainer Daniel Stendel

Eigentlich könnte man in Hannover ganz guter Dinge sein. Der hannoversche HSV steht auf dem zweiten Tabellenplatz der Zweiten Fußball-Bundesliga und gewinnt seine Spiele in Zweitliga-Manier: Mit Kampf und etwas Krampf. Also eigentlich alles total im Soll. Doch irgendwie ziehen Wolken am Himmel auf. Klub-Chef Martin Kind hob unter der Woche wieder einmal mahnend den Finger und die Medien wittern auch schon den Untergang. Das große Problem von Hannover 96 ist, dass sich die Gegner häufig tief vor dem eigenen Sechzehner verbarrikadieren. Gegen Bochum war das nicht anderes als gegen Kaiserslautern: Lauern auf den Konter und dann zuschlagen! Hätte Martin Harnik gegen Bochum am vergangenen Montag den zweiten Elfer versenkt, hätte wahrscheinlich jeder von einer starken Leistung in der zweiten Hälfte gesprochen. Es war nicht so. Und wir sollten nicht anfangen, durchzudrehen in Hannover und die Analogien zum FC Bayern München bei der Spielweise der tiefstehenden Gegner und dem Druck des Siegenmüssens belassen. Und auch den
FC Hollywood brauchen wir nicht auch noch heraufzubeschwören.

Wo ist eigentlich diese Krise, von der alle reden?

Gegen den VfL Bochum tat sich Hannover 96 fast eine komplette Halbzeit lang extrem schwer, fing einen Konter und verstand es nicht, den bulligen Peniel Mlapa durch den physisch stärkeren Innenverteidiger Salif Sané zu stellen. Denn Waldemar Anton bekam Mlapa nur selten in den Griff, was eine einfache Umstellung in der Zentrale hätte ändern können. In der zweiten Hälfte, spätestens mit der 2:1-Führung, bekam 96 dann mehr Räume. Der größte Kritikpunkt vom vergangenen Montag lag aber klar in der Chancenverwertung. Hätte Harnik den zweiten Elfmeter verwertet oder einer seiner Kollegen einen der Konter vernünftig zu Ende gebracht, dann hätten wir ein anderes Spiel erlebt. Sei es drum, die Punkte wurden eingefahren, und nur das zählt. Hannover 96 stotterte sich zwar in die Rückrunde, hat aber trotzdem sechs von neun möglichen Punkten geholt, also wo ist jetzt die Krise?

Schwarz-gelber Hexenkessel

Gegen Dynamo Dresden steht die Mannschaft von Trainer Daniel Stendel schon morgen aber wieder unter genauester Beobachtung. Die Geier kreisen schon am Medien-Himmel und wittern fette Beute, zumal Dresden Hannover 96 schon im Hinspiel mit 2:0 besiegen konnte – als einziger Gegner in der HDI-Arena übrigens. Zwei Sonntagsschüsse an einem Sonntag reichten den Dresdenern. Klar ist: Auch an diesem Sonntag werden die Sachsen wieder ein unangenehmer Gegner sein. Dresden steht aktuell auf dem sechsten Rang und liegt mit 31 Punkten nur sieben hinter Hannover. Mit einem Sieg könnte Dynamo also einen Big Point landen und sich wieder an die Aufstiegsränge heranschleichen. Doch auch in Dresden hat der Sturm eine Flaute. Aus den letzten drei Spielen konnten zwar vier Punkte geholt werden, jedoch blieben die Sachsen zwei Mal in Folge ohne Treffer. Vor der aufgeheizten Kulisse des Hexenkessels DDV-Stadion soll diese Serie jedenfalls reißen, wünschen sich die Sachsen.

Zeit für die Kritiker

Hannover 96 wird auf einen starken Gegner treffen, das steht außer Frage. Dennoch könnten sich die Roten am Sonntag mal 90 Minuten für die Kritiker nehmen und ihnen ein Spiel servieren, welches ale Unkenrufe verstummen lässt. Klar, gegen Bochum hätte es auch zwei Elfmeter gegen die Roten geben können, aber das verbuchen wir einfach mal unter “Bayern-Bonus”, welchen wohl Favoriten einer Liga bei Schiedsrichtern ligaunabhängig genießen. Dennoch verstehe ich nicht, warum aktuell alles so schlecht geredet wird. Hannover 96 ist voll auf Kurs und einigermaßen gut in die Rückrunde gestartet. Wenn jetzt alle wieder richtig in Tritt kommen und das Wetter schon bald nicht mehr so kalt ist, dann scheint doch hoffentlich auch in Hannover wieder die Sonne vom Himmel. Also: Hannover 96 wird sich an Dresden revanchieren und das Spiel mit 3:1 gewinnen. Dank der Fußball-Arithmetik macht das nach Hin- und Rückspiel einen Sieg für Hannover. Also alles eitel Sonnenschein und nichts mit FC Hollywood!

Sonntag, 19. Februar 2017, 13.30 Uhr:
Dynamo Dresden – Hannover 96

(Foto: Pressefoto/Hannover 96)

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Kategorien: Sports

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