Susanne Haupt
15. März 2017

Das Landesmuseum zieht blank

Menschliche Körper im Laufe der Kunstgeschichte: die Ausstellung “Nackt und bloß” im Landesmuseum Hannover

Der stehende Akt von 1911: ein Klassiker aus Lovis Corinths Pinsel

Nackt ist nicht gleich nackt. Nackt kann bedeuten, dass man keine Kleidung trägt, aber auch, sich seelisch zu entblößen. Nacktheit kann etwas Anzügliches sein, oder aber etwas Sinnliches. Es kann verletzbar machen oder eben gerade Stärke ausstrahlen. Nacktheit muss nicht immer sexuell sein, kann aber durchaus das Blut in Wallung bringen. Für manche ist Nacktsein etwas ganz Natürliches. Für die Kunst zumindest ist es das auf jeden Fall irgendwie. Denn der Akt ist eine Kunstform mit einer sehr langen Geschichte, aus keiner Epoche wegzudenken und unterliegt genau wie allen anderen künstlerischen Formen stetigen Wandlungen. Das bedeutet allerdings nicht, dass das Genre vom Publikum immer genauso natürlich und zeitgemäß aufgenommen wurde. Gustave Courbets “Der Ursprung der Welt” aus dem Jahr 1866 ist heute immer noch etlichen Besuchern des Pariser Musée d’Orsay zu viel. Trotz aller Kraft und Ehrlichkeit, die das Werk innehat.

Lovis Corinth beispielsweise war einer der bedeutendsten Vertreter des deutschen Impressionismus. Und gerade der Akt hatte es ihm angetan, mit dem er Schönheit, Eigenwilligkeit, Stärke, Formen und Eindrücke des weiblichen Körpers einfing. An der Ästhetik, Sinnlichkeit und Natürlichkeit von Corinths Bildern wird zumindest heute nicht mehr gezweifelt. Neben Zeichnungen, Skizzen und Gemälden des deutschen Malers sind im Landesmuseum Hannover, das derzeit die Ausstellung “Nackt und bloß” zeigt, weitere Werke von Künstlern zu sehen, die sich mit dem Akt beschäftigt haben. Beispielsweise Henri de Toulouse-Lautrec, der vornehmlich durch seine spätimpressionistischen Gemälde von Paris’ Rotlicht-Vierteln und dem Moulin Rouge bekannt wurde. Dabei geht es in der Ausstellung aber nicht nur um den Akt als solchen, sondern auch um die künstlerische Entwicklung und vor allem die unterschiedlichen Darstellungsweisen menschlicher Körper im Laufe der Geschichte. Mit dieser Ausstellung hat es das Landesmuseum bereits jetzt schon auf die langeleine.de-Hitliste der zehn besten Ausstellungen des Jahres geschafft.

Mittwoch, 15. März 2017:
“Nackt und bloß. Lovis Corinth und der Akt um 1900″, Ausstellung, Niedersächsisches Landesmuseum Hannover, Willy-Brandt-Allee 5, 30169 Hannover, Öffnungszeit 10 bis 17 Uhr, Eintritt: 5 Euro, ermäßigt: 4 Euro, Familien: 10 Euro

  • Die Ausstellung läuft noch bis zum 11. Juni
  • Öffnungszeiten: Di bis Mi und Fr bis So 10-17 Uhr, Do 10-18 Uhr, Mo geschlossen

(Foto: Pressefoto/Landesmuseum Hannover)

Wenn Dir dieser Text gefällt, teile den Artikel auf Facebook,
hinterlasse einen Kommentar oder abonniere unseren RSS-Feed!

Artikel drucken

Kategorien: Kunst, Tagestipps

Kommentiere diesen Artikel