Susanne Viktoria Haupt
16. März 2017

Schräg zum Kult

Ein Film über eine der skurrilsten Sängerinnen der Musik-Geschichte: “Florence Foster Jenkins” im Apollo-Kino

Ein traumhaft komisches Trio: Meryl Streep, Hugh Grant und Simon Helberg in der Komödie “Florence Foster Jenkins”, Filmplakat

Ich könnte mir jetzt diese Donald Trump-Anspielung sparen, aber ich möchte es nicht: Denn in doiesem Film spielt die “überbewerteste Schauspielerin” die schlechteste Sängerin. Gemeint ist “Florence Foster Jenkins” mit Meryl Streep in der Hauptrolle. Aber fangen wir von vorne an. Foster Jenkins (1868-1944) war eine amerikanische Pianistin, Mäzenin und Sängerin. Während sie als Pianistin bereits in jungen Jahren als Wunderkind bezeichnet wurde, wurde ihr Wunsch nach einer Gesangskarriere gleich von zwei Umständen blockiert. Der erste war, dass ihr Vater ihr eine Gesangsausbildung nicht finanzieren wollte. Später, als sie sich diesen Traum endlich hätte erfüllen können, wurde ihr zentrales Nervensystem und ihr Gehör in Mitleidenschaft gezogen – vermutlich durch eine Syphilis-Erkrankung.

Ihren Traum wollte sich Foster Jenkins trotz aller Widrigkeiten dennoch nicht nehmen lassen, und so begann sie Anfang des Zwanzigsten Jahrhunderts mit der Unterstützung ihres zweiten Ehemanns und Managers St. Clair Bayfield ihre Kult-Karriere. Trotz einiger schiefer Töne war Jenkins fest davon überzeugt, eine begnadete Sängerin zu sein. Die miserablen Kritiken verleiteten sie dazu, künftig nur noch vor einem ausgewählten Publikum zu singen. Kurz vor ihrem Tod sang sie dann aber doch noch auf Wunsch und Druck ihrer Fans in der beliebten Carnegie Hall in New York. Bis heute wird gesagt, dass der Herzinfarkt, den sie kurze Zeit später erlitt und der sie das Leben kostete, auf die schlechten Kritiken zu diesem Auftritt zurückzuführen sei. Dennoch, oder gerade wegen ihrer sehr eigenwilligen Art zu singen und ihrem divenhaften Verhalten ist Florence Foster Jenkins bis heute Kult.

Während man berechtigte Zweifel am Gesangstalent von Jenkins haben kann, ist dies bei Meryl Streeps Schauspielkünsten nicht der Fall. Mich überzeugte sie bereits zu Beginn der 1990er-Jahre in dem eigentlich eher trashigen Film “Der Tod steht ihr gut”. Seitdem hat Streep unzählige weitere Filme gedreht, mehrere Preise mit nach Hause genommen und ihren Weg in den Olymp der Hollywood-Diven gefunden. Berechtigt, denn auch mit ihren knapp 68 Jahren stellt sie den Großteil der Darstellerinnen und Darsteller um sich herum gnadenlos in den Schatten. Für die Rolle der Florence Foster Jenkins schien Streep daher wie prädestiniert. Sie verleiht der Protagonistin nicht nur den Charakter einer Grande Dame, sondern zeigt auch deutlich das innere Zerbrechen der Sängerin durch die schlechten Kritiken. An ihrer Seite spielen Hugh Grant als Jenkins Ehemann St. Clair Bayfield und “The Big Bang Theory”-Star Simon Helberg als kritischer Pianist. Ein Film vornehmlich zum Lachen, aber auch zum Mitfühlen mit einer der größten Träumerinnen, die die Welt wohl je gesehen hat. Heute zu sehen im Apollo-Kino.

Donnerstag, 16. März 2017:
“Florence Foster Jenkins”, Komödie von Stephen Frears, GB/F 2016, 110 min., Apollo-Kino, Limmerstraße 50, 30451 Hannover, Beginn: 20.15 Uhr, Eintritt: 8 Euro, ermäßigt: 7 Euro

  • weitere Aufführungstermine:
  • Samstag, 18. März, 17.45 Uhr
  • Sonntag, 19. März, 17.45 Uhr
  • Samstag, 22. April, 17.45 Uhr
  • Sonntag, 24. April, 17.45 Uhr

(Foto: Filmplakat)

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Kategorien: Film, Tagestipps

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