Joyce Kuhn
12. März 2017

Leben und Lieben in Saudi-Arabien

Charmante Komödie aus einem Land der Unfreiheit: “Barakah meets Barakah” im Kino im Künstlerhaus

Möchten sich trotz gesellschaftlicher Widrigkeiten näher kennenlernen: Barakah (Hisham Fageeh) und Bibi (Fatima Al Banawi)

In seiner Heimat Dschidda in Saudi-Arabien lebt Barakah (Hisham Fageeh) mit dem Strom: Seinem Job als Ordnungsbeamter geht er eher leidenschaftslos nach. Freundlich versucht er, das öffentliche Leben nicht aus den Bahnen des islamischen Rechts ausbrechen zu lassen – doch dieser Aufgabe geht er vielmehr aus Gewohnheit als aus religiöser Überzeugung nach. Erst beim Spiel im Laien-Theater flammt Leidenschaft in Barakah auf, wenn er in Shakespeares “Hamlet” Ophelia spielt. Dass er als Mann eine Frauenrolle übernimmt ist in Saudi-Arabien nichts Ungewöhnliches. Frauen bei Proben und Aufführungen? Undenkbar in der saudischen Realität.

Generell sind die Grenzen im Land denkbar eng gestrickt und so findet Bibi Harit (Fatima AlBanawi) nur in der Online-Welt die Freiheit, ihre Rebellion gegen das restriktive Leben herauszulassen. Als sie für das Label “Heavenly Hips” ihrer Adoptiv-Mutter modelt, wird auch das unterbrochen: Barakah wird damit beauftragt, dem illegalen Foto-Shooting ein Ende zu setzen. Barakah trifft auf Bibi – und die Funken eines ersten romantisches Interesses beginnen zu sprühen. Doch Saudi-Arabien ist nicht Hollywood: Denn wie soll man sich näher kennenlernen in einem Land, in dem es einem Mann verboten ist, öffentlich mit einer Frau zu sprechen, die weder mit ihm verlobt noch verheiratet ist? Bei ihren mal mehr, mal minder erfolgreichen Versuchen, einander zu sehen, werden Barakah und Bibi immer kreativer, um das saudische Korsett aus Tradition, Etikette und Religionspolizei zu umgehen und sich ein Stückchen Freiheit zu erkämpfen, das anderswo so selbstverständlich ist.

“Ich möchte Geschichten erzählen, ungekünstelte, unaufgeregte Geschichten aus meiner unmittelbaren Umgebung, die ich außerdem mit dem Rest der Welt in Verbindung bringen will”, erzählt Regisseur Mahmoud Sabbagh, der mit “Barakah meets Barakah” seinen ersten Film in Spielfilm-Länge vorlegt. Dabei ist sein Werk zwar eine Geschichte von Liebe – allerdings fernab typischer Boy-meets-Girl-Geschichten. Verpackt in eine charmant-romantische Komödie voller Humor kritisiert Sabbagh die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse seiner Heimat Saudi-Arabien: “‘Barakah meets Barakah’” zeigt, wie meine Generation über Themen wie den öffentlichen Raum, die Ungleichheit der Geschlechter, über Zensur und Freiheit denkt. Der Film handelt von uns, einer Jugend ohne Rechte.”

Auch wenn die Kritik auf den ersten Blick subtil erscheint, ist “Barakah meets Barakah” eine besondere filmische Rarität: Noch immer sind Kinos in Saudi-Arabien verboten, Film-Produktionen existieren kaum. Mahmoud Sabbaghs Anstrengungen, trotz schwerer Bedingungen einen Spielfilm zu produzieren, ernteten international begeistertes Lob. Im diesjährigen Wettbewerb um die Oscars ging “Barakah meets Barakah” als Vorschlag für den “Best forein language”-Preis ein – als zweiter Beitrag, den Saudi-Arabien bisher je stellte.

Sonntag, 12. März 2017:
“Barakah meets Barakah”, Komödie von Mahmoud Sabbagh, Saudi-Arabien 2016, 88 Min., OmU, Kino im Künstlerhaus, Sophienstraße 2, 30159 Hannover, Beginn: 20.15 Uhr, Eintritt: 6,50 Euro, ermäßigt: 4,50 Euro.

(Foto: Filmplakat)

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Kategorien: Film, Tagestipps

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